Regionalplan Wind: Jetzt noch Widerspruch einlegen!

BI Gegenwind Rödernsche Heide informierte über Vorranggebiete, Bürgerbeteiligung und einen Volksantrag – Diskussion zeigte Zustimmung, aber auch offene Grundsatzfragen.

Pfarrer Andreas Kecke begrüßte als Gastgeber die Besucher der Radeburger Kirche zu diesem Infomationsabend, an dem über 100 Bürger teilnahmen.

Pfarrer Andreas Kecke begrüßte als Gastgeber die Besucher der Radeburger Kirche zu diesem Infomationsabend, an dem über 100 Bürger teilnahmen. Er mahnte eine sachliche Diskussion an.

Am Donnerstag, dem 11. Juni 2026, fand in der Kirche Radeburg eine Informationsveranstaltung mit Mitgliedern der BI Gegenwind Rödernsche Heide e. V. statt. Mit über hundert Gästen war die Veranstaltung deutlich besser besucht, als die offiziellen Veranstaltungen des Regionalen Planungsverbandes. Thema waren hier wie dort die derzeit laufenden Planungen zu Windvorranggebieten – hier speziell in Radeburg und den Nachbargemeinden – sowie die Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung. Grundlage des Abends war eine Präsentation, die zunächst Grundinformationen zur Windkraft, anschließend das Planungsverfahren, Einspruchsmöglichkeiten und das weitere Vorgehen erläuterte.

Bereits zu Beginn baten die Veranstalter um einen respektvollen Umgang, Akzeptanz anderer Meinungen und darum, einander ausreden zu lassen. Inhaltlich machte die BI deutlich, dass sie die geplanten Vorranggebiete kritisch sieht. In der Präsentation wurden mögliche Vorteile von Windkraftanlagen – insbesondere Rendite und Stromerzeugung – den aus Sicht der BI gravierenden Nachteilen gegenübergestellt. Genannt wurden unter anderem Eingriffe in Landschaft und Natur, Lärm, Schattenwurf, Auswirkungen auf Tiere sowie Veränderungen des Wohnumfeldes.

Ein zentraler Punkt des Vortrags war die Frage, ob Deutschland weitere Windkraftanlagen brauche. Ein zugespitztes „Nein“ gab es nicht. Konsens sollte sein, dass Windkraft an geeigneten, windhöffigen Standorten eine Ergänzung des Energiemix sein könnten, ersetzen aber keine für 50Hz-Netze notwendige stabile Versorgung. Als Problem wurde benannt, dass Windkraft und auch Solarenergie meistens, aber eben nicht immer Strom liefern könnten. Dazu brauche es so genannte Backup-Systeme. Diese sind teuer, denn politisch wurde festgelegt, dass jeder Energieerzeuger, egal ob sein Stom abgenommen wird oder nicht, den Preis des teuersten Anbieters notwendigen bekommt. Gibt es zu viel Sonne und Wind gleichzeitig, muss Strom zu Negativpreisen verkauft werden. Die Kosten trägt die Allgemeinheit. Schon jetzt, da ist in den Vorranggebieten noch nichts gebaut, kommt letztgenannter Fall immer häufiger vor.

Weitere Folien zeigten die Größenordnung moderner Windkraftanlagen und mögliche Auswirkungen auf das Landschaftsbild. Anhand von Karten wurden die geplanten Flächen in der Region sowie deren Lage zu Radeburg, Ebersbach und weiteren Orten dargestellt. Besonders im Fokus stand dabei das Vorranggebiet 24 im Bereich der Rödernschen Heide. Die BI verwies darauf, dass Argumente gegen einzelne Vorranggebiete gesammelt seien und Bürger diese für eigene Stellungnahmen nutzen könnten.

