Karnevalsumzug der 69. Saison von RABU: Über 80 Bilder und Geschichten – verrückt, durchgeknallt und neue Herausforderungen

Am Faschingsdienstag, 17. Februar, um 24.00 Uhr endete sie – die mit 99 Tagen (seit dem 11.11.2025) viel zu kurze 69. Saison des Radeburger Carnevals Clubs. Von größter Popularität war und blieb der Straßenumzug am Faschingssonntag.

Mit 80 Bildern erreichte Radeburg wieder Rekordnähe – mehr Gruppen waren zuletzt 2007 zur 50. Saison von RABU unterwegs. Rund 25.000 Zuschauer säumten die Strecke, drei Stunden lang bewegte sich die närrische Karawane durch die Stadt

Und wer dabeistand, merkte schnell: Das hier war keine bloße Abfolge dekorierter Hänger, sondern ein verrückter, durchgeknallter Ausnahmezustand auf Asphalt und Kopfsteinpflaster.

Angeführt wurde der Zug vom Spielmannszug Deutsche Eiche Hirschfeld, gefolgt von den Gruppierungen des RCC – den RCC-Minis mit den Kindertollitäten Prinzessin Mailin I. und Prinz Mattheo I., den Garden, dem Elferrat, der Narrenpolizei, und – natürlich von den Tollitäten der 69.Saison, als da wären Ihre Lieblichkeit; Prinzessin Claudia I. und Prinz Michael I. (*Die markierten Links führen immer direkt zu dem jeweiligen Abschnitt in unserem Video - d. Red.*)

Den Prinzenwagen stellte eine unter Narren sehr bekannte Gruppe aus Bärwalde. Augenzwinkernd sagte Gruppenchef Jens Meister auf die Frage, warum sie diese Augabe gern übernahmen: „Es sind gute Freunde von uns, bauen in Bärwalde ein Haus, Claudia betreibt in Radeburg einen Imbiss, Michael bohrt tiefe Löcher in die Erde - manchmal sogar bis nach Cuba...“ Das Letztere ist ein Insiderwitz.

Gruppe Jens Meister (hier im Bild) stellt übrigens schon zum dritten Mal den Prinzenwagen. In der 57. Saison war Jens selbst Prinz – an der Seite seiner Frau Ilka. 10 Jahre später bauten sie den Prinzenwagen für Sylvie I. und Martin I. Mit dem Motto „Goldene Ananas“ persiflierten sie das Pech, dass man als Prinzenwagen auf Ehrungen in der Wertung der Umzugsgruppen verzichten muss. Dieses Mal ließen sie das Narrenhaus RABU, den Hirsch, symbolisch an einem Ballon durch die Luft fliegen. Als „Überraschungsgast“ hatten sie Hirschwirtin Ute eingeladen. Das machte total Sinn, weil Michael I. eigentlich fast immer Michael der Letzte ist, der aus der Gaststätte gebeten wird, bevor man sie zuschließt.

Die Jubilare & Dauerbrenner

Zu den konstanten Größen gehörten erneut Gruppen, die in den vergangenen Jahren die Jurywertung geprägt hatten. Die Faschingsschmiede Rabu präsentierte sich diesmal mit „RaBu69 – eine verrückte Vögelei“ (<- Link führt direkt zur Gruppe im YT-Video, d.Red.). Mit Platz 4 in der Jurywertung gehörten die Vorjahressieger erneut zu den konstant starken Gruppen – die exotischen "Vögelkostüme" waren mehr als nur Dekoration. Sie waren kleine mechanische Kunstwerke. Und mit angegeben 6969 Arbeitsstunden sagen sie uns noch einmal ganz deutlich: "Missversteht uns bitte richtig."

Ebenfalls wieder mit hoher Erwartungshaltung unterwegs waren die Goldärsche um Nadine Scheppan. Mit „Honigkuss und Blütentanz – im Narrenhaus …“ landeten sie auf Platz 3 der Jurywertung – gold-schwarz, die Kreuzung aus Goldarsch und Biene - in dieser verrückten Welt werden selbst biologische Grenzen überwunden.

