Der Stadtrat sollte über die Vergabe von Planungsleistungen für den zweiten Bauabschnitt der Straßenbeleuchtung im Gewerbegebiet Süd entscheiden. Geplant ist dort der Austausch von 270 Natriumdampfleuchten gegen moderne LED-Leuchten. Hintergrund sind steigende Energiekosten und der Wunsch nach effizienterer Technik.
Nach Angaben der Verwaltung würde der Austausch der Leuchtmittel zu einer jährlichen Energieeinsparung von rund 47.930 Euro führen.
Die zugrunde liegende Berechnung zeigt, warum:
Die bestehende Anlage verbraucht mit den alten Natriumdampflampen rund 178.200 Kilowattstunden Strom pro Jahr, was bei einem angenommenen Strompreis von 35 Cent pro Kilowattstunde etwa 62.370 Euro Kosten verursacht.
Die neue LED-Anlage würde den Verbrauch auf 41.256 Kilowattstunden pro Jahr senken – Stromkosten von rund 14.440 Euro jährlich. Die Differenz ergibt die prognostizierte jährliche Einsparung von knapp 48.000 Euro.
Für die Umrüstung selbst werden Investitionskosten von etwa 102.500 Euro veranschlagt. Darin enthalten sind die neuen Leuchten (ca. 250 Euro pro Stück) sowie Montagekosten von rund 35.000 Euro.
Hinzu kommt allerdings ein weiterer Posten:
Für Planung, Ausschreibung und Bauüberwachung sollte ein Ingenieurbüro beauftragt werden. Das entsprechende Angebot beläuft sich auf 33.611 Euro netto bzw. rund 39.998 Euro brutto.
Damit würden die Gesamtkosten der Maßnahme auf etwa 142.500 Euro steigen. Die Verwaltung berechnete daraus eine Amortisationszeit von rund drei Jahren.
Genau an diesem Punkt setzte Stadtrat Ulf Walther (BI Großdittmannsdorf) mit einer ebenso einfachen wie grundlegenden Frage an:
„Ist es wirklich notwendig, mit dem Auswechseln von Leuchtmitteln ein Planungsbüro zu beauftragen, das fünfstellige Kosten verursacht, um nachzuweisen, dass man einen fünfstelligen Betrag spart, wenn man die Leuchtmittel tauscht?“
Mit dieser Frage stellte Walther keineswegs die energetische Sinnhaftigkeit der Maßnahme infrage – die Zahlen sprechen eindeutig für eine Umrüstung – sondern vielmehr den bürokratischen Aufwand, der mit der Umsetzung verbunden ist.
Die Frage traf offenbar einen Nerv im Gremium. Der Stadtrat beschloss schließlich mehrheitlich, die Vergabe zunächst abzusetzen und noch einmal zu prüfen.
Der Vorgang zeigt ein grundsätzliches Dilemma:
Einerseits gibt es rechtliche Vorgaben, Planungsstandards und Dokumentationspflichten. Andererseits stellt sich immer wieder die Frage, ob jede technisch einfache Maßnahme denselben bürokratischen Aufwand benötigt wie ein großes Bauprojekt.
Die Umrüstung auf LED dürfte im Gewerbegebiet Süd kaum umstritten sein. Doch der Stadtrat will offenbar klären, ob sie auch mit weniger Verwaltungsaufwand möglich ist.
Es ist positiv zu bewerten, dass der Stadtrat nicht nur Beschlüsse fasst, sondern auch eingefahrene Abläufe hinterfragt. Es ist erfreulich zu sehen, dass gerade neu in den Stadtrat gekommene Abgeordnete sich nicht einfach den „eingespielten Prozessen“ anpassen. Die erfahrenen Stadträte haben mit der Zustimmung zur Vertagung aber gezeigt, dass sie solche Fragen auch dankbar annehmen und es keinen grundsätzlichen Gegensatz zwischen aufgrund der Zugehörigkeitsdauer zum Gremium gibt.