Ein praktischer Teil des Abends widmete sich der Frage, was Bürger konkret tun können. Genannt wurden eigene Information, Kontakt zu sachkundigen Bürgern, Schreiben an politische Verantwortliche, persönliche Vorsprache bei der Geschäftsstelle des Planungsverbandes sowie die Teilnahme an der Bürgerbeteiligung. Die Frist für Stellungnahmen wurde mit 6. Juli 2026 benannt. Außerdem erläuterte die Präsentation beispielhaft, wie eine Online-Stellungnahme, eine E-Mail oder eine schriftliche Eingabe aufgebaut sein kann.

Am Ende des Vortrags ging die BI auch auf den sächsischen Volksantrag für ein Windkraftmoratorium ein. Die Initiative fordert unter anderem einen befristeten Ausbaustopp für Windparks bis Ende 2027, die Aussetzung neuer Genehmigungen, mehr kommunale Planungshoheit, neue Flächen nur mit Zweidrittelmehrheit vor Ort sowie individuellen Schutz für Wohnbebauung, Natur und Landschaft. Ein Volksantrag bringt nach Darstellung der Initiative mit mindestens 40.000 gültigen Unterschriften einen Gesetzentwurf in den Sächsischen Landtag, der dort beraten und abgestimmt werden muss.

In der anschließenden Diskussion unterstützten mehrere Teilnehmer die Aussagen der BI. Sie äußerten Sorge um Landschaft, Wohnqualität und die aus ihrer Sicht unzureichende Berücksichtigung örtlicher Besonderheiten. Zugleich gab es auch kritische Einwände. Eine Bürgerin sagte sinngemäß, die Region befinde sich heute auch deshalb in einem Dilemma, weil man es versäumt habe, rechtzeitig auf den Zug der erneuerbaren Energien aufzuspringen. Andere Kommunen wären bereits energieautark. Ein weiterer Bürger wies darauf hin, dass der Energiebedarf in den kommenden Jahren deutlich steigen werde. Wer Windkraft ablehne, müsse deshalb auch sagen, welche Alternativen stattdessen zur Verfügung stehen sollen. (siehe Kommentar)

Damit zeigte die Diskussion, dass die Auseinandersetzung vor Ort nicht allein zwischen „für“ und „gegen“ Windkraft verläuft. Viele Bürger stören sich nicht nur an Windkraft an sich, sondern an Tempo, Verfahren, Flächenauswahl und fehlender Gesamtsicht. Gleichzeitig steht die Frage im Raum, wie eine sichere, bezahlbare und umweltverträgliche Energieversorgung künftig aussehen soll, wenn Strombedarf, Wärmewende, Elektromobilität und Industriebedarf weiter steigen.

Die BI rief dazu auf, die Bürgerbeteiligung zu nutzen, eigene Stellungnahmen einzureichen sowie den Volksantrag per Unterschrift zu unterstützen. Entscheidend sei, nicht nur allgemein Unmut zu äußern, sondern konkrete Argumente zu den jeweiligen Vorranggebieten vorzubringen.

Links:

Der Volksantrag kann zu folgenden Terminen im Gemeindesaal der Kirchgemeinde Radeburg, Pfarramt, Kirchplatz 2 zu folgenden Terminen gezeichnet werden:
Mo., 06.07. und Di., 07.07. sowie Di., 11.08. und Do., 13.08. jeweils von 18:00 Uhr bis 20:00 Uhr.

 

Erst Klarheit - dann Ausbau!

Kommentar zu der Frage, warum ein isolierter Fokus auf Erneuerbare nicht ausreicht

Die Kritik an den geplanten Windvorranggebieten ist nachvollziehbar, wenn sie sich auf konkrete Eingriffe in Natur, Landschaft, Wohnumfeld und kommunale Entwicklung richtet. Das ist kein ein einfaches ablehnendes „Wir brauchen keine neuen Windräder“.

