Für Zimmerer- und Dachdeckermeister Rico Sachse und seine Mitarbeiter war das Aufsetzen des Turms der Höhepunkt monatelanger Vorbereitungen. „Aktuell ist es wie mit Lego beim Projekt Ratskeller“, hatte das Unternehmen kurz zuvor mitgeteilt. „Wir sind sehr zufrieden, die Vorbereitung unserer Kollegen ist top, alles passt perfekt. So kann es weitergehen.“
So „easy“ wie es jetzt klingt, was es allerdings nicht. Unklarheiten zur Kostenübernahme, Verzögerungen durch Fragen zur Statik und zuletzt auch noch ein Hornissennest sorgten immer wieder für Verzögerungen.
Dass also jetzt beim Aufsetzen des Turms tatsächlich alles zusammenpasste, war keine Selbstverständlichkeit. Die Zimmerleute haben Hänge- und Sprengwerke so gefertigt, dass sie das Eigengewicht sowie Wind- und Schneelasten des Turmes zuverlässig tragen können. Dadurch wird verhindert, dass die darunterliegenden unter Denkmalschutz stehenden Deckenbalken zusätzlich belastet werden. Teile der Konstruktion waren in Berbisdorf passgenau vorgefertigt und anschließend mit dem Kran auf das Dach gehoben worden.
Der frühere Dachreiter war Ende Januar 2023 wegen Einsturzgefahr abgenommen worden. Nach Angaben der Bauaufsicht drohte er in Richtung Marktplatz abzustürzen. Wetterfahne, Uhr und historische Glocke konnten damals gesichert werden. Seitdem fehlte dem Ratskeller und damit auch dem gesamten Markt das prägende Element.
Weil der Eigentümer der Aufforderung zur vollständigen und denkmalgerechten Wiederherstellung nicht fristgerecht nachgekommen war, ließ das Landratsamt Meißen die Arbeiten als Ersatzvornahme ausführen. Nach Angaben der Behörde kostet die Sanierung rund 187.000 Euro. Die Summe soll nach Abschluss der Maßnahme dem Eigentümer in Rechnung gestellt werden.
Der Ratskeller gilt als eines der ältesten Gebäude Radeburgs. Sein Turm prägt nicht nur den Marktplatz, sondern ist mit viel Fantasie gemeinsam mit dem Kirchturm auch auf dem Stadtwappen zu sehen. „Wenn der Turm nicht wieder hochgekommen wäre, würde ein Stück Stadtgeschichte fehlen“, hatte Rico Sachse zu Beginn der Arbeiten gesagt.
Bis zum vollständigen Abschluss der Sanierung stehen noch weitere Arbeiten an. Doch der wichtigste und sichtbarste Schritt ist getan: Nach mehr als drei Jahren hat der Ratskeller seinen Turm zurück – und der Radeburger Markt wieder seine vertraute Silhouette.

