Regionalplan Wind: Informationsabend in der Kirche Radeburg

BI Gegenwind Rödernsche Heide informierte über Vorranggebiete, Bürgerbeteiligung und einen Volksantrag – Diskussion zeigte Zustimmung, aber auch offene Grundsatzfragen.

Pfarrer Andreas Kecke begrüßte als Gastgeber die Besucher der Radeburger Kirche zu diesem Infomationsabend, an dem über 100 Bürger teilnahmen.

Pfarrer Andreas Kecke begrüßte als Gastgeber die Besucher der Radeburger Kirche zu diesem Infomationsabend, an dem über 100 Bürger teilnahmen. Er mahnte eine sachliche Diskussion an.

Am Donnerstag, dem 11. Juni 2026, fand in der Kirche Radeburg eine Informationsveranstaltung mit Mitgliedern der BI Gegenwind Rödernsche Heide e. V. statt. Mit über hundert Gästen war die Veranstaltung deutlich besser besucht, als die offiziellen Veranstaltungen des Regionalen Planungsverbandes. Thema waren hier wie dort die derzeit laufenden Planungen zu Windvorranggebieten – hier speziell in Radeburg und den Nachbargemeinden – sowie die Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung. Grundlage des Abends war eine Präsentation, die zunächst Grundinformationen zur Windkraft, anschließend das Planungsverfahren, Einspruchsmöglichkeiten und das weitere Vorgehen erläuterte.

Bereits zu Beginn baten die Veranstalter um einen respektvollen Umgang, Akzeptanz anderer Meinungen und darum, einander ausreden zu lassen. Inhaltlich machte die BI deutlich, dass sie die geplanten Vorranggebiete kritisch sieht. In der Präsentation wurden mögliche Vorteile von Windkraftanlagen – insbesondere Rendite und Stromerzeugung – den aus Sicht der BI gravierenden Nachteilen gegenübergestellt. Genannt wurden unter anderem Eingriffe in Landschaft und Natur, Lärm, Schattenwurf, Auswirkungen auf Tiere sowie Veränderungen des Wohnumfeldes.

Ein zentraler Punkt des Vortrags war die Frage, ob Deutschland weitere Windkraftanlagen brauche. Ein zugespitztes „Nein“ gab es nicht. Konsens sollte sein, dass Windkraft an geeigneten, windhöffigen Standorten eine Ergänzung des Energiemix sein könnten, ersetzen aber keine für 50Hz-Netze notwendige stabile Versorgung. Als Problem wurde benannt, dass Windkraft und auch Solarenergie meistens, aber eben nicht immer Strom liefern könnten. Dazu brauche es so genannte Backup-Systeme. Diese sind teuer, denn politisch wurde festgelegt, dass jeder Energieerzeuger, egal ob sein Stom abgenommen wird oder nicht, den Preis des teuersten Anbieters notwendigen bekommt. Gibt es zu viel Sonne und Wind gleichzeitig, muss Strom zu Negativpreisen verkauft werden. Die Kosten trägt die Allgemeinheit. Schon jetzt, da ist in den Vorranggebieten noch nichts gebaut, kommt letztgenannter Fall immer häufiger vor.

Weitere Folien zeigten die Größenordnung moderner Windkraftanlagen und mögliche Auswirkungen auf das Landschaftsbild. Anhand von Karten wurden die geplanten Flächen in der Region sowie deren Lage zu Radeburg, Ebersbach und weiteren Orten dargestellt. Besonders im Fokus stand dabei das Vorranggebiet 24 im Bereich der Rödernschen Heide. Die BI verwies darauf, dass Argumente gegen einzelne Vorranggebiete gesammelt seien und Bürger diese für eigene Stellungnahmen nutzen könnten.

Ein praktischer Teil des Abends widmete sich der Frage, was Bürger konkret tun können. Genannt wurden eigene Information, Kontakt zu sachkundigen Bürgern, Schreiben an politische Verantwortliche, persönliche Vorsprache bei der Geschäftsstelle des Planungsverbandes sowie die Teilnahme an der Bürgerbeteiligung. Die Frist für Stellungnahmen wurde mit 6. Juli 2026 benannt. Außerdem erläuterte die Präsentation beispielhaft, wie eine Online-Stellungnahme, eine E-Mail oder eine schriftliche Eingabe aufgebaut sein kann.

Am Ende des Vortrags ging die BI auch auf den sächsischen Volksantrag für ein Windkraftmoratorium ein. Die Initiative fordert unter anderem einen befristeten Ausbaustopp für Windparks bis Ende 2027, die Aussetzung neuer Genehmigungen, mehr kommunale Planungshoheit, neue Flächen nur mit Zweidrittelmehrheit vor Ort sowie individuellen Schutz für Wohnbebauung, Natur und Landschaft. Ein Volksantrag bringt nach Darstellung der Initiative mit mindestens 40.000 gültigen Unterschriften einen Gesetzentwurf in den Sächsischen Landtag, der dort beraten und abgestimmt werden muss.

In der anschließenden Diskussion unterstützten mehrere Teilnehmer die Aussagen der BI. Sie äußerten Sorge um Landschaft, Wohnqualität und die aus ihrer Sicht unzureichende Berücksichtigung örtlicher Besonderheiten. Zugleich gab es auch kritische Einwände. Eine Bürgerin sagte sinngemäß, die Region befinde sich heute auch deshalb in einem Dilemma, weil man es versäumt habe, rechtzeitig auf den Zug der erneuerbaren Energien aufzuspringen. Andere Kommunen wären bereits energieautark. Ein weiterer Bürger wies darauf hin, dass der Energiebedarf in den kommenden Jahren deutlich steigen werde. Wer Windkraft ablehne, müsse deshalb auch sagen, welche Alternativen stattdessen zur Verfügung stehen sollen. (siehe Kommentar)

Damit zeigte die Diskussion, dass die Auseinandersetzung vor Ort nicht allein zwischen „für“ und „gegen“ Windkraft verläuft. Viele Bürger stören sich nicht nur an Windkraft an sich, sondern an Tempo, Verfahren, Flächenauswahl und fehlender Gesamtsicht. Gleichzeitig steht die Frage im Raum, wie eine sichere, bezahlbare und umweltverträgliche Energieversorgung künftig aussehen soll, wenn Strombedarf, Wärmewende, Elektromobilität und Industriebedarf weiter steigen.