Jens Rumberger formulierte in einem Facebook-Kommentar vor der Veranstaltung einen Satz, der auch in der Diskussion in der Kirche so gekommen sein könnte: „Die entscheidende Frage ist nicht, ob wir erneuerbare Energien ausbauen, sondern wie wir dies möglichst effizient, wirtschaftlich und naturverträglich umsetzen.“

Genau dieser Frage stellt sich auch das Ausbaumoratorium. Es fordert nicht „nie“, sondern „Stopp mal – bevor vollendete Tatsachen geschaffen werden“. Das Moratorium soll davor schützen, einen Weg zu beschreiten, ehe klar ist, wohin er führt. Ist er effizient, wirtschaftlich und naturverträglich? 

Dahinter steckt die Frage, tut es der Zubau neuer Windräder (und PV-anlagen) allein? Und weiter gefragt: Welches Gesamtsystem soll den steigenden Strombedarf künftig zuverlässig decken? Wer Windkraft ausbaut, muss erklären, wie Netze, Speicher, Reservekraftwerke, Kosten und Versorgungssicherheit zusammenpassen. Wer Windkraft ablehnt, muss ebenso erklären, wie er den steigenden Strombedarf stattdessen decken will. Genau diese Fragen wurden in der Diskussion in der Radeburger Kirche auch gestellt.

Der bisherige politische Plan, so war in den Veranstaltungen des Planungsverbandes zu erfahren, setzt im Kern auf Wind und Solar – und auf die Hoffnung, Überangebote an Strom künftig per Elektrolyse in grünen Wasserstoff umzuwandeln. Dieser Wasserstoff dient damit als Speicher und soll bei Bedarf in wasserstofffähigen Gaskraftwerken wieder zu Strom gemacht werden. Der Wirkungsgrad ist negativ (es wird mehr Energie aufgewendet als bei der Verwertung wieder abgegeben wird). Wirtschaftlich kann es nur sein, wenn der Strompreis während der Elektrolyse negativ ist und bei hoher ungedeckter Nachfrage teuer verkauft werden kann. Elektrolyseure investieren aber nur, wenn ausreichend viele Betriebsstunden erreicht werden können. Ein Widerspruch in sich, der nur durch massive Subventionen gelöst werden kann.

Die Bundesnetzagentur hat dies ausgeblendet und ein Wasserstoff-Kernnetz mit 9.040 Kilometern Leitungslänge und erwarteten Investitionskosten von 18,9 Milliarden Euro genehmigt. Zugleich weist sie darauf hin, dass der Realisierungszeitraum auf die Zeit deutlich nach 2035 verschoben wurde.

Genau dort liegt das Risiko des deutschen Plan Wasserstoff: er ist weder klimaneutral (solange er auf Gas basiert) noch versorgungssicher, weil absehbar nicht verfügbar, also nur ein Versprechen.

Der Weg, den 40 andere der führenden Industrienationen gewählt haben, setzt weiterhin auf Atomkraft. Auch Japan, das Fukushima wieder ans Netz genommen hat. Diese Länder sehen darin ein steuerbares, CO2-armes Rückgrat, das unabhängig vom Wetter Strom liefern kann und den Bedarf an fossiler Reserve sowie an spekulativem Wasserstoff deutlich reduziert.

In Deutschland ist dieser Weg politisch umstritten und da man anlasslos Kühltürme gesprengt hat, nun ebenfalls nicht mehr billig. Aber wer ernsthaft über Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Systemkosten spricht, darf ihn nicht aus der Debatte verbannen. Neueste Atomkraftwerke sind zudem in der Lage, das auch in Deutschland noch immer ungelöste Endlagerproblem durch rückstandslosen Verbrauch alter Brennstäbe zu beseitigen.

Ein Innehalten beim bloßen Zubau von WK- und PV-Anlagen sollte deshalb nicht als bloßes Nein verstanden werden, sondern als Forderung nach einer gebotenen Reihenfolge: erst ein belastbares Energiekonzept, dann entscheiden, was und wo man baut. Die Bürger vor Ort haben Anspruch darauf, dass sie nicht nur bei Flächen mitreden dürfen, sondern auch bei der Frage, welche Richtung die Energiepolitik einschlagen soll.