Rührend niedlich kamen die FURBYs daher. Was für niedliche Klapperaugen, was für ein Farbenspiel. Einzigartig! Die Original-Furbys waren um die Jahrtausendwende ein Hype. interaktive Plüschwesen mit Sensoren für Licht, Berührung und Geräusche. Sie reagierten auf Ansprache, bewegten Augen und Ohren, lernten nach und nach neue Wörter. Jedes Kind wollte einen haben. Die erste FURBY Generation ist inzwischen erwachsen. Als Fünfte ist die Gruppe Mandy Eichhorn mit den niedlichen Püppchen jetzt wieder in den Top10, früher waren sie schon mal 2. Platz mit „Medusa“, wer sich erinnert.

Auch das Kreativkombinat um Sebastian Grüdl blieb sich treu. Mit „Das Narrengericht! BlueManKohlAuflauf“ erreichten sie Platz 8 – Wortspiel, Bühnenbild und ironische Brechung bilden in RABU längst eine eigene Kategorie. Nicht immer reicht die kurze Kontaktzeit, um Doppeldeutigkeit - z.B. Narren-Gericht (also was Narren so essen) - und Wortwitz zu entschlüsseln, wie hier das dreifache Kofferwort aus BlueMenGroup, Blumenkohlauflauf und Laufgruppe. Wenn man es dann hat, ist es genial, denn spektakulär umgesetzt war es dann schon.

Ein ähnliches Problem hatten letztes Jahr die 59ers, die Gruppe Michael Mösch. Der Dauerbrenner auf den vorderen Plätzen versuchte sich an dem Wortspiel "Bürotechnik ist doch kein Verbrechen", was nicht jeder so schnell kapiert hatte, offenbar auch bei der Jury nicht, denn es hatte "nur" für Platz 6 gereicht.  Mit „Klapsmühle Rabu – Wer hat den größten Vogel?“ schossen sie im wahrsten Sinne des Wortes selbigen ab und sicherten sich diesmal endlich wieder Platz 1 der Jurywertung. Die spektakuläre RABU-Klappsmühle, begleitet von den in Käfigen eingehausten "Vögeln vom Elferrat", gefolgt von vier Meter hohen Gardemädels, die die "schönsten Vögel von Radeburg", die Narrenpolizisten ebenfalls in golden vergitterten Behausungen mit sich führten.

Zu den erfolgsverwöhnten „Dauerbrennern“ gehört auch die Gruppe um Conny Ottlinger. Im vergangenen Jahr stellten sie den Prinzenwagen und nahmen daher nicht an der Wertung teil. In diesem Jahr meldeten sie sich mit ihren „durchgeknallten Skihasen“ zurück und schafften mit Platz 9 auf Anhieb den Wiedereinstieg in die Top10. Die Gruppe imponiert immer wiede vor allem durch ihr Interagieren mit dem Publilum.

Generationen & Traditionen

Wie kann man so lange dabei sein? Wichtig ist für die Tradition deren Weitergabe über Generationen.

Die Ebersbacher Faschingsfreunde starten inzwischen ebenfalls mit mindestens der 3. Generation. Seit 1983 ist die Truppe dabei und damit auch ein heißer Kandidat für den Titel „älteste Umzugsgruppe“, wenn man von den Karnevalsvereinen absieht. - Sie wird jetzt schon einige Jahre angeführt von Toni Drobisch. Als Aliens legten die Ebersbacher eine „Bruchlandung in Rabu“ knapp jenseits der Top10 hin - aber wir können es nur immer wieder sagen, und selbst die Jury teilte mit, dass es eigentlich mehrere 10. Plätze geben müsste, so knapp wie die Entscheidung war. Mit den Ufos und den grünen Männchen, die ihre fliegenden Untertassen als Rock trugen haben sie für Stimmung an der Strecke gesorgt.

