Die 1. Prunksitzung dieser 69. Saison war eine, die in die Annalen eingehen wird und die dem Motto „Narrenhaus“ einen unvergesslichen Stempel aufdrückte. Als der gerade gewählte Prinz ein Machtwort sprach und sich zusammen mit Olaf und Ute ein Wortscharmützel lieferten, wie ich es als Zuschauer von zuvor schon ungefähr 40 Prunksitzungen noch nie erlebt habe. Aber erzählen wir der Reihe nach.
Seit Kai Präsident ist, pflegt er die Prunksitzungen mit einem selbst verfassten Song zu eröffnen. Diesmal ließ er sich neben Kantor Veit Martin am Synthie von der zauberhaften Maria Maitschke begleiten. Im Duett erklärten sie das Motto „Narrenhaus RaBu – verrückt und durchgeknallt!“
Alle Menschen, ganz egal wie alt sie sind, freuen sich auf diesen Moment in RABU – verrückt und durchgeknallt – feiern diesen Fasching, feiern die Leidenschaft, liegen sich in den Armen, denken nicht an Morgen und genießen den Moment, heißt es sinngemäß im Text. Die 5. Jahreszeit, dass ist die Zeit, in der Narren regieren, die Zeit der Duz- und Kussfreiheit, da „gibt’s kein Tabu im Narrenhaus von RABU“ (siehe Kommentar unten -d.Red.)
Es sei angemerkt – in Bezug auf den Schluss, dass es hier bereits die ersten Zugabe-Rufe gab, denn so beeindruckend wurde zur Melodie „Total Eclipse“ von Bonny Tyler gesungen.
Zunächst ging es dann weiter mit den Einmärschen, tänzerisch eingebaut die kleine Schülergarde und die Funkengarde, Kai: „Die schönsten Frauen von Radeburg!“ Ehe es untergeht sei noch erwähnt, dass an diesem Tag die Nachwuchsgarden mit ihren gelungenen Auftritten viel positive Resonanz erzeugt und damit die Auszeichnung ihrer Trainerinnen nachträglich noch mehr gerechtfertigt hatten.
Der nächste Programmteil war, kurz gesagt, eine Wiederholung des Auftrittes auf dem Markt. Pippi Langstrumpf (alias Emma) moderierte die Auftritte, diesmal zusätzlich mit der Mini-Tanzgruppe, die als Seeräuber aus dem Taka-Tuka-Land nach RABU kamen. Der zweite Auftritt des bereits inthronisierten Kinderprinzenpaares ließ alle Herzen höherschlagen.
Wer das neue „große“ Prinzenpaar ist, das zwitscherten die Vögel schon seit Wochen von den Dächern. Doch Kai meinte: „Da ich kein Ornithologe bin, musste ich mir fachlichen Rat holen.“ Direkt von der Fachgruppe Ornithologie wurde Roy Bär (alias Patrick) um Rat gefragt. Er identifizierte Radeburger Schluckspecht, die Dittsdorfer Schankamsel, die Bärnsdorfer Biereule, die Volkersdorfer Neigennachtigal, die Berbisdorfer Pegelkrähe, aber alle die waren es nicht. Am Ende wurde unter dem herzhaften Gejohle ehemaliger und aktiver Narrenpolizisten die „Bärwäldsche Brandgans“ identifiziert. Als Mitwirkender in diversen Nummern der Narrenpolizei und langjähriger „letzter Kunde“ bei Saalveranstaltungen im Hirsch hat sich Michael „Brandgans“ Klingner besonders ins Herz von Hirschwirtin Ute Klimke geschrieben. Oft hat er gemeinsam mit ihr und seinem Bruder im Geiste, Ehrenpräsident Olaf Häßlich, das Licht ausgemacht – und der hauptberufliche Bohrgeräteführer ist trotzdem immer pünktlich und einsatzfähig bei Brunnenbau Dörsel auf Arbeit erschienen. Seine Lebensgefährtin Claudia Ressel ist den meisten Radeburgern bekannt durch das gleichnamige SB-Restaurant auf der Bärwalder Straße. Nunmehr repräsentieren also bis Aschermittwoch, dem 18. Februar, Ihre Lieblichkeit, Prinzessin Claudia I. mit Prinz Michael I. das Narrenreich von RABU – und natürlich das Narrenhaus „Hirsch“ das zugleich das amtierende Rathaus ist. Claudia in einem wunderschönen mintgrün-weißen Kleid. Kai vermutet darin eine Homage an die Narrenpolizei. Da wird sicher niemand widersprechen.
In seinem kurzen, knackigen Grußwort freute sich der Prinz, dass nun Bärwalde mal wieder „dran ist“ – nach Ilka und Jens Meister in der 57. Saison. Nachdem die Umzugsgruppe von Jens in der vorletzten Saison mit der strahlenden „Goldenen Ananas“ (weil Prinzenwagen nicht am Wettbewerb der schönsten Umzugsgruppen teilnehmen) bereits auf weitere Ehren verzichtet hatte, dürfte sie auch diesmal wieder ganz weit vorn im Umzug das Publikum bezaubern. „Es ist auch diesmal natürlich wieder eine ganz besondere Ehre,“ versicherte Jens Meister auf Nachfrage von RAZ. Der Umzug dieser Saison findet am Faschingssonntag, dem 15. Februar statt - nicht am Rosensonntag, der ist erst am 15. März! (siehe Anmerkung ganz unten, d.Red.)