Klaus Kroemke

Atomkraft: das Endlagerproblem ist noch immer nicht gelöst

Leserzuschrift von Matthias Walden

Die Aussage „Modernste AKW verbrauchen Atommüll“ suggeriert fälschlicherweise, dass es einsatzbereite neue Atomkraftwerke gibt und diese das Endlagerproblem und die Energieversorgung lösen können. Es gibt in der Theorie Dual-Fluid-Reaktoren, die Flüssigbrennstoff verwenden. In Ruanda will ein deutsch-kanadisches Unternehmen dafür einen Forschungsreaktor bauen. Obwohl die Technologie schon seit den 1950er Jahren bekannt ist, wurden die technischen Probleme nie gelöst. Bis diese Technologie einsatzbereit ist, werden noch Jahrzehnte vergehen. Außerdem kann nur ein Teil des Atommülls verwendet werden.
Der hochradioaktive Abfall müsste aufbereitet und in flüssige Form überführt werden. Dabei entstehen wieder neue Abfälle. Die trotzdem entstehenden Reste nach dem Einsatz im Kraftwerk strahlen dann zwar „nur“ noch wenige hundert Jahre, dafür aber mit starker Intensität, was eine Lagerung erschwert.
Fazit: Ich möchte weder eine Atommüllaufbereitung oder Atommüllendlagerung in der Nähe noch kann man von einem zeitnahen Einsatz dieser Technologie ausgehen.

Quellen:
https://www.base.bund.de/shareddocs/faktencheck/base/de/atommuell-recycling-energiegewinnung.html 
https://www.quarks.de/technik/energie/so-koennte-man-atommuell-recyceln-transmutation/ 
https://www.br.de/nachrichten/wirtschaft/wuerden-dual-fluid-reaktoren-das-atommuell-problem-loesen-ein-faktenfuchs,TqrNeJp 
 

Der Einwand ist berechtigt und dennoch lohnt sich Nachdenken über AKW

Redakteur Klaus Kroemke antwortet auf Leserzuschrift von Matthias Walden

Der Einwand, dass auch modernste AKW das Endlagerproblem zwar zeitlich deutlich verkürzen, aber nicht lösen, ist prinzipiell berechtigt. Wir sind uns sicher einig, dass es gegen jede Technologie Einwände gibt. Aber es lohnt sich, die systemischen und räumlichen Dimensionen von WKA und AKW zu vergleichen:

Überlegene Flächeneffizienz

Der massivste Vorteil der Kernkraft gegenüber der Windenergie liegt in ihrer extremen räumlichen Effizienz. Um eine Jahresstrommenge von etwa 50 Terawattstunden (TWh) zu erzeugen, müssten in Deutschland rund 5.000 km² Windvorranggebiete ausgewiesen werden – eine Fläche so groß wie fünfeinhalb Mal Berlin. Im Kontrast dazu benötigt ein modernes Kernkraftwerk für dieselbe Energiemenge lediglich ein Gelände von etwa 4 km². Während Windkraft somit eine flächendeckende Umwandlung ganzer Regionen in Industrielandschaften erfordert, bleibt die Kernkraft räumlich hochkonzentriert und schont unsere Natur- und Naherholungsgebiete.

Auch ein Vergleich des Endlagerproblems lohnt sich: Der hochradioaktive Abfall hat in Deutschland ein Volumen von ca. 21.000 m³ - das entspricht einem 3 Meter hohen Stapel auf einem Fußballfeld), erfordert jedoch unbestritten(!) aufgrund der Langzeitstrahlung eine wesentlich komplexere Lagerung in einem noch zu findenden tiefengeologischen Endlager.

Das Volumen der im Boden verbleibenden Rückstände der Windkraft übertrifft das Volumen des deutschen Atommülls (LLW/ILW) um den Faktor 38* – selbst wenn man das Volumen beherrschbarer leicht radioaktiver Abfälle von 303.000 m³ zugrunde legt. Während der Atommüll ein räumlich konzentriertes Problem ist, hinterlässt die Windkraft über 50 Jahre eine flächendeckende industrielle Altlast von über 11 Millionen Kubikmetern Beton in unseren Böden. Kernkraft ist somit bei einer objektiven Betrachtung der Abfallmengen die stofflich weitaus effizientere und sauberere Lösung.

