Innenraum der Bärnsdorfer Kirche vor Vollendung Gemeinde bittet weiter um Unterstützung

Die Bärnsdorfer Kirche steht kurz vor der Vollendung ihrer Innensanierung. Unter strengen Denkmalschutzauflagen wurde monatelang gearbeitet – nun rückt nicht nur die Wiedereröffnung näher, sondern auch ein besonderer Moment: Mit einer neu gegossenen Glocke soll das historische Geläut wieder komplett werden. Doch trotz großer Fortschritte bleibt die Gemeinde auf Unterstützung angewiesen.

Das Interesse der Öffentlichkeit an den Sanierungsarbeiten war von Anfang an groß. Zeitweise sprach man sogar von „Baustellentourismus“, wie Kirchvorsteher Frank Lorenz berichtet. Immer wieder versuchten Neugierige, einen Blick ins Innere zu erhaschen – verständlich, aber während der Bauphase nicht ungefährlich. Aus Sicherheitsgründen musste das Gotteshaus während der umfangreichen Bauarbeiten rigoros verschlossen bleiben. Wer einen Blick in die Bärnsdorfer Kirche werfen wollte, konnte dazu lediglich die Gelegenheit während des Bärnsdorfer Weihnachtsmarktes nutzen.

Umso größer ist nun das Bedürfnis der Kirchgemeinde, die Öffentlichkeit dennoch mitzunehmen – und zu zeigen, was hinter den Gerüsten entstanden ist. „Die Leute sollen wissen, was hier passiert“, beschreibt Pfarrerin Sabine Prokopiev das Anliegen. 

Was sich hinter den verschlossenen Türen abgespielt hat, ist beachtlich. Nach der bereits abgeschlossenen Außensanierung läuft seit Monaten die umfassende Erneuerung des Innenraums. Zahlreiche Gewerke arbeiteten Hand in Hand, oft unter schwierigen Bedingungen. Auch bei niedrigen Temperaturen wurde weitergebaut. „Es steckt unglaublich viel Arbeit darin“, so Frank Lorenz. Vieles davon bleibt für Außenstehende zunächst unsichtbar.

Ein zentrales Ziel der Innensanierung war es, den Kirchenraum heller und freundlicher zu gestalten. Die bisher dominierenden dunklen Brauntöne weichen nun einer deutlich aufgehellten Farbgebung. Dabei bewegte sich die Gemeinde stets im Spannungsfeld zwischen historischer Treue und moderner Nutzung. Gemeinsam mit Architekt Samuel Jenichen und in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz wurde ein Konzept entwickelt, das sich an Farbtönen der letzten Großsanierung der 70er Jahre orientiert, diese aber durch Lasuren neu interpretiert.

Auch funktional bringt die Sanierung spürbare Verbesserungen mit sich. So werden künftig in den ersten acht Reihen beheizbare Sitzbänke für mehr Komfort sorgen – ein Detail, das gerade in den Wintermonaten den Unterschied machen dürfte.

Die Arbeiten selbst unterlagen strengen denkmalpflegerischen Vorgaben. Viele Tätigkeiten mussten in traditioneller Handarbeit ausgeführt werden, teilweise nach Techniken, wie sie schon vor Jahrhunderten angewendet wurden. Maschinen kamen nur sehr eingeschränkt zum Einsatz. Das bedeutet nicht nur einen erheblich höheren Zeitaufwand, sondern auch deutlich steigende Kosten. „Jeder Handgriff ist vorgegeben“, beschreibt der Kirchvorsteher die Herausforderung. Allein die Abstimmung der Farbgestaltung zog sich über Monate hin.

Dabei ist die Bärnsdorfer Kirche weit mehr als nur ein Bauwerk. Sie prägt das Ortsbild und ist schon von weitem sichtbar – ein Orientierungspunkt in der Landschaft. Zudem liegt sie an einem Nebenweg des Jakobsweges und ist damit auch Pilgerkirche. Diesen Aspekt möchte die Gemeinde künftig stärker nutzen und ausbauen.

Mit der Sanierung verbindet sich daher auch ein klares Ziel: Die Kirche soll künftig stärker geöffnet werden. „Wir wollen, dass die Leute hereinkommen und sich eingeladen wissen“, sagt Pfarrerin Prokopiev.

