Gedenken in Radeburg

Gedenken soll auch zum Nach-Denken, Nach-Fragen, Nach-Forschen (Projekt Spurensuche ganz unten) aufrufen. Jeder kann im Gedenken seine eigenen Schlüsse ziehen und dazu in den Dialog treten. Erinnerungskultur steht nicht im Gegensatz zur Meinungsfreiheit. Das gilt für den Volkstrauertag (siehe Leserbrief unten), aber auch für den Gedenktag an die Opfer des National-Sozialismus. Vielleicht auch ein Tag zum Nach-Denken für all jene, die mit leichtfertigen Vergleichen verharmlosen, was in der Geschichte im tiefen Wortsinn unvergleichlich ist.

10 Bürger und eine Schulklasse gedachten gemeinsam mit Bürgermeisterin Michaela Ritter der Opfer des Holocaust.

10 Bürger und eine Schulklasse gedachten gemeinsam mit Bürgermeisterin Michaela Ritter der Opfer des Holocaust.

Radeburg gedachte der Opfer des Holocaust

Aus Anlass des Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus lud Bürgermeisterin Michaela Ritter am 27. Januar 2026 Bürger an das VdN-Denkmal im Zillehain Radeburg ein. 10 Bürger und eine Schulklasse waren der Einladung gefolgt.

Der Gedenktag erinnert an die Befreiung des  KZ Auschwitz-Birkenau durch sowjetische Truppen am 27. Januar 1945. Was diesen Ort historisch so bedeutend und einzigartig mach, ist die hier stattgefundene industrielle Vernichtung von Menschen. Wer an diesem Ort je die Beweise des Grauens gesehen hat, für den sollten sich jegliche Vergleiche und politischen Instrumentalisierungen von selbst verbieten. Bundespräsident Roman Herzog sagte in seiner Rede zur Einführung des Feiertages, er solle dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und dazu beitragen, "jeder Gefahr der Wiederholung entgegenzuwirken".
Ob diese Gefahr aktuell z.B. in "rechtem Gedankengut", das unter anderem "Fremdenfeindlichkeit" enthalten soll, bereits als solche Gefahr wahrzunehmen ist oder ob nicht gerade ein solcher Vergleich eine Verharmlosung des Völkermords ist, die eigentlich unter Strafe steht, darüber entspann sich am Ende eine kurze Diskussion unter Teilnehmern. Bürgermeisterin Michaela Ritter sah ersteres, der Geschichtslehrer der Schulklasse aber warnte davor, rechtskonservativ und rechtsradikal gleichzusetzen. Auch der Bezug zur Fremdenfeindlichkeit, den man der AfD zuschreiben mag, greift zu kurz, denn die benannten Opfer, die meisten darunter Juden, waren Nachbarn, Kollegen, Vereinskameraden und nach heutigen Maßstäben bestens integriert. Neben dem Kranz der Stadt Radeburg hatten die Stadträte Sylvia Herberger und Lothar Lucke den Kranz der AfD-Stadtratsfraktion niedergelegt. Politische Gegner werden das als "Heuchelei" sehen. Eine solche Meinung ist legitim - eben wie jede andere. Gewöhnlich flankierte auch ein Kranz von DIE LINKE ebenfalls den Kranz der Stadt, war aber "witterungsbedingt" nicht pünklich eingetroffen. DIE LINKE wurde unter anderen vertreten von Stadtrat Rüdiger Stannek,

Zwei Schülerinnen und ein Schüler trugen das Gedicht eines unbekannten Verfassers vor, das sich auf das Geschehen in Auschwitz bezieht. Dieses Gedicht beschreibt in starken, einfachen Worten, welches unvergleichliche Verbrechen dort geschen ist. Danke für diesen Beitrag - siehe YT-Video.

Klaus Kroemke

Volkstrauertag: Kein Respekt vor dem Gedenken?

