Aus dem Stadtrat berichtet: Radeburg nahezu schuldenfrei

Erfreuliche Nachrichten aus der Kämmerei: Die Stadt ist nahezu schuldenfrei. Beim umstrittenen Wohnpark Volkersdorf geht es mit einer abgespeckten Planung weiter: Nach erneuter kontroverser Debatte machte der Stadtrat den Weg für die frühzeitige Bürger- und Behördenbeteiligung frei. Radeburg wählt am 14. März 2027 sein Stadtoberhaupt. Laut SZ will Amtsinhaberin Michaela Ritter erneut antreten.

Nur noch 179.000 Euro Kreditverbindlichkeiten weist der Radeburger Haushalt zum 30. Juni 2026 aus. Diese erfreuliche Zahl brachte Gerald Schneider, Sachgebietsleiter Finanzen, dem Stadtrat in seinem Bericht zur Haushaltslage mit. Auf der Tagesordnung standen außerdem neue Wassergebühren, die Schlussfinanzierung des Oberschulanbaus und erneut der Wohnpark Volkersdorf. Alle zur Abstimmung gestellten Beschlüsse wurden angenommen, allerdings teilweise mit Gegenstimmen.

Solider Haushalt mit niedriger Restschuld

Neue Kredite wurden im ersten Halbjahr nicht aufgenommen, auch Kassenkredite waren nicht erforderlich. In der Finanzrechnung standen zum Halbjahresende rund 7,43 Millionen Euro liquide Mittel. Der Bericht bewertet die Haushaltslage als „grundsolide“.
Dazu tragen höhere Einnahmen bei. Die Gewerbesteuer lag zum Berichtsstand rund 1,5 Millionen Euro über dem Plan. Hinzu kommen für 2026 etwa 1,14 Millionen Euro mehr allgemeine Schlüsselzuweisungen als veranschlagt. Aus der laufenden Verwaltungstätigkeit ergab sich im ersten Halbjahr ein positiver Zahlungsmittelsaldo von 548.000 Euro.
Ein Teil des günstigen Zwischenstandes erklärt sich allerdings durch später umgesetzte Unterhaltungs- und Investitionsmaßnahmen. So hatte die Stadt für die Ortsdurchfahrt Berbisdorf im Zuge der S 80 bis Ende Juni noch keine Investitionsauszahlungen geleistet. Der Halbjahresbericht ist deshalb eine Momentaufnahme und noch kein Jahresabschluss.

Neue Gebühren für Trinkwasser und Abwasser

Der Stadtrat bestätigte die Gebührenkalkulationen für 2026 bis 2028 und beschloss die zugehörigen Satzungen. Beim Trinkwasser steigt die Verbrauchsgebühr von bislang 2,34 Euro auf 2,91 Euro je Kubikmeter für 2026. Ab 2027 werden 3,08 Euro je Kubikmeter fällig; dieser Satz gilt auch für 2028. Die Beträge verstehen sich jeweils zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer. Die monatlichen Grundgebühren bleiben unverändert.
Bei der Schmutzwasserentsorgung ist die Entwicklung anders: Für 2026 sinkt die Gebühr von 3,47 Euro auf 3,39 Euro je Kubikmeter. Für 2027 und 2028 steigt sie dann auf 3,66 Euro. Die neuen Festsetzungen für 2026 gelten rückwirkend ab dem 1. Januar.
Andreas Hübler (ULR) stimmte gegen die Kalkulationen sowie gegen die Beschlüsse zu Trink- und Schmutzwasser. Er kritisierte eine aus seiner Sicht unzureichende Evaluierung.
Einstimmig angenommen wurde dagegen die Satzung zur Entsorgung von Kleinkläranlagen und abflusslosen Gruben. Für Fäkalienschlamm aus Kleinkläranlagen beträgt die Gebühr 2026 nun 65,30 Euro je Kubikmeter, für Abwasser aus abflusslosen Gruben 52,52 Euro. Beide Werte liegen unter denen des Vorjahres. Ab 2027 gelten 75,48 beziehungsweise 55,25 Euro je Kubikmeter, unverändert auch für 2028.

Oberschulanbau kostet mehr, aber belastet die Stadt weniger

Für die Schlussfinanzierung des Erweiterungsbaus der Oberschule bewilligte der Stadtrat weitere 225.500 Euro. Damit sollen noch ausstehende Bau- und Planerrechnungen bezahlt werden. Die Deckung erfolgt aus Haushaltsansätzen für die Ortsdurchfahrt Berbisdorf, deren Umsetzung später beginnt. Die Mittel für dieses Vorhaben sollen bei der kommenden Haushaltsplanung erneut eingestellt werden.
Nach der Beschlussvorlage belaufen sich die erwarteten Baukosten ohne Möbel und Fachkabinettausstattung auf rund 10,02 Millionen Euro. Gegenüber den ursprünglich veranschlagten rund 9,50 Millionen Euro sind das etwa 512.000 Euro beziehungsweise 5,39 Prozent mehr.
Für den städtischen Haushalt fällt die Rechnung dennoch günstiger aus: Die erwarteten Fördermittel steigen auf rund 5,56 Millionen Euro. Dadurch sinkt der voraussichtliche kommunale Eigenanteil von rund 4,54 auf 4,45 Millionen Euro. Die Stadt muss somit trotz höherer Gesamtkosten knapp 90.000 Euro weniger selbst tragen als ursprünglich geplant.