Inzwischen befindet sich das Projekt auf der Zielgeraden. Die Innensanierung soll bis Ende Mai abgeschlossen sein. Eine Erst-Öffnung der Kirche ist im Rahmen der 3.Radeburger Musiktage, die Kantor Veit Martin organisiert, am 30.Mai mit einer Abendmusik geplant. Im Sommer soll die Kirche wieder regelmäßiger für Gottesdienste und Veranstaltungen geöffnet werden – immer so, wie die Baumaßnahmen dies zulassen. Neben der Glockenerweiterung steht auch noch die Aufarbeitung des Orgelprospekts an. Die offizielle Wiedereinweihung ist für den 6. September vorgesehen.

Markus Nicklichs Traum wird wahr

Vor einem Jahr trug seine Witwe Astrid am Grab von Markus Nicklich vor, dass er schon als Junge immer davon geträumt hatte, dass die Glocken über Bärnsdorf wieder „richtig klingen sollten.“ Den Weltkriegen waren zwei der ursprünglich drei Glocken zum Opfer gefallen. Nur die Taufglocke war übriggeblieben. Astrid regte deshalb zu einer Spendenaktion für eine neue Glocke an. Der Aufruf fand eine überwältigende Resonanz. Während die Spendenaktion für die Glocke lief, bekam die Gemeinde die Möglichkeit, eine klanglich gut passende dritte Glocke zum Materialpreis zu erwerben und damit sogar den Wunschtraum vom ursprünglichen Dreiergeläut zu vollenden. Darf man das als göttliche Fügung sehen?

Am Freitag, dem 20.März, wurde nun der nächste Schritt getan: Astrid Nicklich, Pfarrerin Sabine Prokoviev, Freunde, Mitglieder der Familie und der Bärnsdorfer Gemeinde konnten dabei sein, wie nun die letzte Glocke für das vollständige Geläut gegossen wurde. Sie waren vor Ort in der Leipziger Gießerei Kessler. Unter Leitung des Bronzegießers und Glockensachverständigen Friedemann Szymanowski wurde bei 1200 Grad Celsius ein präzise bestimmtes Gemisch aus Kupfer, Blei und Zinn in die speziell für diese Glocke gefertigte Lehmform gebracht. In der Form kühlt der Körper nun drei Wochen langsam ab, wird geschliffen, gereinigt, bearbeitet. Das braucht noch seine Zeit – aber die Glocke muss auf den Einbau auch aus einem anderen Grund noch etwas warten. Siehe auch das folgende Video. 

Herausforderung: drei Glocken erfordern Tragwerk aus Holz

Die bisherige Einzelglocke wurde durch einen Stahlglockenstuhl getragen. Aufgrund der gänzlich anderen Resonanzsituation bei drei Glocken ist zwingend die Rückkehr zur ursprünglichen Holzkonstruktion geboten. „Nicht der Kirchturm soll in Schwingung versetzt werden, sondern nur die Glocken,“ erklärte Frank Lorenz mit einem Lächeln. Die Holzkonstruktion sorgt für den gewünschten Dreiklang und minimiert die Belastung für das Mauerwerk. Die endgültige Freigabe der Konstruktion wird in diesen Tagen erwartet.

Der Umbau des Tragwerks für die Glocken ist nun noch einmal eine Herausforderung auch in finanzieller Hinsicht. Ein großer Teil der benötigten Mittel (133.059 €) konnte über das Förderprogramm des Dresdner Heidebogens und mit Unterstützung der Landeskirche (209.000€) gesichert werden. Doch der gewaltige Eigenanteil seitens der Kirchgemeinde muss weiterhin durch Spenden gedeckt werden. Dabei engagieren sich längst nicht nur Gemeindeglieder, sondern dankenswerterweise auch Unterstützer aus der Region. Die Kirchgemeinde mit Pfarrerin Sabine Prokopiev ist für jegliche Unterstützung sehr, sehr dankbar!

Zahlen zur Innensanierung und Glockenergänzung mit Holzglockenstuhl:

  • Kosten der Innensanierung: 444.000€
  • - noch benötigte Spenden-Gelder: 22.000€
  • Kosten der Glockenmaßnahme: 73.000€

Spenden-Konto: 

Ev.-Luth. Kirchenbezirk Dresden Nord (zuständig für Kirchspiel Radeburg)
IBAN: DE59 3506 0190 1667 2090 44 BIC: GENO DE D1 DKD
Verwendungszweck: RT 1683 KG Bärnsdorf-Berbisdorf Kirche BAU Bärnsdorf