Verlässliche gesicherte Leistung vs. wetterabhängige Überkapazität

Wie ich bereits ausführen konnte, benötigt ein Stromnetz kein „plattes Mehr“ an Energie, sondern jederzeit gesicherte Leistung. In Deutschland beträgt die tatsächlich verlässliche Dauerleistung von Windkraftanlagen lediglich 18–20 % ihrer installierten Kapazität. Kernkraftwerke hingegen liefern mit einer Verfügbarkeit von rund 90 % in einem beherrschbaren Rahmen eine stabile Stromversorgung. Ein einseitiger Ausbau von Windkraft ohne ein solches Fundament führt zu rasant steigenden Systemkosten für Netze, Speicher und Reservekraftwerke, die bis 2035 auf jährlich 90 Milliarden Euro steigen könnten. Kernkraft reduziert diesen Bedarf an teuren und oft noch fossilen Parallelstrukturen massiv.

Fazit: Betrachtet man das Gesamtsystem, ist die Kernkraft die ökologischere und flächenschonendere Lösung. Natürlich kann man dieser Aussage widersprechen, wenn man das Endlagerproblem höher als alles bewertet. Dann ist die Diskussion beendet. Aber Atomstrom garantiert eine stabile, CO?-arme Energieversorgung, ohne unsere Landschaften auf tausenden Quadratkilometern industriell zu überprägen und quadratkilometerweise Industriebrachen in der Zukunft zu erzeugen.


* Mangels vorliegender genauerer Daten - Hochrechnung auf Grundlage der zur Verfügung stehenden Daten für VESTAS V172. Da Anlagen sehr unterschiedlich sind, wird der reale Faktor niedriger oder höher, aber sehr wahrscheinlich zweistellig ysein. Entsprechende Datengrundlagen sind in unseren Beiträgen hier verlinkt:

Von den antiken Mayas zu den Windrädern rund um Radeburg

Leserbrief von Elisabeth Lorenz

Eine Forschergruppe der Universität von Montreal deckte bei Ausgrabungen eines der größten Paradoxa über die Mayas in Guatemala auf. Die Sedimentanalysen zeigten, dass die Maya über fast 1.500 Jahre lang biologisch reines Trinkwasser aufbereiten konnten. Das ist eine außergewöhnliche Leistung, wenn man bedenkt, dass es in der Region keine dauerhaft wasserführenden Flüsse gab. Die Trinkwasseraufbereitung basierte auf einem technisch ausgereiften Reservoirsystem, das Sedimente ausfilterte und Algen verhinderte. Jedoch wiesen die Reservoirs in Ucanal Quecksilbergehalte auf, die nach jetzigem Wissen als hochgradig toxisch eingestuft werden würden. Grund dafür war keine industrielle Umweltverschmutzung, sondern religiöse Praktiken. Bei vielen Ritualen wurde Zinnoberrot verwendet, was nach und nach den Boden bis zu den Grundwasserreservoirs mit Quecksilbersulfit anreicherte, bis alle Trinkwasserreservoirs vergiftet waren.

Was hat das mit uns zu tun?

PFAS ist die Abkürzung für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Diese Gruppe von über 10.000 chemischen Verbindungen, die auch als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet werden, zeichnen sich durch ihre Langlebigkeit und hohe Beständigkeit gegen Hitze, Wasser, Fett und Chemikalien aus. Diese Eigenschaften machen PFAS für viele technische und industrielle Anwendungen attraktiv. PFAS sind auch in zahllosen Alltagsgegenständen enthalten oder wurden hier bis vor Kurzem eingesetzt: in Papier- und Druckerzeugnissen wie Pizzakartons und Kaffeebechern, Antihaftbeschichtungen, Mikro-Elektronik, Textilien wie Outdoor-Funktionskleidung, Heimtextilien, aber auch Klimaanlagen und den Rotorblättern der Windräder.