Über die Gruppe um Uwe Lehmann lässt sich insgesamt Ähnliches sagen. Seit 1995 dabei sind sie Dauergast in den Top10  - diesmal knapp dahinter. Unter dem Motto „Viele Hände – verrücktes Ende!“ versuchten sie, den Schwachsinn der realen Welt satirisch aufzuarbeiten. Die Idee: "Unsere" Sodabrücke in einen "Hirsch 2.0" verwandeln und damit einem Nutzen zuzuführen. Radeburg hatte es mit einem Brückenbauwerk von fast 1 Million Euro Kosten in die Sendung "Mario Barth deckt auf" und schließlich auch noch ins Schwarzbuch der Steuerverschwendung "geschafft", weil die Brücke bereits gebaut wurde, obwohl nicht feststand, wann das Geld für die anzuschließenden Straßen bereitstehen wird. Aufgrund der Situation, in der sich der Sächsische Haushalt befindet, wird das Projekt "derzeit" nicht fortgeführt. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr, das die Maßnahme zu verantworten hat, hatte eine opulente, sehr teure Gesamtmaßnahme geplant und kostengünstigere Lösungsvorschläge, die auch aus der Stadt Radeburg selbst kamen, verworfen.

An der Tradition langjähriger Teilnahme halten auch die Promnitztaler Faschingsfreunde fest, die seit 30 Jahren am Umzug teilnehmen – dieses Jahr zum ersten Mal ohne Markus Nicklisch, der als Vorsitzender des BärnsdorfErleben e.V. auch die Faschingsgruppe anführte. Die Gruppe hatte sich unter dem Motto "Promnitztal auf dem Weg nach Olympia" eine „moderne Sportart“ zum Thema gemacht. Einer der Olympischen Ringe an ihrem Fahrzeug war schwarz umgefärbt und mit dem Konterfei von Markus versehen. Die Gruppe erinnert sich dankbar. In unserem Video verlesen wir eine bewegende Botschaft der Gruppe an die närrische Gemeinschaft. Indem man eine Sportart wie „Hobbyhorsing“ als mögliche Ersatzsportart für die angeblich „tierquälerischen olympischen Reitwettbewerbe“ auf die Schippe nahm, war man wieder bei genau dem Humor, den man auch von Markus kannte.

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Für Generationen steht in ganz anderer Weise die Gruppe „Hofwall of Fame“. Sie setzt sich zusammen aus Mitarbeitern der Seniorenresidenz am Hofwall und Bewohnern. Dem ältesten Teilnehmer (links im Bild, 98 Jahre alt) konnte die Gruppe den langgehegten Wunsch erfüllen, einmal selbst an einem Karnevalsumzug teilzunehmen. Er hatte die gesamte Tour über Tränen der Rührung in den Augen. "Spinnennetz und Krötenbein, wir spinnen RABU in Zuckerwatte ein!" war das Motto der Gruppe und sie verteilte an die zuschauenden Kinder echte Zuckerwatte!

Diese "Traditionalisten" werden natürlich wunderbar ergänzt durch Neueinsteiger, deren Tradition bisher darin bestand, den Narren vom Straßenrand zuzujubeln. So war die Gruppe "Smiley" um Doreen Partusch aus Thiendorf das erste Mal dabei, um den quengelnden Plagen nachzugeben, die auch mitmachen wollten. „Wir lachen, obwohl es zum Heulen ist!“ lässt da viel Spielraum für Interpretationen. aber genau so darf es ja sein.

Die Schrauber & die Stundenkönige

Mehrere hundert Stunden Bauzeit bei einzelnen Bildern sind keine Seltenheit. Gerüste wurden verschweißt, Aufbauten verstärkt, Figuren modelliert, Licht- und Tontechnik installiert. Die Vorbereitung begann meistens im Herbst - und in drei Stunden ist wieder alles vorbei. Aber fast alle Gruppen betonen, dass das gemeinschaftliche Kreativsein, das Herstellen, die Freude am Ergebnis und letztlich das, was von Zuschauern am Straßenrand zurückkommt, den Aufwand allemal rechtfertigt.

