Mia schwimmt immer weiter

Sportschülerin aus Reinersdorf sammelt Medaillen, Bestzeiten und neue Ziele – doch die öffentliche Aufmerksamkeit bleibt oft aus.

Mia Albrecht

Mia Albrecht startete bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften über vier Freistil-Distanzen. Über 800 m holte sie Bronze, über 1500 m Silber. Auf diesen beiden Strecken holte sie beim Grand Prix in der Slowakei zwei Mal Silber.

Als der Radeburger Anzeiger 2023 (Ausgabe Juni, Seite 8) über sie berichtete, war die Überschrift fast schon ein Versprechen: „Mia Juli Albrecht greift im Wasser nach den Sternen“. Damals hatte die junge Schwimmerin aus Reinersdorf gerade bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften in Berlin Gold und Silber geholt. Inzwischen ist aus dem großen Talent eine Athletin geworden, die weiter hart an sich arbeitet, neue Strecken erobert und sich auf Bundesebene behauptet.

Mia schwimmt nach wie vor für den SV Weixdorf. Trainiert wird am Landesstützpunkt in Dresden, doch ihr Verein bleibt der SV Weixdorf – jener Verein, der sie seit den ersten Schritten im Leistungssport begleitet. Gerade das ist ihrer Mama Claudia Albrecht-Marquart wichtig. Denn in der öffentlichen Wahrnehmung gehen Sportlerinnen und Sportler aus kleineren Vereinen schnell unter. Über die großen Namen und großen Vereine werde regelmäßig berichtet, sagt sie. Wer nicht zum großen Dresdner Verein gehört, müsse sich Sichtbarkeit oft mühsam erarbeiten.

Dabei hätte Mia genug zu erzählen.

In den vergangenen Monaten wurde sie von Martin Dautz trainiert. Für Mia sei er sowohl menschlich als auch trainerisch ein echter Zugewinn, sagt Claudia Albrecht-Marquart. In dieser Saison hat Mia ihr Training deutlich auf die Langstrecke ausgerichtet. Das bedeutete eine große Umstellung: mehr Umfang, anderes Tempo, anderes Durchhalten. Während sie auf den Mittelstrecken zuvor etwa 50 bis 55 Kilometer pro Woche trainierte, liegen es jetzt auf der Langstrecke 60 bis 65 Kilometer. Hinzu kommt, dass Mia in der Langstreckengruppe als einziges Mädchen mit den Jungen trainiert. Auch das war nicht immer einfach. Aber sie hat sich durchgebissen.

Die Ergebnisse zeigen, wie stark diese Entwicklung ist. In der aktuellen bundesweiten Jahrgangswertung 2010 liegt Mia über 200 Meter Freistil auf Platz 9, über 400 Meter Freistil auf Platz 7 und über 800 sowie 1500 Meter Freistil jeweils auf Platz 2. Damit gehört sie auf den langen Strecken zu den besten Schwimmerinnen ihres Jahrgangs in Deutschland.

Bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften vom 9. bis 13. Juni 2026 in Berlin bestätigte Mia diese Form. Über 200 Meter Freistil wurde sie Siebte in 2:08,11 Minuten, über 400 Meter Freistil Neunte in 4:32,54 Minuten. Besonders stark waren die langen Strecken: Über 800 Meter Freistil gewann sie Silber in 9:10,02 Minuten, über 1500 Meter Freistil Bronze in 17:23,47 Minuten. Bemerkenswert daran: Die 1500 Meter schwamm sie trotz einer geprellten Rippe nach einem Sturz – und dennoch mit einer starken Bestzeit.

Nur wenige Tage später ging es weiter zum Grand Prix der Slowakei nach Samorín. Dort startete Mia in der offenen Wertung, also nicht nur gegen ihren eigenen Jahrgang. Auch dort überzeugte sie: Platz 7 über 200 Meter Freistil in 2:08,47 Minuten, Platz 4 über 400 Meter Freistil in 4:28,62 Minuten, Platz 2 über 800 Meter Freistil in 9:04,18 Minuten und ebenfalls Platz 2 über 1500 Meter Freistil in 17:25,27 Minuten.

Hinter solchen Zahlen steckt ein Alltag, den man von außen leicht unterschätzt. Frühe Wege nach Dresden, Schule, Training, Hausaufgaben, Wettkämpfe, Trainingslager, kaum freie Wochenenden. Für 2027 sind bereits weitere Trainingslager geplant: anderthalb Wochen in Ägypten und drei Wochen Höhentraining in Armenien. Das große Ziel für das kommende Jahr ist die Junioren-Europameisterschaft im Becken.

Möglich wurde ein Teil dieses Weges auch durch Unterstützung aus der Region. Anfang des Jahres hatte die Familie ein Crowdfunding gestartet, um Mias Trainingslager mitzufinanzieren. Viele Menschen spendeten, fragten nach, erzählten weiter – und erfuhren dadurch überhaupt erst, wer Mia ist und was sie leistet. Mit Hilfe dieser Spenden konnte das Trainingslager in Ägypten bezahlt werden. Dafür möchte sich die Familie ausdrücklich bedanken.

Denn Schwimmen ist ein Sport, der viel fordert – körperlich, zeitlich und finanziell. Trainingslager, Wettkämpfe, Reisen, Ausrüstung, Eintrittsgelder und Livestreams summieren sich. Gleichzeitig ist es gerade im Einzelsport schwierig, Sponsoren zu finden. Während Fußball und andere große Sportarten oft selbstverständlich im Mittelpunkt stehen, müssen Schwimmerinnen wie Mia um Sichtbarkeit kämpfen.

Dabei geht es nicht darum, anderen etwas wegzunehmen. Es geht darum, hinzusehen. Auch in kleineren Vereinen wachsen Talente heran. Auch abseits der großen Plattformen werden Leistungen erbracht, die Respekt verdienen. Mia Juli Albrecht ist dafür ein starkes Beispiel.

Sie selbst bleibt dabei ruhig und bescheiden. Große Worte sind nicht ihre Art. Sie schwimmt lieber. Aber vielleicht ist genau deshalb wichtig, dass andere gelegentlich über sie reden.

Der Radeburger Anzeiger wünscht Mia weiterhin Gesundheit, Freude am Schwimmen, starke Nerven – und Menschen an ihrer Seite, die sehen, was sie leistet. Wer sie unterstützen möchte kann dies weiter über GoFoundMe. Jeder kleine Betrag hilft.

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