800 Jahre Schützenwesen in Radeburg

Die Schützengesellschaft 1226 Radeburg feiert am 5. und 6. Juni auf dem Markt – mit Bürgerfest, Ehrenappell, Wettkämpfen und Blick in eine außergewöhnlich lange Geschichte.

Schützen marschieren über den Markt

So oppulent, wie ChatGPT sich das vorstellt, wird das Fest sicher nicht werden, aber wir dürfen mit einer würdigen Veranstaltung rechnen.

Wenn die Schützengesellschaft 1226 Radeburg e.V. in diesem Jahr zu ihrem Jubiläum einlädt, geht es nicht nur um einen Verein. Es geht um ein Stück Stadtgeschichte, das dem Namen nach sogar älter ist als die älteste sichere urkundliche Erwähnung Radeburgs. Die Stadt wird erstmals 1248 sicher urkundlich erwähnt; der Schützenverein führt dagegen die Jahreszahl 1226 im Namen. Das ist kein Widerspruch: Dass Radeburg bereits vor der ersten auffindbaren Urkunde existierte, gilt als unstrittig. Die Schützen berufen sich auf ihre 700-Jahrfeier im Jahr 1926 – jenes historische Foto, das die „Priv. Schützengesellschaft zu Radeburg“ zur 700-Jahrfeier zeigt und auf der Webseite der Schützen zu sehen ist, macht diese Traditionslinie bis heute sichtbar.

Am Freitag, dem 5. Juni, und Sonnabend, dem 6. Juni, wird diese lange Geschichte auf dem Radeburger Markt gefeiert. Der Auftakt ist am Freitag um 18 Uhr mit Bühne, Zelten und Ständen. Ab 18.30 Uhr können sich Bürger selbst ausprobieren: beim Lichtpunkt-Schießen für Kinder und Jugendliche, am Kugel-Luftgewehr sowie am KK-Gewehr in der Schießröhre. Dazu gibt es Informationen rund um den Schießsport – von einfachen Luftgewehren und Luftpistolen bis zu modernen Wettkampfsportgeräten. Um 19.30 Uhr lädt das Heimatmuseum zu einer Führung durch die Sonderausstellung ein, um 21.30 Uhr werden die Sieger der Wettbewerbe geehrt. Gegen 22 Uhr endet der erste Festabend. Grundlage für Programm und Zeiten ist die Ankündigung des Vereinsvorsitzenden Peter Zimmer an den RAZ.

Der feierliche Höhepunkt folgt am Sonnabend. Um 10 Uhr ziehen der Spielmannszug, der Schützenverein und Gastvereine auf dem Marktplatz ein. Danach steht der Ehrenappell im Mittelpunkt. Ab 10.45 Uhr beginnen erneut Wettkämpfe der Schützinnen, Schützen und Gäste. Auch an diesem Tag gibt es das Lichtpunkt-Schießen für Kinder, das Kugel-Luftgewehr und das KK-Gewehr in der Schießröhre. Das Heimatmuseum bietet Führungen um 12 und 14 Uhr an. Um 16 Uhr werden die Tagessieger der Wettkampfdisziplinen geehrt.

Die Geschichte der Radeburger Schützen ist dabei mehr als Vereinschronik. In früheren RAZ-Beiträgen (Linkliste unten) wurde die Schützengesellschaft als einer der ältesten Schützenvereine Deutschlands beschrieben: ältester in Sachsen, ältester in Ostdeutschland und ältester östlich der Elbe. Nur Goslar, Attendorn und Soest wurden in dieser Einordnung als ältere Vereine genannt.

Auch die Vereinsfahne erzählt von dieser Geschichte. 2001 wurde im Radeburger Anzeiger über die Weihe der Radeburger Schützenfahne berichtet. Zur traditionellen Fahnenweihe waren damals Dr. Albert Prinz von Sachsen und Herzog zu Sachsen sowie Prinzessin Elmira von Sachsen erschienen. Solche Zeichen machen deutlich, dass die Radeburger Schützen ihre Tradition nicht als museales Beiwerk verstehen, sondern als lebendiges Brauchtum.

DIe Schützengesellschaft ist heute vor allem ein Sportverein. Auf ihrer Internetseite beschreibt sie sich im 800. Jahr des Schützenwesens als Verein, der Tradition und Sport verbindet. Neben der Pflege historischer Elemente steht der aktive Schießsport im Mittelpunkt. 2025 qualifizierten sich erstmals drei Sportler des Vereins für Deutsche Meisterschaften im Sportschießen.

So verbindet das Festwochenende auf dem Markt mehrere Ebenen: Erinnerung, Vereinsleben, sportlichen Wettbewerb und die Einladung an die Bürger, selbst näher hinzuschauen. Wer bisher mit Schützenwesen vor allem Uniform, Fahne und Tradition verband, kann erleben, wie viel Training, Disziplin und moderne Technik im heutigen Schießsport stecken. Und wer die lange Radeburger Geschichte liebt, findet im Jubiläum einen seltenen Anlass: 800 Jahre Schützenwesen – das ist weit mehr als ein Vereinsdatum. Es ist ein Stück Radeburger Geschichte.

Das Festprogramm finden Sie in unserer aktuellen Druckausgabe.

Quellen:
Linkliste (nach dem Öffnen Suchwort Schützen eingeben)
http://www.dresden-land.de/raz/archiv/raz_1989_1999_pdf/raz9206.pdf 
http://www.dresden-land.de/raz/archiv/raz_1989_1999_pdf/raz9709.pdf 
http://www.dresden-land.de/raz/archiv/raz_1989_1999_pdf/raz9716.pdf 
https://www.dresden-land.de/raz/archiv/raz_1989_1999_pdf/raz9802.pdf 
https://www.dresden-land.de/raz/archiv/raz_1989_1999_pdf/raz9805.pdf 
https://www.dresden-land.de/raz/archiv/raz_1989_1999_pdf/raz9809.pdf 
https://www.dresden-land.de/raz/archiv/raz_1989_1999_pdf/raz9810.pdf 
https://www.dresden-land.de/raz/archiv/raz_1989_1999_pdf/raz9917.pdf