In einem Urteil vom März 2026 zum Abrieb von Mikroplastikpartikeln bei Windenergieanlagen geht der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (BayVGH) hinsichtlich PFAS davon aus, dass derzeit keine wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber vorliegen, dass diese Stoffe beim Betrieb von Windenergieanlagen, zum Beispiel in Verbindung mit möglichem Abrieb von Mikroplastik, zu Gesundheitsgefahren führen. Heißt im Klartext: Es liegen keine Untersuchungsdaten vor, wir wissen es nicht, also nehmen wir an, es schadet nicht.

Der Abrieb an Rotorblätter von Windkraftanlagen ist unstrittig. Die Aussage des Umweltbundesamtes, dass zu dem Abrieb von Carbonfasern und Mikroplastik im normalen Betrieb keine Daten vorliegen, bedeutet, dass wir Windkraftanlagen im "Blindflug" diesbezüglich betreiben. Es kann als medizinisches Experiment betrachtet werden, ohne Wissen, ohne Forschung den Ausbau von Windkraftanlagen forciert zu betreiben.

In der Region Radeburg befindet sich das großflächige Trinkwasserschutzgebiet (TWSG) „Speichersystem Radeburg“ (mit dem Wasserwerk Rödern), das sich bis in umliegende Gemeinden erstreckt. Zum Schutz der Wasserressourcen sind dort strenge Auflagen und Verbote für bestimmte Handlungen, Bauvorhaben und Nutzungen in den jeweiligen Schutzzonen aktiv.

Hier treffen beide Geschichten aufeinander: Die der Mayas, die sicher nicht über chemische Untersuchungen des Trinkwassers verfügten und unsere. Wir hätten die Möglichkeit Untersuchungen anzustellen (siehe Überschreitung der PFAS-Werte von Lebern der Wildschweine in Deutschland), aber lassen es lieber, um keine böse Überraschung zu erleben. Die erleben dann unsere Kinder und Enkel, denn sauberes Trinkwasser ist unser Lebenselixier.

Der Zweck einer notwendigen Energiewende rechtfertigt nicht jedes Mittel. Wenn mit dem Nichtwissen und Wegschauen möglicherweise in einigen Jahren unser Trinkwasser irreversibel kontaminiert ist, kann das Rad der Geschichte nicht gedreht werden. Jetzt ist der Zeitpunkt abzuwägen, was wichtiger ist: sauberes und gesundes Trinkwasser oder weitere Windräder im Umkreis des Trinkwassereinzugsgebiets.

(Die verwendeten Quellen finden Sie unter diesem Beitrag im Internet).
(Die Verfasserin ist Diplomingenieur für Wasserwirtschaft und Heilpraktikerin – d.Red.)

Quellen:

PFAS sind ein großes Problem, als Windradabrieb aber vernachlässigbar

Leserzuschrift von Matthias Walden zur Leserzuschrift zu PFAS von Windrädern

PFAS sind ein sehr großes, leider viel zu spät erkanntes Problem. Die Annahme ohne Windräder wäre unser Trinkwasser sicher oder Windräder wären eine nennenswerte Ursache für PFAS im Grundwasser ist jedoch komplett falsch.

Von den vielen PFAS ist Trifluoressigsäure (TFA) ein prominentes und gefährliches Beispiel. TFA entsteht bei der Produktion von PFAS oder als Abbauprodukt von z.B. Kältemitteln wie dem R-134A, was jeder von Kühlschränken oder Autoklimaanlagen kennt. Das UBA (Umweltbundesamt) schätzt die Emission und den Eintrag in Gewässer in Deutschland von TFA aus Kälteanlagen auf über 2000 t/Jahr und damit Kälteanlagen als wichtigsten Verursachen von TFA. Zweite Quelle sind Pflanzenschutzmittel mit knapp 500 t/Jahr. Faktisch wird das TFA also über Pflanzenschutzmittel in Mengen auf die Felder gesprüht. Das eventuell in geschlossenen Systemen eines Windrades oder im Abrieb befindliche PFAS in Polymerform spielt da keine Rolle.