Ob mechanische Ausfahr-Elemente oder mehrschichtige Kulissen – hier wurden nicht nur Pappwände montiert, sondern ganze „Häuser“ in Bewegung gesetzt. Eine Herausforderung immer wieder, die 3,70 Meter hohe Zeltdurchfahrt zu meistern, gerade wenn man Objekte hat, die noch höher sind.

Ganz vorn dabei waren hier auch die M&M Faschingsfreunde: Als Neuling stieg die Truppe um die ehemaligen M&M DJs André Meinert und Mario Socha mit einem auf- und abtauchenden riesigen Narrenkopf samt Spiegel („Spieglein, Spieglein in der Hand …“) ein und landete damit gleich auf Platz 2 der Jurywertung – ein Bild, das schon durch seine schiere Präsenz zeigte, wie ernst manche Gruppen den Wagenbau nehmen. André Meinert hatte zuletzt mit seinen kleinen Laser-Kunstwerken aus Metall und Holz auf sich aufmerksam gemacht - offenbar kann er auch ganz groß. Dazu gab’s eine farblich exakt abgestimmte Gruppe aus zahlreichen kleinen Till Eulenspiegels, die den Zuschauern besagten Spiegel vorhielten, um darin ebenfalls einen Narren zu erkennen.

Die Gruppe Lars Tennert aus Ebersbach landete mit ihrer „Louping Louise“ auf Platz 18. Die Bilder sollen stellvertretend stehen für die vielen Gruppen jenseits von Platz 10, die ein solches Niveau haben, dass man nur ehrfurchtsvoll die Narrenkappe ziehen kann. „Aufwand nichtgezählt“ schreiben sie an den RCC. Aber dass das nicht wenig ist sieht man: Angefangen von der grafische Leistung bis zur technischen Umsetzung der Idee – die Laufgruppe hinter dem grandios gestalteten Umzugswagen in kleine Flugzeuge gesteckt, die Propeller drehen sich, Kinder stehen staunend am Rand. Die Bewertung ist ihnen egal. Es geht ihnen ums Dabeisein. So sehen es übrigens die meisten. Trotzdem ist die Prämierung auch eine schöne Sache – noch einmal zusammen sein und den Fasching ausklingen lassen.

Die Gruppe Lena Fiebig gab 69 Stunden an. OK. Ein Gag. Sie teilte aber auch mit, dass 4000 Federn für die "geflügelten Katzen" verarbeitet wurden. Die närrischen Vögel landeten auf Platz 7 mit ihrer Werbung für das endultimative Anti-Kater-Mittel: „Spitze Ohren, langer Schwanz – Nimm Katerfly nach dem Narrentanz“.

Zu den Bastel- und Wagenbau-Königen gehörte definitiv auch die Gruppe Falk Ziesche aus Rödern, die mit einem Kettenkarussell durch RABU wirbelten. „Manege frei – der Zirkus ist in der Stadt!“ war ihre Interpretation von „verrückt und durchgeknallt“.

Der Jugendclub Berbisdorf mit Alexander Rasch und den RABU-DJs Pizza und Dixen, letzterer auch langjährig verdienter NP-Hauptmann, rechnete über den Daumen 500 Stunden – von dem großen Display bis zum letzten Aufkleber auf den „Drinks“. Genial gemacht. Der Werbespruch für die Bar: „Verrückte Drinks, durchgeknallte Crew – der JCB ruft laut: RABU“

Die Kreativ-Überdrehten – mit und ohne PS

„Verrückt und durchgeknallt“ war das Saisonmotto – und manche setzen es zielgenau um.

Die Berbisdorfer Clique um Tobias Hübler wählte mit „Verrückte Nussknacker, durchgeknallte Crew“ visuelle Überhöhung. Ein gigantischer Nussknacker auf dem Umzugswagen späte nach Faschingsmuffeln, denn das erklärte Ziel war, auch die in dieser Hinsicht härtesten Nüsse zu knacken. Nussknacker in Klassenstärke schwärmten wie Narrenpolizisten aus, um jemanden zu finden, der vielleicht gerade nicht am Lachen ist. Platz 10 diesmal.

