Boxclub Radeburg: Aleksandra holt DM-Silber · Wie geht es weiter im Verein - sportlich und baulich?

In unserer Druckausgabe widmeten eine ganze Seite dem Boxclub Radeburg: ein Portrait-Interview mit der deutschen Vizemeisterin Aleksandra Gogolewska, Informationen zu ihrem nächsten großen Wettkampf und zu weiteren sportlichen Vorhaben sowie zu aktuellen Stand beim Ausbau der neuen Trainingshalle.

Radeburgerin Aleksandra feiert ihre erste Medaille bei einem großen Wettbewerb.

Radeburgerin Aleksandra feiert ihre erste Medaille bei einem großen Wettbewerb.

Der Weg zum Erfolg im Boxring: Selbstdisziplin, Geduld und ein starkes Team 

Anfang Dezember gewann die Radeburger Boxerin Aleksandra Gogolewska bei den Deutschen Box-Meisterschaften in Saarbrücken die Silbermedaille. Es ist der bislang größte Erfolg ihrer sportlichen Laufbahn – und das Ergebnis jahrelanger Disziplin, Ausdauer und harter Arbeit. Für „Radeburger Anzeiger“ sprach Klaus Kroemke mit der aus Breslau (Polen) stammenden Sportlerin sowie mit Erik Behnke, dem Vorsitzenden des Boxclubs Radeburg:

RAZ:
Aleksandra, würdest du Silber bei den Deutschen Meisterschaften in Saarbrücken als deinen bisher größten Erfolg bezeichnen?

Aleksandra Gogolewska:
Ja, auf jeden Fall. Ich boxe seit etwa zwölf Jahren. In Polen habe ich zwar auch an nationalen Meisterschaften teilgenommen, aber dort lief es nie richtig – manchmal bin ich schon im ersten Kampf ausgeschieden. Jetzt, nach so vielen Jahren, habe ich endlich eine Medaille gewonnen. Das war immer mein Ziel. Diese Silbermedaille bedeutet mir sehr viel.

Was hat dich all die Jahre motiviert, dranzubleiben?
Eigentlich ist es weniger Motivation als Disziplin. Boxen ist mein Leben. Ich kann mir keinen Tag ohne Training vorstellen. Ich trainiere fast jeden Tag, manchmal sogar zweimal täglich. Wenn ich Frühschicht habe, stehe ich um vier Uhr morgens auf, gehe laufen oder mache Krafttraining im Gym. Das gehört einfach zu meinem Alltag.

Dein Erfolg ist deine eigene Leistung – aber wem möchtest du besonders danken?
Der größte Einfluss kommt von meiner Familie, vor allem von meinem Vater. Er hat mich schon früh für den Boxsport begeistert, wir haben gemeinsam große polnische Boxer geschaut. Auch mein Bruder ist Kampfsportler, er trainiert Karate auf hohem Niveau.
In Radeburg bin ich sehr dankbar für den Boxclub und besonders für Erik. Ohne den Boxclub Radeburg hätte ich vielleicht nur noch für mich trainiert – ohne klares Ziel. Erik organisiert Kämpfe, setzt Ziele und gibt mir das Gefühl, dass sich der Einsatz lohnt.

Der Boxclub hat viele Nachwuchssportler. Siehst du dich als Vorbild?
Vielleicht, ja. Gerade für Kinder und Jugendliche – und auch für Mädchen – kann es motivierend sein zu sehen, dass man es mit harter Arbeit schaffen kann. Wenn sie sehen, dass ich mit größeren und stärkeren Sparringspartnern trainiere oder im Wettkampf bestehe, zeigt das: Es ist möglich.

Erik Behnke ergänzt:
Aleksandra ist für unseren Verein ein großes Vorbild. Wir teilen Berichte bewusst auch in den Nachwuchsgruppen. Das kommt bei den Kindern und ihren Eltern an.

Wie bist du eigentlich zum Boxsport gekommen?
Ich habe in Polen, in Breslau, fast zehn Jahre lang trainiert. Nach meinem Umzug nach Deutschland war ich zunächst wegen der Arbeit hier. Auf einer Baustelle habe ich zufällig gehört, dass es in Radeburg einen Boxclub gibt – und bin einfach hingegangen. Seitdem bin ich hier.

Magst du uns ein paar persönliche Daten nennen?
Ich bin in Breslau geboren und 30 Jahre alt. Seit einiger Zeit lebe ich in Radeburg. Ich bin Kranführerin und durch meinen Beruf hierher gekommen.

