Rückblick auf die Wiederweihe der Radeburger Kirche

Am Sonntag, dem 2. Advent, hatte sich eine große Zahl Menschen auf dem Marktplatz versammelt und wer nicht informiert war, mochte sich wundern. Gegen 9:45 Uhr setzte sich der Strom in Richtung Radeburger Kirche in Bewegung und verschwand im Inneren – so viele, dass man zweifeln konnte, ob die Plätze reichen.

Etwa 400 Besucher kamen zur Wiederweihe der Ev.-luth. Kirche in Radeburg und konnten den neuen „alten“ Glanz bewundern in dem sie erstrahlte.

Etwa 400 Besucher kamen zur Wiederweihe der Ev.-luth. Kirche in Radeburg und konnten den neuen „alten“ Glanz bewundern in dem sie erstrahlte.

Die Decke wurde in ihren ursprünglichen Farben wiederhergestellt und auch die Taube „fliegt“ wieder.

Die Decke wurde in ihren ursprünglichen Farben wiederhergestellt und auch die Taube „fliegt“ wieder.

Schließlich war die Kirche so gut gefüllt wie sonst eigentlich nur am Heiligabend. Der Anlass war die Wiederweihe der Kirche nach einer langen, sehr langen Sanierungsphase. Durch die Bereitstellung von Fördermitteln der EU und des Freistaates aus dem Programm LEADER auf der Grundlage des Aktionsplanes der Region Dresdner Heidebogen war die Maßnahme überhaupt erst möglich geworden. Bis jetzt wurden in der Region bei Kirchen nur Außensanierungen gefördert. Es war die erste Maßnahme, bei der die Innensanierung einer Kirche unterstützt werden sollte. Insofern war es für alle Akteure Neuland und entsprechend kompliziert gestalteten sich die Abstimmungen zwischen weltlichen und kirchlichen Behörden und Ämtern.

Das Vorhaben war ambitioniert, denn das erklärte Ziel war nicht etwa eine Renovierung, sondern tatsächlich eine Restauration hinzubekommen und gleichzeitig denkmalpflegerische Ansprüche und solche einer modernen, offenen Kirche in Einklang zu bringen.

Zum Beispiel waren sämtliche Wände in den 1980er Jahren, der damaligen materiellen Not gehorchend, weiß überstrichen worden. Wandmalereien aus der barocken Ursprungszeit des Kirchenbaus wurden übermalt. Bis auf je ein Bildnis von Luther und von Melanchton wurden alle Bemalungen wieder freigelegt und restauratorisch überarbeitet. Die beiden Bildnisse wurden denkmalgerecht gesichert, aber dennoch wieder weiß übermalt. Dagegen wurde die Altarraumdecke wieder in ihrer ursprünglich blauen Farbe hergestellt und „die weiße Taube fliegt wieder“ am höchsten Punkt des Deckengewölbes. Sie musste komplett neu gemalt werden. Sie schließt nun wieder den Altar optisch ab. Mit modernen Strahlern wird das Altarbild ausgeleuchtet, das trotz der Sanierung vor einigen Jahren recht dunkel ist. Dennoch wirkt es im neuen Licht, als sei es noch einmal saniert worden. Es zeigt den gekreuzigten Christus mit Maria, Johannes und die am Fuße des Kreuzes zusammengesunkene Magdalena.

Nach einiger Auseinandersetzung mit dem Denkmalschutz wurden nur drei statt sechs Stuhlreihen im hinteren Bereich des Kirchenschiffes beseitigt. Das ist ein akzeptabler Kompromiss. In dem frei gewordenen Bereich kann man zum Beispiel nach Gottesdienst oder Konzert noch verweilen, hier ist auch Platz für Rollstuhlfahrer, Rollatoren können abgestellt werden, aber es ist auch Platz für Ausstellungszwecke.

Damit ist die Kirche gut ausgerüstet, um ab Ostern für Besucher geöffnet zu sein und entsprechend attraktive Angebote zu machen. Einziger Wehrmutstropfen der Wiederweihe war die fehlende Orgel. Für den Wiedereinbau der Orgel muss die Kirche noch einmal für drei Monate geschlossen werden, denn für diese Maßnahme ist erste Voraussetzung eine gleichmäßige Luftfeuchtigkeit und Staubfreiheit. Ist dies gewährleistet, wird das Stimmen des Instruments noch einmal einen Monat in Anspruch nehmen.

Fotos: V. Miethe

weitere Beiträge der Kirchgemeinde

Danke für diesen guten Morgen! - Aus der Dankesrede des stellv. Vorsitzenden des Kirchenvorstandes der Ev.-luth. Kirchgemeinde Radeburg, Albrecht Frenzel

Danke für diesen guten Morgen! - Aus der Dankesrede des stellv. Vorsitzenden des Kirchenvorstandes der Ev.-luth. Kirchgemeinde Radeburg, Albrecht Frenzel

Der Posaunenchor eröffnete das umfangreiche musikalische Programm der Wiederweihe.
Der Posaunenchor eröffnete den musikalischen Reigen.
Blick in den renovierten Altarraum.
Blick in den renovierten Altarraum.