Die Gruppe um Mandy Klotzsche schaffte es diesmal wieder mit Farbigkeit. „Rosarot, schrill und nicht zu bremsen …“ stolzierten die Flamingos durch die Straßen und Gassen. Sie erreichten Platz 6 – und waren damit wieder die beste Laufgruppe, wie schon in den letzten Jahren.

Der Dittsdorfer Jugendclub um Robert Schneider zeigte mit seiner überdimensionierten Waschmaschine, wie "durchgedreht" man hier nach einer Faschingsparty ist. Das Motto: "Im Narrenhaus ging's richtig rund, jetzt schäumt die Waschmaschine kunterbunt!"

Für Lebensfreude stand das Team um Lothar Lucke. Unter dem Motto „Aloha! Süße Blumen, Masken schräg – finden aus Hawaii den Weg!“ brachte die Gruppe die farbenfrohe Leichtigkeit der Südsee ins Narrenhaus Rabu und beim Vorbeimarsch am SachsenEnergie-RABU-Studio kam sogar die Sonne heraus! Detailreiche Hawaiianische Totems, Blumenkränze und riesige Blüten in tropischen Farben bestimmten das Bild der Laufgruppe – und bewiesen, dass karnevalistische Lebensfreude zieht - auch ohne Pferdestärken.

Apropos Pferdestärken: Neben Fantasiewelten rollte auch Technik-Geschichte mit. Historische Fahrzeuge, restaurierte DDR-Modelle und fahrbereite Klassiker erzählten Geschichten, die nicht vergessen werden sollen.

Auch die Musikzüge brachten Tradition auf die Straße: Marsch- und Guggemusik mischte sich mit modernen Titeln. Trommeln und Fanfaren; Posaunen und Rasseln, Saxofone und Klarinetten sorgten für den „Rhythmus, wo man einfach mitmuss“. Die zahlreichen Garden - angereist aus der Lommatzscher und Großenhainer Pflege, aus Südbrandenburg, aus dem Heidebogen, der Westlausitz, Meißen und Dresden brachten sich und über 25.000 Menschen an der Strecke dazu, bei Minusgraden drei Stunden mitzufeiern und den dankbaren Resonanzraum für die Aktiven zu bilden.

Immer wieder hielten Wagen an. Immer wieder suchten Aktive den Kontakt zu den Zuschauern. Wiedersehen. Umarmungen. Küsse. Konfetti flog gezielt, Süßigkeiten für Kinder, Fremde entdeckten im Lachen Gemeinsamkeiten.

Dass RABU wieder Rekordnähe erreichte, lag auch an dem professionellen Niveau, das RABU nun schon seit Jahren erreicht hat. Nach den beiden Coronawintern ohne vom Verein organisierten Umzug zeigen die Statistiken wieder nach oben.

Jetzt auch noch Livestream aus eigener Kraft

Dem ehrenamtlich organisierten Verein und den Ehrenamtlichen, die beim Umzug dazustoßen wird nicht nur viel – sondern auch immer mehr abverlangt. Das liegt zum Teil an immer strenger werdenden Sicherheitsauflagen, aber nicht zuletzt auch daran, dass auch die Erwartungen nicht geringer werden. Der Beitrag, den der MDR jahrzehntelang leistete und den der Sender nun kurzfristig nicht mehr leisten wollte, gehörte zu diesen Erwartungen. Statt lange zu jammern stemmte der Verein die Liveübertragung in diesem Jahr selbst – als „blutige Anfänger“, wie man sich dabei selbst sah. Vier Perspektiven, ein mobiles Reporterteam mitten in der Menge, Drohnenbilder, ein Kommentatorenduo das aus dem Ideenwerk sendete, umfunktioniert zum SachsenEnergie-RABU-Studio, waren die Herausforderungen, die binnen weniger Tage aus dem Boden gestampft wurden.

