Am Mittwoch, dem 22. April 2026, kamen im Schützenhaus in Ebersbach Grundstückseigentümer aus Ebersbach und Beiersdorf zu einer Versammlung zum Thema Windkraft zusammen. Eingeladen hatte Oliver Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Ebersbach e.G. Bereits in seinem Einladungsschreiben warb Schmidt für ein gemeinsames Gespräch und formulierte seinen Anspruch deutlich: Als verbindender Faktor zwischen Landbesitzern und Bewohnern im Ort wolle er sich mit möglichst vielen Teilnehmern verständigen. „Nichts ist schlimmer, als dass Einzelne über Viele bestimmen wollen“, schrieb er in der Einladung.
Oliver Schmidt hatte sich von den Mitgliedern der Agrargenossenschaft die Legitimation für sein Handeln bereits in der Generalversammlung geholt, in der einstimmig Windkraftambitionen auf den Flächen der e.G. eine Absage erteilt wurde.
In seinem Vortrag legte Schmidt seine eigene Position und die der Genossenschaft offen dar. Nach eigenen Worten lehnt er das „Geschäftsmodell Windkraftanlage“ ab. Als Grund nannte er vor allem seine Erfahrungen mit Anbietern und Verträgen, die aus seiner Sicht teils sehr einseitig gestaltet seien und Risiken auf Grundstückseigentümer verlagern könnten. Als Beispiel verwies er auf mögliche Kostenfragen beim Rückbau. Auch beim Umgang mit Fundamenten, Kabeln und Leitungen gebe es aus seiner Sicht Punkte, die Eigentümer genau prüfen sollten.
In Sachsen sollen Windenergieanlagen nur mit abgesicherter Rückbauverpflichtung und Sicherheitsleistung genehmigt werden, sogar an eine konjunkturelle Anpassung der Sicherheitsleistung wurde gedacht. Dennoch kann niemand garantieren, wie auskömmlich diese Leistungen in 20 oder 30 Jahren sein werden und die Studienlage in Bezug auf möglicherweise sinkende Bodenqualität durch den Eintrag von Abrieb aus den WKA ist nicht eindeutig und nicht einbezogen.
Zugleich betonte Schmidt, dass ihm Einigkeit in der Region wichtig sei. Falls sich die Mehrheit für Windkraft entschieden hätte, wolle er dies akzeptieren und sich der demokratischen Mehrheit anschließen. Ein gemeinschaftliches Projekt wäre für ihn dann der einzig tragfähige Weg gewesen. Dieses Motiv zog sich durch den gesamten Abend: kein Gegeneinander, sondern ein gemeinsames Vorgehen in der Region.
Im Mittelpunkt der Versammlung stand deshalb auch eine Umfrage unter den eingeladenen Landbesitzern. Nach Schmidts Auswertung wurden rund 95 Prozent der abgegebenen Stimmen gegen Windkraftanlagen abgegeben, rund 5 Prozent dafür. Die absoluten Zahlen liegen der Redaktion vor, werden aber nicht veröffentlicht. Schmidt wertete das Ergebnis als klares Signal aus der Eigentümerschaft.
Inhaltlich richtete sich der Abend vor allem auf zwei Punkte: auf die Sorge vor falschen Versprechen rund um Windkraftprojekte und auf die Frage, welche Rolle die Eigentümer selbst am Ende spielen.
Schließlich sind für sie selbst und die Eigentümer der Anliegerflächen die Auswirkungen aus Schmidts Sicht beträchtlich. Ob Immobilien in der Nähe von Windenergieanlagen tatsächlich an Wert verlieren – dazu ist die Studienlage zwar uneinheitlich und hängt von vielen weiteren Faktoren ab. Die fast einstimmige Ablehnung in Ebersbach und Reinersdorf gibt jedoch Aufschluss darüber, dass hier keiner mit Schlagschatten und /oder Infraschall wohnen will, Studienlage hin oder her.
Betrachten wir die Energiepolitik als „trägen Dampfer“ (siehe Kommentar), so hat diese Position der Grundeigentümer aber auch für uns alle Relevanz. Oliver Schmidt verweist auf Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, die das Versprechen zurückweist, Erneuerbare würden die Energiepreise sinken lassen. In ihrer Energiestrategie beziffert sie die Systemkosten auf über 36 Milliarden Euro jährlich und hält bis 2035 einen Anstieg auf 90 Milliarden Euro pro Jahr für möglich, wenn der Kurs beibehalten wird.
Während Regionalplanung und Politik auf allen Ebenen zwar Bedenken äußern, aber praktisch weiterhin „auf Kurs“ sind und derzeit über Vorrangflächen, Verfahren und Steuerung sprechen, statt die Energiepolitik auf den überfälligen Prüfstand zu stellen, erkannten die Teilnehmer der Veranstaltung, dass sie es sind, die entscheiden. Zugespitzt gesagt:
Der Aus-Schalter für die verfehlte Energiepolitik ist bei den Eigentümern der Flächen.
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