Die BI rief dazu auf, die Bürgerbeteiligung zu nutzen, eigene Stellungnahmen einzureichen sowie den Volksantrag per Unterschrift zu unterstützen. Entscheidend sei, nicht nur allgemein Unmut zu äußern, sondern konkrete Argumente zu den jeweiligen Vorranggebieten vorzubringen.

Links:

Erst Klarheit - dann Ausbau!

Kommentar zu der Frage, warum ein isolierter Fokus auf Erneuerbare nicht ausreicht

Die Kritik an den geplanten Windvorranggebieten ist nachvollziehbar, wenn sie sich auf konkrete Eingriffe in Natur, Landschaft, Wohnumfeld und kommunale Entwicklung richtet. Das ist kein ein einfaches ablehnendes „Wir brauchen keine neuen Windräder“.

Jens Rumberger formulierte in einem Facebook-Kommentar vor der Veranstaltung einen Satz, der auch in der Diskussion in der Kirche so gekommen sein könnte: „Die entscheidende Frage ist nicht, ob wir erneuerbare Energien ausbauen, sondern wie wir dies möglichst effizient, wirtschaftlich und naturverträglich umsetzen.“

Genau dieser Frage stellt sich auch das Ausbaumoratorium. Es fordert nicht „nie“, sondern „Stopp mal – bevor vollendete Tatsachen geschaffen werden“. Das Moratorium soll davor schützen, einen Weg zu beschreiten, ehe klar ist, wohin er führt. Ist er effizient, wirtschaftlich und naturverträglich? 

Dahinter steckt die Frage, tut es der Zubau neuer Windräder (und PV-anlagen) allein? Und weiter gefragt: Welches Gesamtsystem soll den steigenden Strombedarf künftig zuverlässig decken? Wer Windkraft ausbaut, muss erklären, wie Netze, Speicher, Reservekraftwerke, Kosten und Versorgungssicherheit zusammenpassen. Wer Windkraft ablehnt, muss ebenso erklären, wie er den steigenden Strombedarf stattdessen decken will. Genau diese Fragen wurden in der Diskussion in der Radeburger Kirche auch gestellt.

Der bisherige politische Plan, so war in den Veranstaltungen des Planungsverbandes zu erfahren, setzt im Kern auf Wind und Solar – und auf die Hoffnung, Überangebote an Strom künftig per Elektrolyse in grünen Wasserstoff umzuwandeln. Dieser Wasserstoff dient damit als Speicher und soll bei Bedarf in wasserstofffähigen Gaskraftwerken wieder zu Strom gemacht werden. Der Wirkungsgrad ist negativ (es wird mehr Energie aufgewendet als bei der Verwertung wieder abgegeben wird). Wirtschaftlich kann es nur sein, wenn der Strompreis während der Elektrolyse negativ ist und bei hoher ungedeckter Nachfrage teuer verkauft werden kann. Elektrolyseure investieren aber nur, wenn ausreichend viele Betriebsstunden erreicht werden können. Ein Widerspruch in sich, der nur durch massive Subventionen gelöst werden kann.

Die Bundesnetzagentur hat dies ausgeblendet und ein Wasserstoff-Kernnetz mit 9.040 Kilometern Leitungslänge und erwarteten Investitionskosten von 18,9 Milliarden Euro genehmigt. Zugleich weist sie darauf hin, dass der Realisierungszeitraum auf die Zeit deutlich nach 2035 verschoben wurde.

Genau dort liegt das Risiko des deutschen Plan Wasserstoff: er ist weder klimaneutral (solange er auf Gas basiert) noch versorgungssicher, weil absehbar nicht verfügbar, also nur ein Versprechen.

Der Weg, den 40 andere der führenden Industrienationen gewählt haben, setzt weiterhin auf Atomkraft. Auch Japan, das Fukushima wieder ans Netz genommen hat. Diese Länder sehen darin ein steuerbares, CO2-armes Rückgrat, das unabhängig vom Wetter Strom liefern kann und den Bedarf an fossiler Reserve sowie an spekulativem Wasserstoff deutlich reduziert.

In Deutschland ist dieser Weg politisch umstritten und da man anlasslos Kühltürme gesprengt hat, nun ebenfalls nicht mehr billig. Aber wer ernsthaft über Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Systemkosten spricht, darf ihn nicht aus der Debatte verbannen. Neueste Atomkraftwerke sind zudem in der Lage, das auch in Deutschland noch immer ungelöste Endlagerproblem durch rückstandslosen Verbrauch alter Brennstäbe zu beseitigen.

Ein Innehalten beim bloßen Zubau von WK- und PV-Anlagen sollte deshalb nicht als bloßes Nein verstanden werden, sondern als Forderung nach einer gebotenen Reihenfolge: erst ein belastbares Energiekonzept, dann entscheiden, was und wo man baut. Die Bürger vor Ort haben Anspruch darauf, dass sie nicht nur bei Flächen mitreden dürfen, sondern auch bei der Frage, welche Richtung die Energiepolitik einschlagen soll.

Klaus Kroemke