Liebe Gemeinde, liebe Gäste!

Sind sie genauso glücklich wie ich? Wir können in unserer Kirche wieder Gottesdienste feiern. In den letzten Monaten sah es hier anders aus. Die Bänke waren abgedeckt, der Altar und die Kanzel waren verhüllt. Die Wände waren für die Verlegung der Kabel aufgehackt. Der Fußboden war entfernt worden. Um die Holzdecke zu reinigen, nahm ein großes Gerüst den gesamten Kirchenraum ein. Aber es hat sich gelohnt. Jetzt ist fast alles geschafft.

Ich möchte an dieser Stelle allen danken die hier mitgewirkt haben. Ohne die kompetente und fachlich fundierte Ausführung der Arbeiten durch die Architekten, die Restauratoren, unsern Baupfleger vom Regionalkirchenamt und vor allem den Handwerksbetrieben wäre das gesamte Vorhaben nicht möglich gewesen. Danken möchte ich aber auch allen ehrenamtlichen Helfern aus der Gemeinde. Es wurden zum Beispiel die vorhanden historischen Lampen aufwendig wieder aufgearbeitet. Dank an die Gemeindeglieder, welche in den letzten Wochen alle Bänke, alle Holzfußböden, Emporen Wände und die Außentüren mühevoll gereinigt und den Kirchenraum festlich geschmückt haben. Dank aber auch allen denen, die uns im Gebet begleitet haben. Wir hatten keinen Unfall zu beklagen.

Kommen wir noch einmal zum Anfang. Im Jahr 2010 zu Pfingsten tobte durch Radeburg ein Tornado. Er beschädigte das Kirchendach erheblich. Durch die darauffolgenden Reparaturarbeiten wurde festgestellt, dass alle Dachbalken von der Trockenfäule befallen waren. Vor allem war der Zwillingsbalken hier über mir betroffen. Es war ein kritischer Zustand. Es drohte die Zwangsschließung der Kirche. Nur mit dem Aufstellen einer Gittermastsäule, hier unter dem Zwillingsbalken konnte die Zwangsschließung verhindert werden. Unter Leitung unseres damaligen Pfarrer Seifert fingen damit die Sanierungsmaßnahmen an.

Das ist nun schon ca. 8 Jahre her. Nach der Balkensanierung im Dach folgte die Sanierung des Turmes und anschließend die Außensanierung des Kirchenschiffes. Aber wer bauen will und muss braucht Geld. Da begann eine bürokratische Arbeit. Es waren aufwendige Ermittlungen zu führen. Wieviel Eigenmittel können verwendet werden? Wieviele Zuschüsse erhalten wir von der Landeskirche? Aber wir brauchten auch Zuschüsse aus öffentlichen Fördermitteln. Für die Außensanierung haben wir Fördermittel aus der Städtesanierung von Bund, dem Land Sachsen und von der Stadt Radeburg in nicht unerheblicher Höhe erhalten. Hier sei der Bürgermeisterin Frau Ritter, sowie Ihrem Vorgänger Herrn Jesse und allen Stadträten der Stadt Radeburg ausdrücklich gedankt.

Für die Innensanierung mussten aber neue Fördermöglichkeiten gesucht werden, da die Förderung durch Bund, Land und Stadt hier nicht möglich war. Mit der Suche nach möglichen Fördertöpfen blieb nur eine Möglichkeit übrig, die Förderung durch den Dresdner Heidebogen. Dort werden die Fördermittel der Europäischen Union für den ländlichen Raum organisiert und vergeben. Es musste ein ca. 40seitiges Antragsformular ausgefüllt, Erläuterungen und Begründungen verfasst werden. Absprachen innerhalb des Kirchenvorstands waren nötig. Und wir brauchten eine kirchliche Baugenehmigung. Nach mehrmonatigem Recherchieren konnte der Antrag Ende 2016 abgegeben werden, natürlich mit der Hoffnung einer Zustimmung. Anfang 2017 kam diese Zustimmung. Wir waren alle erleichtert und froh über die positive Entscheidung.

Aber wer gedacht hat, es seien damit alle Probleme gelöst, wurde eines Besseren belehrt. Jetzt musste der gesamte Antrag noch einmal an das Landratsamt Meißen gestellt werden. Jedoch erst ein Jahr später, im März 2018, erfolgte von dort Zustimmung. Aber es gibt noch einen sehr wichtigen Punkt in der Finanzierung. Das sind Sie, liebe Spenderinnen und Spender. Frau Karina Jentzsch mit ihrer Spendengruppe hat uns als Gemeinde über einen langen Zeitraum mit dem Einwerben von privaten Spenden einen großen Dienst erwiesen. Ihnen sei hiermit ganz herzlich gedankt.

Wir wünschen allen eine gesegnete und friedvolle Advents- und Weihnachtszeit. Wir freuen uns schon auf die Christvespern am 24.12., welche wieder hier in der Kirche stattfinden werden.