Seit 2026 hat der Ausschuss für Risikobeurteilung (RAC) der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) TFA so eingestuft: „Reproduktionstoxisch, Kategorie 1B“ , Gefahrenhinweise H360Df: „Kann das Kind im Mutterleib schädigen. Kann vermutlich die Fruchtbarkeit beeinträchtigen“. TFA sammelt sich in der Umwelt an und wird nicht abgebaut.

Die späte Einstufung führt dazu, dass TFA lange unterschätzt wurde. Auch andere PFAS sind in Sicherheitsdatenblättern von Chemikalien oft nicht angegeben. Das Unternehmen Solvay hat bis 2021 eine Menge TFA von 12kg pro Stunde in den Neckar geleitet. Danach erfolgte eine Reduzierung auf 1kg pro Stunde. Anfang 2026 stellte Solvay die Einleitung ein. Das Grundwasser in der Region ist jedoch bereits stark mit TFA belastet und wird es auch bleiben.

In Dresdner Norden wurden ebenfalls erhöhte Werte PFAS in Gewässern gefunden. Die Nutzung der Brunnen als Trinkwasser oder zum Gießen ist dort untersagt. Die Ursache wurde bisher nicht offiziell ermittelt, aber die Nähe zum Flughafen (Enteisungsmittel, Löschschäume) ist offensichtlich.

2023 haben verschieden Länder mit Deutschland einen Verbotsantrag für die gesamte Stoffgruppe PFAS bei der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) eingereicht. In diesem Antrag heiß es ins Deutsche übersetzt: „ … die planetaren Grenzen für PFAS sind bereits erreicht und Biomonitoringstudien beim Menschen zeigen, dass der Cocktail von PFAS, dem Teile der Bevölkerung durch verschiedene Quellen ausgesetzt sind, bereits zu gesundheitlichen Risiken führt.“ Der komplette Verbotsantrag wurde inzwischen gekippt. Stattdessen wird es differenzierte Einschränkungen mit vielen Ausnahmen und teils langen Übergangsfristen geben. Der Ersatz von PFAS in vielen Anwendungen ist möglich, aber solange man z.B. mit fluorierten Kältemitteln sicher Geld verdient, ist der Widerstand groß. In anderen Anwendungen ist der Ersatz schwieriger, aber ein drohendes Verbot wäre eine gute Motivation, in die Entwicklung von Alternativen zu investieren. Eine endgültige Entscheidung der ECHA ist nicht vor 2027 zu erwarten.

Trinkwassertest vom BUND und anderen zeigen bereits eine Überschreitung der Grenzwerte für PFAS in vielen Regionen Deutschlands. Sollte für TFA der allgemeine Grenzwert für PFAS von 0,1?g/l in Zukunft gelten, wird dies viele Wasserversoger überfordern. TFA lässt sich mit üblichen Mitteln nicht entfernen.

Fazit: Die PFAS in der Umwelt werden immer mehr und können nicht abgebaut werden. Die Behörden handeln zu langsam und der vernünftige Ruf nach einem Verbot wird von anderen Interessenvertretern übertönt. Zukünftige Generationen werden darunter leiden, sollte es sie denn geben (siehe Schädigung der Fruchtbarkeit oder des Kindes …). Mit Windrädern hat das alles nix zu tun. Trotzdem sollte man keine Windräder in Wälder oder die Nähe von Vogelschutzgebieten und Wohnhäusern bauen.

Quellen:

 

Windkraft im Wald: NABU fordert klare ökologische Grenzen

NABU hat alleRegionalpläne geprüft und Defizite festgestellt.

Der NABU Sachsen sieht nach der Prüfung wichtige Anforderungen des Natur- und Artenschutzes verletzt.

Sechs Forderungen des NABU des NABU Sachsen finden Sie hier.