Kommunen werden bei Großschadenereignissen allein gelassen

Brandgeschehen im Landkreis Meißen – Stab für außergewöhnliche Ereignisse zusammengetreten, sieht Verantwortung aber bei den Kommunen - laut Rechtslage. Auch Drohne aus Bärnsdorf im Einsatz.

Feuerwehreinsatz in der Gohrisch Heide (Foto: Feuerwehren Landkreis Meißen / Social Medie)

In den vergangenen Tagen kam es an verschiedenen Stellen im Landkreis Meißen zu Bränden. Eine besondere Herausforderung für die Feuerwehren stellte dabei der Brand in der Gohrischheide bei Zeithain dar. Zeitweise waren dort gleichzeitig mehr als 150 Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren aus dem gesamten Gebiet des Landkreises Meißen, das Technische Hilfswerk (THW) sowie Katastrophenschutzeinheiten zur Versorgung und Sicherstellung im Einsatz, welche von der hierfür zuständigen Einsatzleitung der Gemeinde Zeithain über die Integrierte Regionalleitstelle (IRLS) Dresden angefordert und koordiniert wurden. Auch der Einsatzleitwagen des Landkreises wurde im Verlauf der Ereignisse von der Feuerwehr Zeithain genutzt. Mit im Einsatz war - unte rvielen ANDEREN - die Feuerwehr Ebersbach. Die in Bärnsdorf stationierte Drohne wurde gleich zu zwei Einsätzen gerufen. Nach einem Einsatz im Spitzgrund bei Coswig haf sie bei der Bekämpfung des besagten Waldbrandes in der Gohrisch Heide - zusammen mit einer Drohne aus Glaubitz.

Einen qualifizierten Bericht zu dem Ereignis lieferte die Feuerwehr Röhrsdorf (Gemeidne Klipphausen). Ein Kamerad schrieb dazu:

Schon bei der Alarmierung wussten wir es geht zur Waldbrandgroßschadenslage in die Gohrische Heide an der nördlichen Grenze zu Brandenburg in die Ortslage Nieska bei Gröditz . Wir alle haben ein solches Brandszenario noch nie miterlebt beziehungsweise bekämpft . Dem entsprechend war Anspannung und Nervosität bei jedem auf der 50 km langen Anfahrt zu spüren . Auf dem Weg zur Sammelstelle mehrten sich schon sichtbar die Einsatzfahrzeuge und auch die Rauchsäulen die wie Vulkanausbrüche aussahen kamen immer näher . Wir wurden dann vom ELW 1 zu unserem befohlenen Abschnitt kommandiert , der sich in dem kleinen vom Feuer bedrohten Ort Nieska befand . Der Abschnittsleiter befahl uns unsere direkte Einsatzstelle die sich inmitten des Waldes befand . Vor Ort stellte ich ( der Verfasser ) fest das meine Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Lommatzsch schon vor Ort waren und wir ein Team bildeten . Zur Erläuterung ... ich arbeite in Lommatzsch und bin dort mit den Kameraden in der Tagesbereitschaft .
Unsere Aufgabe war es mit anderen Tanklöschfahrzeugen die Kameraden der Brandbekämpfung mit Löschmittel zu versorgen . Außerdem waren die Fällung von umsturzgefährdeten Bäumen, Kühlung, Ablöschung kleinerer Brandherde in der unmittelbaren Umgebung unseres Fahrzeuges unsere Aufgabe. Erschwerend für uns war natürlich die Hitze im Boden, manchmal um die 300 Grad , und der ständige Brandrauch . Aber im Gegensatz zur direkten Brandbekämpfung der anderen Kameraden an anderen Abschnitten die sich mit meterhohen Flammen auf großer Breite konfrontieren mussten, war unsere Arbeit zwar schweißtreibend und kräftezerrend aber trotzdem einfacher zu erledigen . RESPEKT AN ALLE KAMERADEN UND KAMERDINEN DIE BEI DIESEM BRANDEREIGNISS , DIREKT AN DEN BRANDHERDEN UND FÜR VIELE STUNDEN UNERMÜDLICH LÖSCHWIDERSTAND GELEISTET HABEN .
Unsere Einsatzaufgabe änderte sich bis zur Auslösung aus dem Einsatzauftrag nicht. Permanent wurde Löschmittel in das brennende Waldstück geschafft. Gegen 21.00 Uhr wurden wir dann von unserem Standort abgezogen zusammen mit den Kameraden der Feuerwehr Lommatzsch, die jetzt schon das erste mal die Besatzung, wegen Erschöpfung der Einsatzkräfte, getauscht hatten. An der Sammelstelle wurden wir dann aus dem Einsatz entlassen mit der Vorankündigung eines erneuten Einsatzes am nächsten Tag. Die Kameraden der Feuerwehr Lommatzsch kämpften noch viele weitere Stunden vor Ort gegen das Feuer und die Gefahr der wieder zu brennen beginnenden Vegetation. Mein Dank an die Kameraden vor Ort an der Einsatzstelle un natürlich auch die Kameraden und Kameradinnen der Abschnitts bzw. Einsatzleitung . Es war ein angenehmes Arbeiten mit Euch. Leider kann ich nicht alle Feuerwehren und Hilfsorganisationen vor Ort nennen , da diese nicht alle auf unserem Fax standen. Feuerwehren und Organisationen laut Alarmdepesche: Niederau, Lorenzkirch, Zeithain, Lommatzsch, Röderau, Neudorf, Glaubitz, Großenhain, Gröditz, Ebersbach, Kreinitz, Nieska, Nünchritz.

