Die Promenadenanlagen in Radeburg entstanden zwischen 1889 und 1944 auf Initiative des Verschönerungsvereins Radeburg. Da dem Verein nur sporadisch Gelder zur Verfügung standen, sind die Anlagen in mehreren Schritten entstanden.
Grundvoraussetzung zur Herausbildung der Promenade war zunächst jedoch die von Bürgermeister Hentschel veranlasste Regulierung der Promnitz, die 1863/1864 zwischen Sintergraben und Meißner Straße sowie zwischen der Großenhainer Straße und der Röder vorgenommen wurde. Daraufhin wurden ein Spazierweg entlang des Flusses angelegt und die Ufer bepflanzt. 1889 wurde die Parkanlage am Wettin-Obelisken, dem heutigen VdN-Denkmal, eingeweiht. 1892-1897 entstand der später vernachlässigte Carola-Hain (hinter der heutigen Zappelbude), 1900 wurden das Bismarck-Denkmal (heute Zilledenkmal) und das Kaiser-Wilhelm-Denkmal realisiert. Ab 1903 entstand die Anlage mit dem Springbrunnen und 1926 die Erweiterung der Anlagen am Bismarck-Denkmal und am Neuen Friedhof rund um das Kriegerdenkmal. Die Tätigkeiten des Verschönerungsvereins enden 1944 mit der Pflanzung von Rhododendren am Springbrunnen. [1] In Sachsen haben solche Anlagen Seltenheitswert, was ihre Bedeutung als Denkmal unterstreicht.
Nach 1945 fanden Veränderungen insbesondere an deren Gedenksteinen statt. In der DDR wurde u.a. das Gedenken an Bismarck und an die Wettiner systematisch ausgelöscht. [2]
Bismarck wurde als Symbol des Militarismus und der preußischen Großmachtpolitik betrachtet, die im Widerspruch zur herrschenden sozialistischen Ideologie standen. Die Erinnerung an ihn wurde durch eine einseitig negative Bewertung in der Geschichtsschreibung und die Entfernung von Denkmälern und Straßennamen, die seinen Namen trugen, aktiv unterdrückt. Vom Bismarck-Denkmal wurden 1945 die Platten entfernt und der verbliebene Gedenkstein 1954 zum Heinrich-Zille-Denkmal umgewidmet. Ebenfalls 1945 wurde das Bronze-Relief am Kaiser-Wilhelm-Denkmal entfernt. Seitdem steht es als namenloser Felsbrocken am südlichen Weg zwischen Zilledenkmal und dem Querweg, der aus Richtung Siedlung kommt. Im Zuge der Einweihung des Zilledenkmals wurde auch der Parkteil zwischen Bahnhofstraße und Springbrunnen nach Zille benannt. Immerhin suchten die Stadtväter bei der Umwidmung einen lokalen Bezug und der 25. Todestag des berühmtesten Sohns Radeburgs bot sich an. Die Bismarckhöhe wurde weniger kreativ in „Friedenshöhe“ umbenannt, wie viele andere Objekte in Ostdeutschland, die aus Objekten und Straßen mit Bezug auf den „kriegerischen“ Bismarck Friedenssymbole machten. Die Abkehr vom bürgerlich-aristokratischen Erbe durch die neue sozialistische Identität traf auch die Wettiner als ehemalige sächsische Herrscherdynastie. Der ihnen1889 zugedachte Obelisk wurde 1956 für die Verfolgten des Naziregimes umgewidmet. [1] Ein Gedenkstein mit den Namen der von Nazis verfolgten Kommunisten wurde nach 1990 beseitigt. Auch die damals nach den Kommunisten benannten Straßen erhielten nach der Wende neue Namen.
Die Anlagen wurden in ihrer Geschichte zwei Mal von Naturgewalten heimgesucht. 1941 wurden beim „Pfingsthochwasser“ Bäume entwurzelt und Bänke weggespült. Beim Pfingst-Tornado am 24. Mai 2010 wurden große Teile des Parks zerstört, Bäume entwurzelt oder abgeknickt und Spielgeräte des Spielplatzes am Brunnen zerstört. [3] Die Beseitigung der Schäden wurde nicht zuletzt dank Spenden zahlreicher Bürger möglich, von denen einige auf einem Findling genannt sind, der am von der Rehaklinik kommenden Querweg platziert und leider durch Vandalismus beschädigt wurde. Die Wiederherstellung der Anlagen endete 2020 mit der Wiedereinweihung des Spielplatzes. [4].
Doch zur Vollständigkeit eines wieder funktionierenden Parks gehört unabdingbar der Brunnen. Die Stadt Radeburg bemühte sich, im Rahmen des Förderprogramms „Städtebauliche Erneuerung“ diesen Wunsch vieler Radeburger zu realisieren. Nach zwei vergeblichen öffentlichen Ausschreibungen, bei denen kein Gebot im Rahmen der dafür bereitstehenden Mittel lag, wurde das Vorhaben jedoch zurückgestellt.
Um die Mittel nicht verfallen zu lassen, wurde schließlich im vergangenen Dezember die Sanierung eines anderen Teilstücks des Parks beschlossen. Die Wahl fiel auf das Rondell um das Heinrich-Zille-Denkmal und einen Teil des Grünzuges entlang der Hospitalstraße, weil in diesem Bereich unter anderem mit erhöhter Besucherzahl zu rechnen ist. Unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes sollen hier die Wege erneuert, Sträucher und Bäume gepflanzt und das Mobiliar ausgetauscht werden.
An das Erbe des Verschönerungsvereins möchte nun der Kultur- und Heimatverein anknüpfen. Die neu gegründete Arbeitsgruppe für Veranstaltungen, Stadtverschönerung und Öffentlichkeitsarbeit machte auf die Bedeutung und die Möglichkeiten, die der Heinrich-Zille-Hain bietet, am 10. August mit der Veranstaltung „Kaffee im Zille-Hain“ im Bereich des Brunnens aufmerksam.
Zahlreiche Radeburger folgten der Einladung. Familien „mit Kind und Kegel“ und Senioren durften bei Kaffee und Kuchen den perfekt milden sonnigen Nachmittag im Schatten der teils noch vom Verschönerungsverein gepflanzten Bäume genießen.
Christina Koch, die den Verein durch schwierige Zeiten hin zu einem Neuanfang geleitet hat, zeigte sich überwältigt von der Tatsache, dass es nun wieder aufwärts geht.
In den sozialen Medien teilen die Veranstalter um Vereinsvorsitzende Karina Jentzsch mit: „Ein herzliches Dankeschön an alle Helferinnen und Helfer für ihren engagierten Einsatz sowie an die Gärtnerei Habelt für die Blumendekoration. Die bunten Blumensträuße waren der Hingucker auf jedem Tisch! Danke auch an die Bäckerei Schöne für den leckeren Kuchen und die Stadtverwaltung Radeburg für die unkomplizierte Zusammenarbeit.“
Der Verein freut sich auf eine Wiederholung. Möglichkeiten zu schaffen, bei denen man sich treffen und austauschen kann – das ist einfach wichtig für den Zusammenhalt in unserer Stadt.
Quellen:
- [1] Erläuterungsbericht Sanierung Zillehain, Landschaftsarchitekturbüro Prugger
- [2] Auslöschung des Bismarck-Gedenkens in der DDR und Warum wurden nach 1945 in der DDR Denkmale und Straßennamen mit Bezug auf die Wettiner umbenannt?
- [3] Radeburger Anzeiger über den Tornado
- [4] älterer Beitrag über den Heinrich-Zille-Hain