SachsenEnergie stellt Wärmelösung vor

Gunnar Schneider von SachsenEnergie stellte ein Angebot zur Erneuerung der Wärmeerzeugung im Gebäudekomplex Meißner Berg 80 vor. Es geht um ein Energie-Contracting-Modell als mögliche Lösung für den Schulkomplex. Der Stadtrat hatte die Verwaltung bereits im Juni beauftragt, einen Kosten-Nutzen-Vergleich zu erarbeiten.
Ein Auftrag wurde an diesem Abend nicht vergeben. Für die Umsetzung wäre ohnehin eine Ausschreibung erforderlich. Laut Informationsvorlage soll der Stadtrat am 5. November über die zu wählende Variante beraten und beschließen.

Strom und Gasverträge werden neu vergeben

Auch die Konzessionsverträge für Strom und Gas müssen neu vergeben werden. Die derzeitigen Verträge mit SachsenEnergie laufen am 31. August 2029 aus. Sie erlauben dem Versorger, öffentliche Verkehrsflächen für seine Leitungen und Anlagen zu nutzen. Dafür erhielt die Stadt 2025 insgesamt rund 214.000 Euro Konzessionsabgaben.
Die Verwaltung will das Auslaufen der Verträge bereits in der zweiten Jahreshälfte 2026 im Bundesanzeiger bekanntmachen und damit das Verfahren für den Neuabschluss beginnen.

Wohnpark Volkersdorf geht in die Beteiligung

Der Wohnpark Volkersdorf sorgte erneut für eine kontroverse Debatte. Im August hatte sich der Stadtrat mit neun zu acht Stimmen auf eine kleinere Planung festgelegt. Nun lag der überarbeitete Vorentwurf vom 1. September vor. Der Stadtrat billigte ihn einschließlich der zugehörigen Änderung des Flächennutzungsplans und beschloss die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden. Damit wird das Planverfahren weitergeführt; endgültiges Baurecht schafft dieser Beschluss noch nicht.
Das rund 4,57 Hektar große Plangebiet umfasst nur noch die Flächen der bisherigen Milchvieh- und Biogasanlage (siehe Abbildung).
„Durch den Rückbau dieser baulichen Anlagen und Umnutzung der Flächen für die Entwicklung eines Wohngebietes ergeben sich positive Auswirkungen auf das Landschaftsbild“, heißt es in der Begründung zum Bebauungsplan. Andreas Hübler befürchtet dagegen negative Auswirkungen auf das Landschaftsbild durch Gebäude mit bis zu fünf Nutzgeschossen. Daran entzündete sich erneut die Debatte. An den Rändern sollen niedrigere Gebäude mit höchstens drei Nutzgeschossen und geneigten Dächern den Übergang zur bestehenden Bebauung und zur Landschaft gestalten.
Uwe Riemer (AfD) griff die Begründung für den Augustbeschluss an. Er widersprach Hüblers damaliger Darstellung einer kleineren Variante: „Es gab keine Variante C, die uns vorgestellt wurde.“ Der Beschluss habe auf falschen Tatsachenbehauptungen beruht, erklärte Riemer. Bereits nach der Augustsitzung hatte Investor Mirko Schüring gegenüber dem Radeburger Anzeiger bestritten, dass eine wirtschaftlich belastbare Variante C vorgelegen habe.
Riemer warf Hübler außerdem vor, durch die Weitergabe von Informationen aus der nichtöffentlichen Klausurtagung an die Öffentlichkeit die Verschwiegenheitspflicht verletzt zu haben. Jens Meister (CDU) teilte diese Einschätzung nicht. Die Klausursitzung sei zwar nicht öffentlich gewesen, aber nicht im strengen Sinne einer nichtöffentlichen Ratssitzung.
Hübler erklärte sich bereit, eine gegebenenfalls verhängte Strafe auf sich zu nehmen. Auf Riemers Frage, warum sie dies durchgehen lasse, antwortete Bürgermeisterin Michaela Ritter: „Ich sehe keinen Handlungsbedarf.“
Vor der Abstimmung brachte Meister noch einen weiteren Punkt ein. Nach seiner Darstellung sei die nach dem Einsturz der ersten Kuppel neu errichtete Kuppel der Biogasanlage höher gebaut worden als genehmigt. Er kündigte dennoch seine Zustimmung zum Vorentwurf an.
Hübler blieb bei seinen Einwänden gegen die Gebäudehöhen auch in der verkleinerten Planung. Am Ende gab er als Einziger eine Gegenstimme ab; ein weiteres Ratsmitglied enthielt sich. Die übrigen stimmten zu.

Streetworker ab Mitte Oktober in Volkersdorf

Unter den Informationen der Bürgermeisterin wurde angekündigt, dass ab dem 16. Oktober Streetworker in Volkersdorf tätig werden. Angesprochen wurden außerdem die Sportstättenleitplanung, das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (INSEK) und überklebte Ortsschilder (siehe Foto). 

Bürgermeisterwahl am 14. März 2027

Der Termin für die nächste Bürgermeisterwahl steht fest: Radeburg wählt am Sonntag, dem 14. März 2027. Falls im ersten Wahlgang niemand mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen erhält, findet am 11. April ein zweiter Wahlgang statt. Die Amtszeit von Michaela Ritter endet am 20. Mai 2027.
Der Stadtrat wählte außerdem den Gemeindewahlausschuss. Den Vorsitz übernimmt Tina Lang, die neue Hauptamtsleiterin, ihre Stellvertreterin ist Dietlind Groß. Als Beisitzer wurden Holm Thalheim, Robin Thomschke, Jens Meister und Sven Wehnert gewählt. 
Wie die Sächsische Zeitung nach der Sitzung in Erfahrung brachte, will Michaela Ritter erneut kandidieren. Sie steht seit dem 21. Mai 2013 an der Spitze der Stadtverwaltung und bewirbt sich damit um eine dritte Amtszeit.