Volkersdorf: 254 Unterschriften für eine maßvolle Entwicklung des Dorfes

Mit einer Stellungnahme zum geplanten „Wohnpark Volkersdorf“ haben sich André und Anja Wild sowie Harald Stumpler an die Stadt Radeburg gewandt. Sie sprechen sich darin nicht grundsätzlich gegen eine Entwicklung des Areals aus, fordern aber eine stärker an den örtlichen Gegebenheiten orientierte Planung.

Anja und André Wild sowie Harald Stumpler (v.l.)

Anja und André Wild sowie Harald Stumpler (v.l.) waren am 19. August mit Bürgermeisterin Michaela Ritter im Rathaus verabredet, um ihre Unterschriftensammlung zu übergeben.

Unterstützt wird die Stellungnahme von 254 Unterzeichnern. Nach Angaben der Initiatoren stammen 222 von ihnen aus Volkersdorf, die übrigen aus angrenzenden Ortsteilen Radeburgs. Am 19. August übergaben sie das Schreiben und die Unterschriftenlisten an Bürgermeisterin Michaela Ritter.

Die Zahl sei auch deshalb beachtlich, weil die Unterschriften während der Urlaubszeit gesammelt worden seien. Die Initiative will damit deutlich machen, dass die Stimmung im Dorf aus ihrer Sicht keineswegs so einhellig positiv ist, wie es einzelne Befürworter darstellten.

Der Ton der Stellungnahme ist zunächst deutlich kritisch. Die Verfasser sprechen von einem „Mammut-Projekt“ und befürchten einen massiven Eingriff in den Charakter Volkersdorfs. Nach ihrer Darstellung sollen 800 Wohneinheiten in Gebäuden mit bis zu fünf Geschossen entstehen und bis zu 1.500 Menschen zuziehen. Die Angaben zu Wohnungszahl und Geschosshöhe sind Aussagen aus der Stellungnahme; die bisher bekannten städtischen Unterlagen nennen als Größenordnung des Quartiers bis zu 1.500 Einwohner, legen die konkrete Bebauung jedoch noch nicht abschließend fest.

Kritisiert wird außerdem eine aus Sicht der Initiatoren zu stark vereinfachte Debatte. Argumenten, wonach nur ein großes Projekt wirtschaftlich tragfähig sei oder andernfalls eine verwahrlosende Industriebrache drohe, halten sie entgegen, dass es weitere Entwicklungsmöglichkeiten gebe. Auch die Zufahrt zum geplanten Wohngebiet sei ihrer Auffassung nach noch nicht geklärt.

Trotz der deutlichen Kritik wenden sich die Initiatoren nicht grundsätzlich gegen eine Entwicklung des Areals. Sie werben vielmehr für einen Mittelweg. Als mögliche Alternativen nennen sie eine kleinteilige, an den Ort angepasste Bebauung mit Einfamilienhäusern sowie eine teilweise Renaturierung des Geländes.

Eine künftige Nutzung müsse möglichst allen Volkersdorfern dienen, heißt es sinngemäß in der Stellungnahme. Die Initiatoren wünschen sich eine behutsame Entwicklung, die den Charakter des Dorfes und die langfristigen Auswirkungen auf kommende Generationen berücksichtigt.

Verfahren steht noch am Anfang

Unabhängig von diesen Forderungen ist bisher noch keine endgültige Bebauung beschlossen. Der Radeburger Stadtrat leitete am 26. März bei einer Gegenstimme ein vorhabenbezogenes Bebauungsplanverfahren ein. Nach den städtischen Unterlagen soll auf dem Gelände der auslaufenden Milchvieh- und Biogasanlage sowie auf angrenzenden Flächen ein rund 9,5 Hektar großes Quartier für maximal 1.500 Einwohner entwickelt werden. Vorgesehen sind grundsätzlich auch Nahversorgung, Dienstleistungen, Grünflächen und ein Quartierszentrum.

Der Aufstellungsbeschluss schafft noch kein Baurecht. Gebäudezahl, Bauhöhen, Dichte, Erschließung und weitere Einzelheiten müssen im weiteren Planungsverfahren konkretisiert und öffentlich erörtert werden. Mit den 254 Unterschriften wollen die Initiatoren ihre Vorstellungen in diesen Prozess einbringen. Inwieweit sie Gehör finden, wird sich in der Stadtratssitzung am Donnerstag, dem 27.08.2026, um 19:30 Uhr zeigen, denn dort steht das Vorhaben erneut auf der Tagesordnung. Die Sitzung findet nach Redaktionsschluss statt. Über die Ergebnisse halten wir Sie in unserer Onlineausgabe auf dem Laufenden.

Klaus Kroemke