Fühlst du dich hier wohl – auch abseits des Sports?
Ja, sehr. Ich hatte hier nie negative Erfahrungen. Am Anfang war mein Deutsch noch nicht so gut, dann haben wir im Training viel Englisch gesprochen – das war kein Problem. Die Menschen waren immer freundlich und hilfsbereit. Radeburg ist ruhig, das passt gut zu mir. Ich mag kein großes Trubel- oder Nachtleben, ich bin lieber zu Hause oder im Training.

Wie siehst du deine Zukunft?
Ich möchte weiterboxen, weiter an mir arbeiten und mich verbessern. Solange ich Ziele habe und Kämpfe anstehen, gebe ich alles. Boxen gibt meinem Leben Struktur – und das soll auch so bleiben.

Fazit:
Aleksandra Gogolewskas Silbermedaille ist mehr als ein sportlicher Erfolg. Sie ist das Ergebnis von Durchhaltevermögen, täglicher Disziplin und einem Umfeld, das Vertrauen und Perspektiven bietet. Für den Boxclub Radeburg – und besonders für den Nachwuchs – ist sie damit schon heute ein starkes Vorbild.

 

International gefordert: Aleksandra startet beim Golden Girls Cup in Schweden

Für die Radeburger Boxerin Aleksandra Gogolewska geht es – im wahrsten Wortsinn - Schlag auf Schlag weiter: Bereits am kommenden Wochenende steht mit dem Golden Girls Cup in Borås (nahe Göteborg) der nächste große Wettkampf auf internationaler Ebene an.

Das Turnier gilt als eines der größten reinen Frauen- und Mädchenboxturniere weltweit. In den Borås-Hallen – einer großen Stadionhalle – werden über 500 Sportlerinnen erwartet. Teilnehmerinnen reisen nicht nur aus ganz Europa an, sondern auch aus Kanada, den USA, Australien sowie aus asiatischen und afrikanischen Nationen. Der Golden Girls Cup wächst seit Jahren kontinuierlich und genießt internationales Renommee.

Begleitet wird Aleksandra von Erik Behnke, dem Vorsitzenden des Boxclubs Radeburg, der gemeinsam mit ihr und Teamkollegin Helene Lehmann für den Landesverband Sachsen antritt.
„Wir fahren mit Aleksandra und Helene nach Schweden und geben unser Bestes. Natürlich hoffen wir auf einen Platz auf dem Treppchen,“ so Behnke.
Die Herausforderung ist dabei enorm: In Aleksandras Gewichts- und Altersklasse sind 22 Athletinnen gemeldet. Gekämpft wird im K.-o.-System, wobei der Turnierverlauf nicht allein von der Leistung abhängt.
„Man kann im ersten Kampf schon auf die spätere Turniersiegerin treffen – das ist dann einfach Pech,“ erklärt Behnke.
Auch Aleksandra weiß um diese Unwägbarkeit: „Ab einer gewissen Klasse sind alle stark. Dann entscheidet oft auch das Losglück,“ sagt sie nüchtern. 

Das Turnier ist dennoch fair strukturiert: Eingeteilt wird nicht nur nach Alter und Gewicht, sondern auch nach Kampferfahrung. Anfängerinnen (0–5 Kämpfe), Fortgeschrittene (6–15 Kämpfe) und eine offene Top-Klasse ab 15 Kämpfen sorgen für leistungsgerechte Vergleiche. Aleksandra startet mit rund 40 bestrittenen Kämpfen in genau dieser höchsten Kategorie.

Die intensive Vorbereitung unterstreicht den sportlichen Anspruch: Trainingslager – unter anderem am Olympiastützpunkt Chemnitz –, höherklassige Sparringsgegner sowie weitere Wettkämpfe stehen aktuell dicht getaktet im Kalender. Bereits kurz nach Schweden folgt voraussichtlich eine internationale Einladung nach England.

Umfangreicher Wettkampfplan für den ganzen Boxclub

Bereits in dieser Woche nimmt ein Teil des Wettkampfkaders an einem Trainingslager am Olympiastützpunkt in Chemnitz teil. Dort bereiten sich unter anderem Aleksandra und ihre Teamkollegin Helene mit intensiven Sparringseinheiten und technischen Schwerpunkten auf die anstehenden Turniere vor.

Parallel dazu engagiert sich der Verein weiterhin stark im Nachwuchsbereich. Am darauffolgenden Wochenende reist der Boxclub mit rund 18 jungen Sportlern zu einem Turnier nach Zittau. Diese Veranstaltung richtet sich gezielt an Anfänger und Nachwuchsboxer und dient dazu, erste oder weitere Wettkampferfahrungen zu sammeln. Die erfahrenen Athleten des Vereins nehmen an diesem Termin bewusst nicht teil, um klare Entwicklungsstufen innerhalb des Clubs zu ermöglichen.

