Das Problem läuft hinter der Leine - ein Kommentar zur Stadtordnung

Das Gassigehen gehört zum täglichen Ritual und hat deshalb auch für Frauchen und Herrchen positive Effekte. Sie sind an der frischen Luft, bewegen sich gesund und haben Verpflichtungen, die auch für die grauen Zellen gut sind.

Auf der anderen Seite aber sind „die Hunde der anderen“. Neben Nichthundebesitzern, bei denen man das vermuten kann sind auch für andere Hundebesitzer Hunde ein Problem. Nur eins?

Es war schon mal besser - nimmt aber wieder zu: HUndekot allerorten.

Ein Leben ohne Hund können sich manche Mitbürger nicht vorstellen. Frauchen und Herrchen einen mehr oder weniger folgsamen Freund, der die Liebe, die man ihm gibt dankbar erwidert. Eine Beziehung, die auf beiden Seiten für Wohlbefinden sorgt, für Ausgleich, ein Gefühl für Geborgenheit und Sicherheit. Sicherheit kommt auch durch die Wach- und Verteidigungsfunktion des Hundes, der sicherer schützt als jede Alarmanlage und günstiger zu haben ist als ein Bodyguard. Das Gassigehen gehört zum täglichen Ritual und hat deshalb auch für Frauchen und Herrchen positive Effekte. Sie sind an der frischen Luft, bewegen sich gesund und haben Verpflichtungen, die auch für die grauen Zellen gut sind.

Auf der anderen Seite aber sind „die Hunde der anderen“. Neben Nichthundebesitzern, bei denen man das vermuten kann sind auch für andere Hundebesitzer Hunde ein Problem. Nur eins?

Der anhaltend und scheinbar grundlos kläffende Nachbarshund, selbst der, der jeden Passanten anzuspringen versucht, die wider die Polizeiverordnung frei laufenden Freunde, von denen nur der menschliche Begleiter weiß ob sie gut funktionieren, diese unberechenbaren lebenden Radfahrerfallen, die häufiger als Kinder anzutreffenden Plagen, diese Tretmienenleger auf vier Pfoten…

Es ist ungerecht, auf „die Hunde“ zu schimpfen. Erstens ist die Mehrzahl von ihnen unauffällig, so dass man über sie eher kein Wort verliert, es sei denn mal ein gutes. Zweitens ist der Hund bei allem Training Analphabet. Er kann die Polizeiverordnung nicht lesen, er kann sie nur beigebracht bekommen. Ob das eine oder andere Frauchen Analphabet ist, ist die eine Frage. Ob das eine oder andere Herrchen es versäumt, die Aufgabe wahrzunehmen, dem Hund die Polizeiverordnung beizubringen die andere.

Für die Hundebesitzer und Nichthundebesitzer, die es schon wissen, zur Unterhaltung, für die anderen zum Kennenlernen oder, falls sie nicht selbst lesen können, zum Vorlesenlassen: die populären Irrtümer bei der Hundehaltung in Radeburg:



Irrtum Nummer 1: mein Hund kann auf meinem Grundstück tun und lassen was er will.

Kann er nicht. Er darf noch nicht einmal dauerhaft bellen und damit zum Beispiel die nachbarliche Nachtruhe beeinträchtigen. §9 Abs. 1 der Polizeiverordnung der Stadt Radeburg (PVO): „Tiere sind so zu halten und zu beaufsichtigen, dass Menschen, Tiere oder Sachen nicht gefährdet oder belästigt werden.“

Irrtum Nummer 2: mein Hund darf Passanten anbellen, weil das seine Natur ist

Er darf natürlich bellen, weil es seine Natur ist, aber nicht so, dass Passanten dadurch belästigt werden. Dass sich Passanten belästigt fühlen kann zum Beispiel schon dann der Fall sein, wenn sie regelmäßig angebellt werden. Der Hundebesitzer ist verantwortlich, dafür Sorge zu tragen, dass sich niemand belästigt fühlt. Zitat PVO wie oben.

Irrtum Nummer 3: als Hundebesitzer kann ich nichts dafür, dass mein Hund ausbüxt, weil der Nachbar einen löchrigen Zaun hat.