Am 16.11.2025, zum Volkstrauertag, legten wir, die AfD Stadtratsfraktion, ein Gesteck mit Schärpe, am Denkmal für die Gefallenen zweier Weltkriege in Radeburg nieder. Das Denkmal trägt die Inschrift „DIE TOTEN MAHNEN 1914 – 1918 1939 – 1945“ Mit der Kranzniederlegung wollten wir zum Ausdruck bringen, dass wir diesen Gedanken der Mahnung teilen. Leider wurde im Dezember, vor Weihnachten, die Schärpe mit unserer Aufschrift entfernt.

Gemäß StGB §304 handelt es sich mutmaßlich um eine gemeinschädliche Sachbeschädigung. Deshalb haben wir am 2.1.2026 Strafanzeige gestellt. Die Kriminalpolizei bittet um sachdienliche Hinweise. Wir fragen deshalb auf diesem Wege: wer hat die Tat beobachtet oder kann Angaben zur Aufklärung des Sachverhalts machen?

Mit sachdienlichen Hinweisen wenden sie sich bitte an den Polizeiposten in Radeburg, Friedrich-Ludwig-Jahn-Allee 6, 01471 Radeburg, Telefon: 035208 94080, oder direkt an den Kriminaldienst des Polizeireviers Meißen, Birkenstraße 15, 01445 Radebeul, Tel. 0351/83714224 unter Angabe des Aktenzeichens 1/26/129313.

Sylvia Herberger
AfD-Fraktion 
Stadtrat Radeburg

Junges Forschungsteam gesucht! 

Das Programm Spurensuche startet 2026 in eine neue Förderrunde, in der die Sächsische Jugendstiftung bis zu 20 Projekte der Jugendgeschichtsarbeit unterstützt.

Welche Spuren der letzten Jahrhunderte gibt es in der Region zu entdecken? Wie sah der eigene Ort vor Jahrzehnten aus? Was hat die Menschen hier früher bewegt? Und was geschah hier während großer historischer Umbrüche wie dem Nationalsozialismus, dem Ende des Zweiten Weltkriegs oder vor, während und nach DDR-Zeit?

Mit diesen oder ähnlichen Fragen können junge Menschen 2026 wieder auf historische Entdeckungsreise gehen – direkt vor ihrer Haustür.

Gesucht werden engagierte Teams von Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren, die in Sachsen leben und neugierig darauf sind, die Geschichte ihrer eigenen Region zu erforschen – sei es zu prägenden Ereignissen, außergewöhnlichen Lebensgeschichten oder gesellschaftlichen Entwicklungen vor Ort.

Jugendgeschichtstage – Höhepunkt des Spurensuche-Jahres

Den Abschluss der Projektzeit bilden die Jugendgeschichtstage, die voraussichtlich am 19. und 20. November 2026 im Sächsischen Landtag in Dresden stattfinden. Hier präsentieren die jungen Spurensuche-Teams ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit.

Förderung & Bewerbung
Über die Vergabe der Fördermittel entscheidet eine Jury. Pro Projekt können bis zu 1.800 Euro, etwa für Recherchearbeiten, Exkursionen und die Dokumentation der Ergebnisse.
Bewerbungsschluss ist der 28. Februar 2026
Alle Informationen zur Ausschreibung, Termine zu digitalen Infoveranstaltungen und das Antragsformular stehen auf:
www.saechsische-jugendstiftung.de -> Spurensuche

Wer kann Projektträger sein?
Das Programm richtet sich vor allem an Träger der Jugendarbeit. In begründeten Fällen können auch Vereine, Kirchgemeinden sowie Kommunen Projektträger sein. Schulen sind nicht antragsberechtigt, jedoch ihre Fördervereine, vorausgesetzt, das Projekt findet außerschulisch statt.
Da es noch keine schriftliche Zusage der Fördermittel für das Programm Spurensuche gibt, erfolgt die Antragstellung unter Vorbehalt. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.

Kontakt & Beratung
Kontaktstelle für Jugendgeschichtsarbeit
Sächsischen Jugendstiftung
E-Mail: spurensuchenoSpam@saechsische-jugendstiftung.de