Landrat Ralf Hänsel, welcher auf Grund einer schwerwiegenden Erkrankung nicht selbst vor Ort sein konnte, wurde fortlaufend über die Brandsituation und das Einsatzgeschehen informiert. Die Lageeinschätzung der örtlichen Einsatzleitung und der stellvertretenden ehrenamtlichen Kreisbrandmeister ergab zunächst kein Erfordernis für die Vorbereitung der Übernahme von Führungsaufgaben zur Brandbekämpfung durch den Landkreis Meißen. Nachdem im Laufe des Montagabend (27. Juni 2022) jedoch weitere Brände, unter anderem in der Gemeinde Zeithain südöstlich des eigentlichen Brandgeschehens, gemeldet wurden, trat der Stab für außergewöhnliche Ereignisse des Landkreises zusammen. Dieser hielt über Nacht die Verbindung zur Einsatzleitung vor Ort und zur IRLS Dresden. Weiterführende Maßnahmen mussten durch den Stab bisher nicht veranlasst werden.

Durch das Handeln der Einsatzkräfte sowie den in der Nacht einsetzenden und auch am Morgen noch andauernden Regens hat sich die Lage in der Gohrischheide mittlerweile entspannt. Auch alle weiteren Brände im Landkreis Meißen sind gelöscht oder unter Kontrolle. Die vom Landkreis im Rahmen der Amtshilfe angeforderten Kräfte der Feuerwehren aus den Landkreisen Mittelsachsen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sind gleichwohl auf dem Weg, um die weiteren Löscharbeiten zu unterstützen. Ebenso die angeforderten Kräfte der Bundeswehr, welche insbesondere bei der Beräumung der ehemaligen Brandflächen in der Gohrischheide – soweit dies gefahrlos möglich ist – helfen werden.

„Den Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehren und des THW sowie den Mitgliedern der Katastrophenschutzeinheiten gelten mein besonderer Dank und meine Anerkennung“, teilte Landrat Ralf Hänsel telefonisch mit. „Auf sie ist auch bei gemeindeübergreifenden Einsätzen Verlass.“ Ein Großbrand wie in der Gohrischheide offenbart aber einmal mehr eine Problematik, auf welche die Landkreise schon seit Längerem hinweisen: Auch bei Großschadensereignissen verbleibt nach aktueller sächsischer Gesetzesregelung die Lageeinschätzung und -führung bei der Einsatzleitung vor Ort und kann nicht ohne Weiteres vom Landkreis koordiniert werden.