Es gibt keine Vorschrift, jedenfalls nicht in Radeburg, die die Umzäunung von Grundstücken vorschreibt. Aus diesem Grund muss der Hundehalter den Zaun ausbessern oder ggf. sogar selber für einen Zaun sorgen oder den Hund im Haus oder in einem Zwinger sperren, denn „Tiere sind so zu halten und zu beaufsichtigen, dass Menschen, Tiere oder Sachen nicht gefährdet oder belästigt werden.“ (immer noch §1 PVO) und §2: „Der Tierhalter hat dafür Sorge zu tragen, dass sein Tier auf öffentlichen Straßen und in öffentlichen Anlagen nicht ... frei herumläuft.“ Sprich: das es schon mal nicht ausbüxt. Und gleich noch §3 hinterher, denn das ist der Leinenzwang-Paragraph, der natürlich bei einem weggelaufenen Hund auch nicht erfüllt ist.

Irrtum Nummer 4: ich darf, wenn er mich auf öffentlichen Wegen begleitet, meinen Hund frei laufen lassen, weil er aufs Wort hört.

Wo kein Kläger ist ist kein Richter. Es wird niemanden stören, wenn ein Hund erkennbar gut erzogen ist. Zum Beispiel kann man als Entgegenkommender erkennen, wenn ein Hund auf Kommando Platz nimmt und einen passieren lässt, dass dem so ist. Erlaubt ist es dennoch nicht. §9, Abs. 3: „Hunde müssen auf öffentlichen Straßen und in öffentlichen Anlagen stets angeleint geführt werden.“ Das gilt ausnahmslos im gesamten Geltungsbereich der PVO, also auch zum Beispiel in Großdittmannsdorf.

Irrtum Nummer 5: mein Kind darf mit dem zu Weihnachten geschenkten Hund Gassi gehen, wenn der Hund angeleint ist.

Nur mit dem Angeleintsein allein ist die PVO noch nicht erfüllt. Das Kind muss körperlich und geistig auch in der Lage sein, eine solche Aufgabe zu erfüllen. Neben der hier geltenden Aufsichtspflicht der Eltern heißt es auch in der PVO, §9, Abs.2 ausdrücklich: „Der Tierhalter hat dafür Sorge zu tragen, dass sein Tier auf öffentlichen Straßen und in öffentlichen Anlagen nicht ohne eine hierfür geeignete Aufsichtsperson frei herumläuft. Im Sinne dieser Vorschrift geeignet ist jede Person, der das Tier, insbesondere auf Zuruf, gehorcht und die zum Führen des Tieres körperlich und geistig in der Lage ist.“

Irrtum Nummer 6: Außerhalb des Geltungsbereiches der PVO, also außerhalb der Ortschaft, darf ich meinen Hund frei laufen lassen. Zum Beispiel auf einem Feldweg.

Auch das stimmt so nicht, denn es können auch andere Gesetze und Verordnungen gelten. Radeburg ist umgeben von Landschaftsschutzgebieten. In diesen Gebieten gilt, das alles zu unterlassen ist, was den „Naturhaushalt schädigt“. Wenn hier also der Vierbeiner zur Jagd losgelassen wird, dabei Wildtiere verletzt oder auch nur beunruhigt, ist das eine – nicht für den Hund, aber den Halter bzw. Führer – Ordnungswidrigkeit im Sinne § 61 Abs. 1 Nr. 1. SächsnatSchutzG, die mit bis zu 50.000 Euro bestraft werden kann (ebenda, Abs.2). Ähnliche Regelungen gelten auch für jeden Wald, unabhängig von seinem Schutzstatus.

In Naturschutzgebieten besteht sogar explizit Leinenzwang und davon haben wir ja auch einige. Hier reicht zur Verhängung der o.g. Strafe schon das Nichtangeleintsein.

Irrtum Nummer 7: mein Hund darf auf dem Spielplatz mit Kindern spielen, die zur Familie und zum Bekanntenkreis gehören, so dass alle mit dem Hund und der Hund mit allen vertraut ist.

Hunde dürfen grundsätzlich nicht auf Spielplätze (§9 Abs. 4). Es ist auch kein Ermessensfall, schon aus dem Grund, weil Hinterlassenschaften des Hundes von kleinen Kindern in den Mund genommen werden können, aber auch, weil andere Kinder von ihrem Recht der Spielplatznutzung ausgeschlossen würden.

Irrtum Nummer 8: Ich gehe mit meinem Hund immer in die städtischen Grünanlagen oder achte darauf, dass mein Hund sein Geschäft zumindest auf einer Wiese verrichtet und nicht den Weg verunreinigt.