Der Livestream blieb nicht nur stabil. Er wurde angenommen.
Zuschriften, geteilte Links, Rückmeldungen aus ganz Deutschland – und weit darüber hinaus – zeigten, dass RABU auch digital funktioniert. Vielleicht anders als im Fernsehen, aber näher. Unmittelbarer. Eigenständiger.

Dass das gelungen ist, war keine Selbstverständlichkeit. Hinter den Kulissen arbeiteten die Firmen Veranstaltungstechnik Schröder und Visual Media, namentlich Franz Joachim, Robert Merder, Tim Stenschke, Rico Boden, Hannes Pörsel und Jon Thomas. Räume und die vor Ort verfügbare Infrastruktur stellte das Ideenwerk, strategisch klug verteilte Kamerastandorte vom RABU-Studiofenster aus, am Küchenstudio, im Mega-Zelt, dazu eine Drohne und eine Handkamera unterwegs mit Ramona und Ralf Bunzel, alias Elisa Tschofen und Marcel Krause, sowie die Studiokamera, davor platziert Elferrats-Präsident Kai Drabe und Ehrenmitglied Klaus Kroemke.

Eine Foundraising-Aktion wurde gestartet und erreichte tatsächlich ihr Spendenziel. SachsenEnergie wurde speziell dafür als Sponsor gewonnen und Dauersponsor Freiberger legte nochmal was drauf, sodass der Verein die neue Aufgabe auch ohne zusätzliche finanzielle Belastung bewältigen konnte.

In der Abmoderation bedankte Kai Drabe sich für die gesamte Veranstaltung bei allen, nur nicht bei sich. Das sei hiermit ergänzt, denn so eine gigantische Veranstaltung braucht auch immer einen, der sich den Hut – in dem Fall die Kappe – aufsetzen lässt. Danke! Danke! Danke, Kai. Danke auch an Mirko für die Meisterung des Umzugs noch einmal hier von der RAZ-Redaktion im Ideenwerk.

Kais eigene Dankesworte gingen an die nächste wichtige Instanz, „die Stadt Radeburg“. wörtlich bedankte er sich „für die unkomplizierte Zusammenarbeit. Sie unterstützen uns wirklich Jahr für Jahr. Das machte es auch für uns als Verein einfacher. Bürokratie hin oder her – es kann auch unkompliziert abgehen. Radeburg zeigt es.“ So wurde es übrigens auch vom Präsidenten des Verbandes Sächsischer Karneval gesehen, der Bürgermeisterin Michaela Ritter bereits vor zwei Jahren im Rahmen des Sektempfangs vor dem Umzug in Abwesenheit medialer Aufmerksamkeit mit dem Verdienstorden des VSC in Gold ehrte. Kais lobende Worte sind im Livestream nachzuhören. Leider gibt es keinen „Mehr-als-Verdient-Orden.“ Genannt wurden explizit auch Bauhof, Feuerwehr und DRK.

Ein Danke der Redaktion geht an den ganzen Verein und darüber hinaus an alle, die gebaut, geschraubt, organisiert, gesichert und mitgefeiert haben.

Was für eine Siebzigste erwartet uns?

Am 7. März 1957 wurde der Elferrat gegründet – er wird also nächstes Jahr 70 Jahre alt. Nicht der RCC selbst (gegründet 11.09.1979), nicht der 70. Umzug, sondern die 70. Saison von RABU beginnt am 11.11. dieses Jahres. Ja, genau. „70 Jahre RABU“. Wo die Kreation „RABU“ herkommt, erfahrt ihr übrigens ebenfalls im Livestream - oder in der Chronik des RCC. Kleine Ergänzung zur Ahnenforschung: die Erfinderin des Schlachtrufs, Margarete Teuchert, ist die Mutter von Heidi Klotsche und Hannelore Georg.

Eines ist sicher:
Wenn RABU in die 70. Saison geht, dann mit dem Rückenwind eines Umzugs, der nicht nur auf der Straße funktionierte, sondern auch im Netz.

Übrigens: Und wer diesmal nicht vor Ort sein konnte, kann ihn weiterhin sehen:
Der Livestream bleibt online.

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