Neben dem Golden Girls Cup ist für die nächsten Wochen eine weitere internationale Aufgabe geplant: Ein englischer Boxclub, der bereits zuvor Gast in Radeburg war, hat den Verein nun zu einem „Gegenbesuch“ eingeladen. Ob diese Reise nach England stattfinden kann, hängt derzeit noch von der abschließenden Genehmigung der Veranstaltung ab.

Insgesamt ist der Boxclub Radeburg damit nahezu jedes Wochenende sportlich im Einsatz. Vom Nachwuchsturnier über gezielte Trainingslager bis hin zu internationalen Wettkämpfen zeigt sich die breite und ambitionierte Ausrichtung des Vereins, der sowohl auf nachhaltige Nachwuchsarbeit als auch auf leistungsorientierten Spitzensport setzt.

Training in neuer Halle ab Ende Februar

Der Boxclub Radeburg treibt derzeit mit großem Engagement den Bau der neuen Trainingshalle voran. Notwendig wurde das Projekt, nachdem das bisher genutzte Objekt aufgrund gravierender baulicher Mängel nicht mehr genutzt werden konnte. Der Trainingsbetrieb wurde daraufhin vorübergehend auf Ausweichstandorte verlagert, was eine hohe Belastung für die Hallenkapazitäten der Stadt darstellte, die durch den Wegfall der Turnhalle an der Zilleschule ohnehin schon eng waren. Jetzt gibt es gute Nachrichten.

André Rodewald, der bereits das alte Objekt zur Verfügung gestellt hatte, hat ein großes Herz für den Boxsport. Er war es, der nun auch eine ehemalige Werkhalle auf seinem Betriebsgelände zur Verfügung stellte. Die Kalthalle musste aber funktional umgebaut werden. 

Das Gebäude wird künftig zweiteilig und ein Teil zweigeschossig genutzt. Im unteren Bereich entsteht ein großzügiger Fitness- und Trainingsbereich, ausgestattet mit Kraftsportgeräten wie Hantelbänken und Maschinen für den gezielten Muskelaufbau. Dieser Bereich richtet sich nicht nur an die Wettkampfboxer, sondern auch an Mitglieder, die ausschließlich Kraftsport betreiben. 

Der eingeschossig bleibende hauptsächliche Trainingsbereich wird mit robusten Sportmatten ausgelegt, wie sie inzwischen in modernen Fitness- und Trainingsstudios Standard sind. Außerdem sind Spiegelwände vorgesehen, die es den Sportlern ermöglichen, Technik und Bewegungsabläufe selbstständig zu kontrollieren und zu verbessern. Ergänzt wird der Trainingsbereich durch fest installierte Sandsäcke sowie einen vollwertigen Wettkampfboxring. Zusätzlich ist ein zweiter, klappbarer Ring geplant, der je nach Trainingsgröße flexibel genutzt werden kann. 

In der oberen Etage entstehen Funktionsräume. Geplant sind getrennte Umkleide- und Sanitärbereiche für Mädchen und Jungen sowie weitere Wirtschaftsräume. Darüber hinaus soll ein kleines Büro eingerichtet werden, um Unterlagen, Akten, Startausweise und Wettkampfmaterial zentral und sicher lagern zu können. Beheizt wird die Halle über eine moderne Deckenheizung auf Warmwasserbasis, die eine gleichmäßige Wärmeverteilung gewährleistet und für den Sportbetrieb besonders geeignet ist. Fenster wurden bereits erneuert, weitere folgen in den kommenden Wochen.

Ziel ist es, bis Ende Februar die wichtigsten Arbeiten abzuschließen, insbesondere Boden, Heizung, Strom und Beleuchtung. Sobald die Matten verlegt und die gröbsten Bauarbeiten abgeschlossen sind, soll der Trainingsbetrieb bereits teilweise aufgenommen werden – voraussichtlich ab Ende Februar oder Anfang März, auch wenn einzelne Bereiche im Obergeschoss zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig fertiggestellt sein werden.

Erik Behnke plant eine offizielle Eröffnungsfeier im Spätsommer. Dafür sollen befreundete Vereine, Unterstützer, Sponsoren sowie Helfer eingeladen werden, die den Bau handwerklich oder finanziell begleitet haben. Die Feier soll aber darüber hinaus eine offene Veranstaltung mit sportlichem und geselligem Charakter sein, die den neuen Standort des Boxclubs Radeburg würdig einweiht und zugleich den Abschluss einer herausfordernden Übergangszeit markiert.

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