Quellen:

Größter Waldbrand in Sachsen seit 1992

Sachsenforst zieht erste Bilanz in der Gohrischheide

Landesforstpräsident Utz Hempfling hat bereits am 1. Juli die Brandflächen im zu seinem Verantwortungsbereich gehörenden Naturschutzgebiet Gohrischheide und Elbniederterrasse Zeithain besucht, nachdem das Brandgeschehen sich weitgehend beruhigt hat. Seit Ende der vergangenen Woche haben hier Flammen auf rund 500 Hektar den größten Waldbrand in Sachsen seit 30 Jahren hinterlassen. Auf brandenburgischer Seite kommen weitere Schadflächen hinzu. Dem Großaufgebot an Rettungskräften ist es gelungen, den Brand unter Kontrolle zu bringen. Aufgrund der bislang nur geringen Regenmengen in der Region geht aber weiterhin Gefahr von Flammenbildung und Glutnestern aus, die rund um die Uhr bewacht werden müssen.

»Ich danke den vielen hauptamtlich und auch ehrenamtlich tätigen Einsatzkräften für die erfolgreiche Eindämmung des Brandes. Ich bin froh, dass durch ihren unermüdlichen Einsatz weiterer Schaden - insbesondere von Menschen - abgewendet werden konnte«, sagte Hempfling bei der Besichtigung der Flächen. »Mein Dank gilt aber auch meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Schutzgebietsverwaltung hier vor Ort. Sie haben die Einsatzkräfte engagiert und ausdauernd unterstützt.«

Einsatz gepanzerter Unterstützung

Die Löscharbeiten gestalteten sich auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz insbesondere durch die fast flächige Munitionsbelastung als besonders schwierig. Die Schutzgebietswacht von Sachsenforst konnte mit ihrer Ortskenntnis die Einsatzkräfte auf den wenigen sicheren, von Munition beräumten Wegen lenken. Zur Unterstützung der Löscharbeiten hat Sachsenforst darüber hinaus kurzfristig einen gepanzerten Spezialschlepper aus Nordrhein-Westfalen organisiert, der auch heute noch im Einsatz ist. Die Maschine kann auch munitionsbelastete Flächen befahren und ist durch einen aufgesetzten Wassertank eine wertvolle Unterstützung, um Brand- und Glutnester zu löschen.

Betroffen von dem Brand sind vor allem Waldflächen des Freistaates Sachsen, zu geringen Anteilen aber auch Privatwald sowie Wald des Bundes. Zum Schutz des Privatwaldes vor weiteren Schäden wurden auf Staatswaldflächen vegetationsfreie Schutzstreifen durch Räummaschinen der Bundeswehr geschaffen, die eine Ausbreitung des Brandes verhindern sollen. Ob der Brand durch die große Hitze der letzten Wochen entstanden ist oder Fremdverschulden vorliegt, ist unklar und wird derzeit ermittelt.

Wertvolle Lebensräume verschwinden und entstehen neu

Das Naturschutzgebiet umfasst zahlreiche seltene, empfindliche und wertvolle Lebensräume trocken-warmer Sandböden. »Der entstandene Schaden kann in einem Naturschutzgebiet viel schwerer bewertet werden, als in einem bewirtschafteten Wald«, sagte Hempfling. Die Brandflächen konzentrieren sich insbesondere auf eine Sonderschutzzone, in welcher natürliche Prozesse vollkommen ungestört ablaufen sollen.

»In diesem Gebiet wird die natürliche Entwicklung von Lebensräumen geschützt«, so Hempfling weiter. »Ein Waldbrand kann hier als Teil der natürlichen Dynamik aufgefasst werden.« Auf den verbrannten Böden können neue Pionierpflanzen- und Tiergesellschaften entstehen, die hier geschützt werden sollen, weil sie selten und wertvoll sind. »Die wichtigste Aufgabe der Brandbekämpfung war es daher, ein Übergreifen auf andere Landschaftsteile und insbesondere Ortschaften zu verhindern«, betonte Hempfling.

Einen noch größeren Waldbrand gab es zuletzt ziemlich genau vor 30 Jahren im Mai 1992 bei Weißwasser. Damals standen rund 1.000 Hektar Wald auf sächsischer Seite in Flammen.