Teilerfolg für Radeburg: 380 kV-Trasse: Landesdirektion bevorzugt Kombination aus A und D

Raumentwicklung: Die Landesdirektion Sachsen hat die Raumverträglichkeitsprüfung für den mittleren Abschnitt der geplanten 380-kV-„Elbe-Oberlausitz-Leitung“ zwischen Großenhain/Nord und Dresden-Altwilschdorf abgeschlossen. Für Radeburg ist das Ergebnis bemerkenswert: Die von 50Hertz ungünstig bewertete, aber von Radeburg geforderte Variante A ist wieder „im Rennen“.

Trassenalternativen

Variante "A plus D" heißt in der Karte: südlich von Radeburg Variante A, nördlich Variante D, Untersuchungsraum dazwischen [2] bis [6]. Um vollständige und skalierbare Karte (PDF) zu sehen, ins Bild klicken oder auf unten stehenden Link.

Die Landesdirektion sieht eine Kombination aus den Trassenkorridoren A und D als am besten geeignet an. Konkret bedeutet das: Der nördliche Abschnitt der Trassenkorridoralternative D und der südliche Abschnitt der Trassenkorridoralternative A sollen miteinander verbunden werden. Im Raum Radeburg soll deshalb geprüft werden, ob eine Verbindung nördlich oder südlich der Stadt möglich ist. Genau an dieser Stelle wird es für Radeburg interessant, denn im Beteiligungsverfahren waren entsprechende Vorschläge eingereicht worden – darunter auch der im Radeburger Anzeiger veröffentlichte Vorschlag „D plus A“.

Dieser Vorschlag zielte darauf, die Vorteile beider Varianten miteinander zu verbinden: Im Norden D – im Süden A. Von Norden kommend sollte zunächst der konfliktärmere Verlauf der Variante D genutzt werden. Im Raum Radeburg sollte die Trasse dann so verschwenkt werden, dass sie östlich der Stadt auf den südlichen Abschnitt der Variante A trifft und anschließend entlang der A13 in Richtung Altwilschdorf geführt werden kann. Damit sollten die aus Sicht vieler Radeburger und der Moritzburger besonders problematischen Eingriffe vermieden werden, Zur Moritzburger Tourismus-, Kultur- und Kleinkuppenlandschaft gehören auch das Promnitztal und Bärwalde. Die ursprünglich negative Bewertung der Trasse A durch die 50Hz GmbH kam durch den Abschnitt nördlich von Radeburg zustande, der zahlreiche wertvolle Schutzgebiete enthält. Durch die Kombination D plus A entfällt der umstrittene Abschnitt.

Die Landesdirektion begründet ihre Entscheidung ähnlich: Ein Verlauf von Großenhain bis in den Raum Radeburg entsprechend der Alternative D ermögliche eine Bündelung mit bereits vorhandener Infrastruktur wie Freileitungen und Bahnlinien. Der südliche Abschnitt der Alternative A wiederum folge der Bundesautobahn 13 und stehe damit ebenfalls im Einklang mit dem Trassenbündelungsgebot. Geprüft werden soll außer dem Vorschlag aus Radeburg (in der Karte mit [2], [3] und [4] gekennzeichnet) auch noch eine südliche Umgehung von Radeburg (gekennzeichnet mit [5] und [6]. Diese soll dem Verlauf der Umgehungsstraße folgen, was aber bedeuten würde, dass sie den Anbau Berbisdorf überquert.

Der Radeburger Vorschlag ist nicht beschlossen. Aber er ist inhaltlich genau in jenem Suchraum angekommen, den die Landesdirektion nun ausdrücklich weiter untersuchen lässt. Für Radeburg ist das ein wichtiger Zwischenerfolg: Die Variante A ist nicht, wie zwischenzeitlich befürchtet, aus dem Verfahren verschwunden. Vielmehr wird gerade ihre Kombination mit D nun zur bevorzugten Lösung.

Zugleich bleibt das Verfahren offen. 50Hertz muss die von der Landesdirektion als raumverträglich bewerteten Korridore und Kombinationen nun weiter untersuchen. Auch die ebenfalls aus Radeburg kommende und im RAZ veröffentlichte Variante, die in der Karte mit [1] gekennzeichnet ist, wird untersucht. Sollte die Verbindung von A und D nicht umsetzbar sein, sieht die Landesdirektion allerdings die durchgehende Variante D weiterhin als vorzugswürdig an. Außerdem soll ein weiterer, westlich verlaufender Vorschlag (in der Karte [8]) über Moritzburg, Coswig und Weinböhla als „eventuell ernsthaft in Betracht kommend“ weiter geprüft werden.

Der nächste Schritt ist nun ein Alternativenvergleich durch 50Hertz. Dieser soll nach Angaben des Unternehmens im Frühjahr 2027 abgeschlossen sein. Erst danach folgt das Planfeststellungsverfahren, in dem innerhalb des ausgewählten Korridors der genaue Leitungsverlauf festgelegt wird. Die Raumverträglichkeitsprüfung entscheidet also noch nicht über Maststandorte oder Grundstücksbetroffenheiten, setzt aber den Rahmen für die weitere Planung.

Für die Region bleibt die Frage damit hochaktuell. Im September 2026 will 50Hertz die Ergebnisse der Raumverträglichkeitsprüfung bei einem Infomarkt erläutern. Für Frühjahr 2027 ist außerdem eine Infotour entlang des dann feststehenden Vorzugskorridors angekündigt. Spätestens dann wird sich zeigen, ob die Verbindung „D plus A“ tatsächlich zur belastbaren Vorzugsvariante wird – oder ob Radeburg erneut um eine bessere Lösung kämpfen muss.