Das Prunksitzungsprogramm möchte ich an dieser Stelle vereinbarungsgemäß nicht spoilern, aber dennoch kann ich mich nicht zurückhalten, das wahrscheinlich nicht zu toppende Ende des letzten Programmteils für die Nachwelt festzuhalten.
Das Prinzenpaar war von den Sitzen!
Durch das „Erwachsenenprogramm“ führten in bewährter Weise Ole und Mirko. Nachdem schon bei der Schülergarde (wegen drohender Überschreitung der Jugendschutzgesetz-Zeiten) durch die beiden die Zugabeforderung des Publikums „dezent überhört“ wurde und aufgrund der fortgeschrittenen Zeit und noch vielen offenen, teils epischen Programmpunkten nicht noch einmal „Espresso Macciato“ vorgeführt werden sollte, schwang Prinz Michael I. das Zepter, sprang von seinem Platz auf und forderte energisch, dem Wunsch seines närrischen Volkes stattzugeben.
Prinz Michael I. hat damit zum ersten Mal in der Geschichte von RABU vom Vetorecht Gebrauch gemacht und die Exekutive überstimmt. Ob ein Vetorecht überhaupt besteht, wird sicher demnächst das Narren-Verfassungsgericht zu klären haben.
Vielleicht um sich für seine Einmischung zu entschuldigen, griff Prinz Michael I. wenig später wieder in die Moderation ein, um Olaf einen „Cuba“ zu spendieren. Mirkos dezenten Hinweis auf die fortgeschrittene Zeit überhörte sein Co-Moderator frotzelte mit „dem Micha“, Sprüche klopfend und genüsslich den leckeren Drink schwenkend. Prinzessin Claudia I. hielt es nun auch nicht mehr auf dem Stuhl, schnappte sich den Mirko und machte es sich mit ihm auf der Showtreppe gemütlich – war sie es doch, die während der Kröning explizit daran erinnert hatte, dass ab jetzt Kussfreiheit gilt! Leute, sowas kann man in keinem Drehbuch erfinden – es passiert einfach! Der Saal stand Kopf! Ole und Michael stellten schließlich fest, dass in ihrem Bund die Dritte noch fehlte.
„Ute, komm mal her,“ rief Ole schließlich. Gemeint war Hirschwirtin Ute Klimke, diese weigerte sich, zeigte von Weitem einen bestimmten Finger. Erst auf Drängen des Publikums kam sie nach vorn. Die Einzige von den Dreien, die nicht ganz freiwillig „bis zum Morgengrauen“ den letzten beiden Kunden beiwohnt ist sie. „Und denkt ihr auch mal an das Personal?“ rief eine Kellnerin (Name der Redaktion bekannt) von der Seite.
Ute schnappte sich das Mikrofon und rief: „Wie könnt ihr DEN zum Prinzen machen?“ Aus dem Publikum rief jemand „ihr A*geigen!“ und alles lachte, denn das war der klassische Rauswurfspruch von Ute, den es inzwischen sogar als Tonkonserve gibt, lautet: „macht Euch jetzt endlich heeem, ihr A*geigen!“
Ole versuchte, das Publikum, sofern es nicht involviert war, zum beschriebenen „Sachverhalt“ aufzuklären und schloss mit den Worten: „Stellt Euch mal vor, wenn wir die Ute nicht hätten, dann könnte hier schon seit vielen Jahren die ganze Sch*** vorbei sein! – Die einzige wirklich ernst gemeinte Aussage in diesem Wortscharmützel.
„Ich bin vielleicht wie meine Mutter, die ist über 90,“ sagte Ute, „wenn ich zu der damals gesagt habe, so um eins vielleicht: wollen wir nicht heim gehen? Dann hat sie gesagt: Was, jetzt schon? Alles gut. Solange mir mein Werner, wenn ich um Viere nach Hause komme, das Badewasser einlässt, ist alles in Ordnung. Macht nur weiter!“
Es ging straff auf 1 Uhr zu, als sich alle Beteiligten, abgesehen von den Jugendschutzgesetz-Verhinderten, noch einmal auf der Bühne einfanden und der Präsident des Elferrates das Wort nahm. „An der Stelle muss man ja auch wirklich mal betonen, dass alle die positiv Verrückten und närrisch Durchgeknallten, die hier auf der Bühne stehen, die machen das alle in der Freizeit ehrenamtlich, die halten hier den Fasching am Leben. Wenn euch heute Abend dieses Programm gefallen hat, dann jetzt an dieser Stelle ein riesengroßer Dankeschön-Applaus!“ Der wurde vom Publikum natürlich frenetisch gegeben.
Zum Abschluss (Kai: „bevor wir jetzt alle an die Bar gehen“) wurde die Hymne der Saison angestimmt, die das „ehrenwerte Haus“ von Udo Jürgens zum Narrenhaus macht. Eine Zeile darin lautet: „In diesem Gasthaus, wo wir feiern, fühlen wir uns pudelwohl. Das ist schon lange so und hat auch seinen Grund. Im Hirsch da ist der RCC zu Haus, das weißt auch du, „verrückt und durchgeknallt“, drum feiern wir in diesem „Narrenhaus RABU.“