Ein Haus für die Feuerwehr – und für Berbisdorf

Mit einem Festumzug, einem neuen Löschfahrzeug und vielen Gästen hat die Ortsfeuerwehr Berbisdorf ihr neues Gerätehaus übernommen. Die drei Festredner machten deutlich, dass es dabei um weit mehr geht als um moderne Technik.

Festumzug vom alten zum neuen Gerätehaus.

Festumzug vom alten zum neuen Gerätehaus.

Vom alten Gerätehaus zum neuen: Gemeinsam mit zahlreichen Gästen zogen die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Berbisdorf am Sonnabend, dem 12. September, durch ihren Ort. Der Spielmannszug Hirschfeld begleitete den Festumzug, auch Gäste aus der Radeburger Partnergemeinde Argenbühl im Allgäu waren gekommen. Am Ziel warteten ein modernes Feuerwehrgerätehaus und ein neues Löschfahrzeug.
Es war jedoch nicht die Technik, die in den drei Festreden im Mittelpunkt stand. Ortswehrleiter Erik Paulitz, der stellvertretende Landrat Manfred Engelhard und Bürgermeisterin Michaela Ritter sprachen vor allem über Kameradschaft, Verantwortung und ein Ehrenamt, das in Berbisdorf seit Generationen weitergegeben wird.

Ein Tag, den es so nicht wieder geben wird

Bevor Erik Paulitz über das neue Haus sprach, erinnerte er an die verstorbenen Kameraden. Auch sie hätten in den vergangenen 85 Jahren dazu beigetragen, dass die Berbisdorfer Feuerwehr heute so dastehe. Die Gäste erhoben sich zu einer Gedenkminute.
Denn Feuerwehrgeschichte besteht nicht nur aus Fahrzeugen, Gebäuden und Einsatzzahlen. Manche Erlebnisse blieben ein Leben lang im Gedächtnis, sagte Paulitz. Dazu gehörten schwere Einsätze, bei denen die Kameraden nicht immer so helfen konnten, wie sie es sich gewünscht hätten. Ebenso erinnerte er aber an Ausbildungen, gemeinsam verbrachte Stunden und Ausfahrten – etwa nach Prag oder zum Paddeln in den Spreewald.
Das alles gehöre zum Feuerwehrleben. „Ein neues Gerätehaus zu beziehen, erlebe ein Feuerwehrmann oder eine Feuerwehrfrau dagegen vielleicht nur einmal,“ so der Wehrleiter. Gleichzeitig ein neues Löschfahrzeug zu erhalten und das auch noch im Jahr des 85-jährigen Bestehens, sei etwas Einmaliges. „Das wird es so in der Berbisdorfer Feuerwehrgeschichte definitiv nicht noch einmal geben.“
Paulitz bezeichnete das Gerätehaus als den Ort, „in dem wir als Feuerwehr leben“. Genau darin liegt seine Bedeutung: Es ist Ausgangspunkt für Einsätze, Ort der Ausbildung und Zuhause der Technik – aber ebenso Treffpunkt einer Gemeinschaft.

Anerkennung für den Dienst unter schwierigen Bedingungen

Unter den Gästen war der stellvertretende Landrat Manfred Engelhard. Er erinnerte in seinem Grußwort daran, unter welchen Bedingungen die Berbisdorfer* 
Feuerwehr bisher arbeiten musste. Wer das alte Gerätehaus kenne, wisse, wie beengt und unzureichend es dort gewesen sei. Umso höher sei es den Kameraden anzurechnen, dass dies ihrer Einsatzbereitschaft und ihrem Verantwortungsbewusstsein keinen Abbruch getan habe.
Das neue Haus bietet nun angemessene Räume sowie deutlich bessere Voraussetzungen für Unterbringung, Wartung und Pflege der Ausrüstung. Der Freistaat unterstützte den Neubau mit 430.000 Euro.
Engelhard hob außerdem die Einbindung der Radeburger Feuerwehren in den Katastrophenschutz des Landkreises hervor. Der Löschzug Wasserversorgung verfügt über besondere Erfahrungen beim Aufbau langer Wegstrecken, wenn Löschwasser über größere Entfernungen herangeführt werden muss. Das neue Löschfahrzeug der Einheit soll künftig in Berbisdorf untergebracht und von den dortigen Kameradinnen und Kameraden betreut werden.
Wer sich in der Feuerwehr engagiere, opfere Freizeit und riskiere bei Einsätzen nicht selten die eigene Gesundheit, betonte Engelhard: „Dafür gebühren Ihnen Respekt und Anerkennung.“

