Die offizielle Kommunikation beschreibt den Weg meist von Berlin nach Dresden. Ja, natürlich wollen wir die Radtouristen in unsere schöne Landeshauptstadt führen. Aus Sicht der radelnden Besucher endet die Tour an einem der symbolträchtigsten Orte Deutschlands: der Dresdner Frauenkirche, die die Geschichte von Sachsens Glanz, der Zerstörung in den Bombennächten und der Wiedererstehung in der Wendezeit nach 1990 erzählt.
Aber auch für sächsische Touristen ist die Route interessant. Deswegen schauen wir hier mal von der Frauenkirche in Richtung Berlin. Von hier aus führt die Strecke über Radeburg unter anderem ins Lausitzer Seenland und den Spreewald bis zum Brandenburger Tor. Eingebunden wurden auch die touristisch noch weniger bekannten Regionen Dresdner Heidebogen und das Dahme-Seenland vor den Toren Berlins.
Radeburg ist dabei mehr als nur ein Zwischenstopp. Wenn etwas Sachsen und Berlin auf einzigartige Weise verbindet, dann ist es Heinrich Zille.
Aber nicht nur das. Auch ein zentrales Element des Radweges selbst hat hier seinen Ursprung. In dem in Radeburg ansässigen Ideenwerk entstand das Logo für die Radwegbeschilderung. Als Entwurfsverfasser stellte ich das Zeichen den Projektakteuren bewusst gemeinfrei zur Verfügung – ein Beitrag, der die Idee eines offenen, gemeinschaftlich getragenen Projekts unterstreichen sollte.
Als Mitglied der Arbeitsgruppe beim ADFC Sachsen und Vertreter des Dresdner Heidebogen e.V. war ich auch an der Streckenplanung beteiligt. Es brauchte nicht viel Überzeugungsarbeit, vom Elberadweg, den man bis Bad Elster hätte mit nutzen können, wegzukommen und die Idee, den Zille mit „reinzunehmen“, denn zusätzlich bot diese Streckenführung die Möglichkeit einer viel weiter reichenden Vernetzung.
So wurde man sich in der Arbeitsgruppe schnell einig, dass es nicht nur um eine direkte Verbindung zwischen zwei Großstädten geht, sondern darum, die dazwischen liegenden Regionen sichtbar zu machen und noch Unbekanntes touristisch aufzuwerten. So wurden nicht nur das Lausitzer Seenland und der Spreewald, sondern auch das Dahme-Seenland und der Dresdner Heidebogen in die Streckenführung integriert – Regionen, die abseits der klassischen Touristenströme liegen und gerade deshalb ihren besonderen Reiz als „radtouristisches Neuland“ entfalten.