Es ist löblich, wenn der Hund seinen Haufen schon mal nicht auf den Weg macht. Die Stadtordnung ist da aber strenger. In § 10 Verunreinigung durch Tiere, Abs. (1) heißt es: „Den Haltern und Führern von Tieren ist es verboten, die Flächen im Sinne des § 2 Abs. 1 bis Abs. 3, die regelmäßig von Menschen genutzt werden, durch ihre Tiere verunreinigen zu lassen.“

Öffentliche Straßen sind nach §2 „alle Straßen, Wege und Plätze, die dem öffentlichen Verkehr gewidmet sind oder auf denen ein tatsächlicher Verkehr stattfindet. Öffentliche Anlagen sind „allgemein zugängliche, insbesondere gärtnerisch gestaltete Anlagen oder sonstige Grünanlagen / Flächen, die der Erholung der Bevölkerung oder der Gestaltung des Orts- oder Landschaftsbildes dienen. Zu den öffentlichen Anlagen gehören ebenso allgemein zugängliche Kinderspiel-, Sport- und Bolzplätze.“ Öffentliche Einrichtungen sind „in öffentlichen Bereichen befindliche Brunnen, Wasserbecken, Wartehallen, öffentliche Toiletten, Sitzgelegenheiten, Denkmale, amtliche Schilder und Schautafeln sowie Spielgeräte, Abfall- und Wertstoffbehälter.“

Ist ist also auch nicht gestattet, zum Beispiel in das gärtnerisch gestaltete Grün auf dem Meißner Berg zu sch…

Irrtum Nummer 9: Die Stadt muss sich um die Beseitigung des Hundekots kümmern, denn schließlich bezahle ich dafür Hundesteuer.

Der Sinn von Steuern besteht nicht darin, Verpflichtungen von Eigentümern an andere zu delegieren. Das gilt auch für die Hundesteuer. Sie ist eher als ein Regulativ zu sehen, damit nur der Hundebesitzer wird, der den Verpflichtungen auch gewachsen ist. Das scheint bei manchem trotzdem ja nicht der Fall zu sein, jedoch wird damit dem Einhalt geboten, dass man sich eben mal einen Hund anschafft und ihn dann aussetzt, wenn er nicht mehr passt. Eine Verpflichtung, Streueinnahmen aus der Hundesteuer direkt wieder für Hunde auszugeben hat die Stadt nicht. Dennoch gibt es Städte, die die Hundesteuer erhöhen und dann flächendeckend Behälter mit „Hundetüten“ aufstellen, um der Problematik Herr zu werden. Radeburg hat sich da anders entschieden. In Radeburgs PVO heißt es weiter im 10, unter Abs. 2. „Die entgegen Absatz 1 durch Tiere verursachten Verunreinigungen, insbesondere Tierkot, sind vom Tierführer unverzüglich zu beseitigen. Zu diesem Zweck sind ausreichend geeignete Hilfsmittel für die Aufnahme und den Transport mitzuführen und auf Verlangen den Vollzugsbediensteten vorzuweisen.“

Besonders letzteres dürfte spannend werden, wenn Radeburg da mal ernst macht und zur Kontrolle ausschwärmt. Alle Nicht-Hundebesitzer und auch alle Hundebesitzer, die sich an die Regeln halten, dürfte das freuen. Die anderen sollten mal mehr über ihr Verhalten nachdenken als über das ihres vierbeinigen Freundes. Das Problem ist fast immer hinter der Leine, sofern eine benutzt wird.

Irrtum Nummer 10: Wenn mich niemand darauf anspricht, dass ich mich mit meinem Hund falsch verhalte, stört es auch niemanden.

Doch, es stört viele gewaltig. Manche sagen nichts, weil sie die gute Nachbarschaft nicht beeinträchtigen wollen. Manche sagen nichts, weil der andere ja einen Hund dabei hat. Die Eingaben bei der Stadt und die vielen Fotos, die unserer Redaktion vorgelegt werden, die Tretmienen in die man selber schon getreten ist, die stören uns alle gewaltig. „Habt ihr keine anderen Probleme?“ ist kein Argument. Bis jetzt ist es in unserer Stadt so, dass wir hier Regeln haben, an die sich die große Mehrheit hält und das fängt nun mal im Kleinen an, Sogar bei einem nur ganz kleinen Hundehaufen.

KR