Mehr als zehn Jahre von der Planung bis zur Übergabe

Bürgermeisterin Michaela Ritter erinnerte an den langen Weg bis zur Fertigstellung. Bereits im Brandschutzbedarfsplan von 2013 war ein Neubau für Berbisdorf erstmals benannt worden. Es folgten die Standortsuche, die Abwägung verschiedener Möglichkeiten, die Planung und mehrere Jahre der Beantragung von Fördermitteln.
Die Kameraden brachten dabei ihre praktischen Erfahrungen und Vorstellungen ein. Sie besichtigten andere Gerätehäuser und gründeten einen eigenen Bauausschuss. So entstanden Lösungen, die sich am tatsächlichen Einsatzablauf orientieren: kurze und kreuzungsfreie Wege, ausreichend hohe Türen für Einsatzkräfte mit Helm, getrennte Bereiche für private Sachen und Schutzkleidung, eine Stiefelwaschanlage unmittelbar am Eingang und eine Füllmöglichkeit für das Löschfahrzeug in der Fahrzeughalle. Dass Türen, Licht, Heizung und Tore im Einsatzfall über Taster und Transponder gesteuert werden können, erleichtert die Abläufe zusätzlich.
Im Mai 2025 wurde der Grundstein gelegt, im Oktober Richtfest gefeiert. Damals versprach die Bürgermeisterin den Berbisdorfern, ihnen zu ihrem 85-jährigen Bestehen ein modernes Gerätehaus zu übergeben. Dieses Versprechen konnte nun eingelöst werden. Das gesamte Bauvolumen für Abbruch, Neubau, Außenanlagen und Ausstattung beträgt reichlich 2,1 Millionen Euro. Nach Abzug der Förderung verbleibt damit ein erheblicher Anteil bei der Stadt Radeburg. Mehr als 20 Unternehmen und Planungsbüros waren beteiligt. Fast alle haben ihren Sitz in Radeburg, in Nachbargemeinden oder im Landkreis Meißen. Ein großer Teil des investierten Geldes blieb damit in der Region.

Feuerwehr als Teil der Dorfgemeinschaft 

Berbisdorf ist eine von sechs Ortsfeuerwehren im Stadtgebiet Radeburg. Das engmaschige Netz verlangt erhebliche Investitionen, sorgt aber dafür, dass Hilfe auch in den Ortsteilen schnell vor Ort sein kann. Zugleich sind die Wehren dort oft weit mehr als reine Einsatzorganisationen: Sie bilden Nachwuchs aus, richten Veranstaltungen aus und bringen Generationen zusammen.
Wie eng Feuerwehr und Dorf in Berbisdorf miteinander verbunden sind, zeigte nicht erst der Festumzug. Die Ortswehr besteht seit 1941. In manchen Familien wurde die Verantwortung über mehrere Generationen weitergegeben. Auch die seit 1992 bestehende Partnerschaft mit Argenbühl wird durch regelmäßige Begegnungen unter Beteiligung der Feuerwehren mit Leben erfüllt.
Das neue Gerätehaus soll deshalb nicht nur bessere Bedingungen für Einsätze schaffen. Bürgermeisterin Ritter hofft, dass es weitere Berbisdorfer anregt, selbst in der Feuerwehr mitzuwirken. Platz für neue Kameradinnen und Kameraden sei vorhanden.
Sie erinnerte zugleich daran, dass ein solches Ehrenamt ohne die Unterstützung der Partner und Familien kaum möglich wäre. Ausbildung, Einsätze, Technikpflege und Veranstaltungen beanspruchen viele Stunden, die andernorts fehlen.
Was Menschen dennoch dazu bewegt, brachte die Bürgermeisterin auf einen einfachen Gedanken: Es sei „das Gefühl, gebraucht zu werden, einer Gemeinschaft anzugehören und etwas Sinnstiftendes zu tun“.
Mit der Einweihung beginnt für die Berbisdorfer Feuerwehr nun ein neues Kapitel. Michaela Ritter gab den Feuerwehrleuten dafür einen Wunsch mit auf den Weg: „Füllen Sie es mit Leben und guten Geschichten.“