Nachträglich wurden wir gebeten, über den Radeburger Anzeiger auch noch folgenden Dank zur Kirchweihe nachzureichen: Es gab von der Gemeinde und vor allem von den Gästen eine große positive Resonanz zum Weihegottesdienst. Der Kirchenvorstand bedankt sich ausdrücklich bei Pfarrer Kecke für die Organisation und die inhaltliche Ausgestaltung des Gottesdienstes und die wunderbare Predigt. Ein großer Dank auch allen Mitwirkenden im Gottesdienst. Großen Eindruck hat auch die Ausschmückung der Kirche mit Blumen und Kränzen hinterlassen. Vielen Dank auch allen, die dazu beigetragen haben.

Unser Eine-Welt-Basar – warum Fairer Handel?

Unser Eine-Welt-Basar – warum Fairer Handel?

Blick in den Eine-Welt-Basar.
Blick in den Eine-Welt-Basar.
Der Laden befindet sich direkt am Kirchplatz.
Der Laden befindet sich direkt am Kirchplatz.

Fairer Handel boomt. In den letzten Jahren hat er eine unglaubliche Erfolgsgeschichte geschrieben und ist so präsent wie nie. Für viele gehört er selbstverständlich zum Alltag. Und dort ist er auch angekommen: Fair gehandelte Produkte gibt es in Weltläden ebenso wie in Supermärkten, Kantinen und Cafes. Kein Wunder also, dass sich auch immer mehr konventionelle Anbieter Fairness auf ihre Fahnen schreiben und ihre Produkte als „nachhaltig“ bezeichnen. Aber sind sie damit auch Teil des Fairen Handels? Der Faire Handel ist eine internationale Bewegung für mehr Gerechtigkeit im Welthandel: Er bietet benachteiligten Produzent/ innen eine faire Chance, ihre wirtschaftliche und soziale Existenz dauerhaft zu sichern. Es geht um gute Produkte zu fairen Preisen, die Produzent/innen ein Leben in Würde, sowie Investitionen in die Zukunft ermöglichen.

Das ist das erste Standbein. Das zweite ist, über Bildungs- und Informationsarbeit Ideen und Schritte hin zu einem gerechteren Welthandel aufzuzeigen und politische Forderungen auf Bundes- und EU-Ebene zu stellen. Wie notwendig dies ist, zeigen die vielfach dokumentierten Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen in den Lieferketten des konventionellen Welthandels.

„100 % fair“ steht für das Ziel der Fair-Handels-Bewegung: ein Handel, der für alle Beteiligten gerecht ist und ihnen ein Leben in Würde ermöglicht. Fairer Handel ist ein Entwicklungsprozess, Stück für Stück arbeiten wir auf verschiedenen Ebenen an seiner Realisierung. So kann beispielsweise die Weiterverarbeitung der Rohstoffe durch die Produzent/innen in vielen Fällen noch ausgeweitet und dadurch die Wertschöpfung bei den Produzentenorganisationen erhöht werden. Handel und der globale Reichtum nehmen zu. Doch die weltweite Verteilung dieses Reichtums ist sehr ungleich; die Kluft zwischen Arm und Reich vergrößert sich, zunehmend auch innerhalb der Länder des Nordens und Südens. So sind noch immer fast eine Milliarde Menschen von Armut und Hunger bedroht und haben kaum Möglichkeiten, ihre Situation aus eigener Kraft zu verbessern. Gleichzeitig steigen die Belastungen für die Umwelt mit der wachsenden weltweiten Nachfrage nach Konsumgütern.

Für diese Entwicklungen gibt es viele Ursachen: Kriege, Klimawandel, fehlende staatliche Strukturen, die noch immer wirkenden Folgen der Kolonialgeschichte, die Einkaufsmacht großer Konzerne oder auch ungerechte Landverteilung tragen dazu bei, dass Menschen weltweit unter der Armutsgrenze leben. Ein weiterer Faktor ist, dass die Länder des Globalen Südens nach wie vor fast nur Rohstofflieferanten für den Globalen Norden sind. Hunger, fehlende Gesundheitsversorgung und Bildungsangebote sowie menschenunwürdige Arbeitsbedingungen betreffen auch im 21. Jahrhundert noch unvorstellbar viele Menschen – auch und gerade solche, die für unseren Konsum arbeiten. Viele Menschen im Globalen Süden sehen keine Perspektive für sich und ihre Kinder. Immer mehr von ihnen verlassen ihre Heimat und suchen ein besseres Leben in der Stadt oder im Ausland. Der globale Handel, wie er bisher stattfindet, ist weder fair noch fördert er eine nachhaltige Entwicklung. Hierfür braucht es andere und verbindlichere Regeln als bisher. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, den Handel noch fairer zu machen.

Quelle- mit freundlicher Genehmigung von "100% Fair - Der faire Handel in Deutschland, Forum Fairer Handel e.V.", Berlin 2016

Unsere Kirchgemeinde bietet Ihnen mit dem Eine-Welt- Basar eine Möglichkeit, den fairen Handel zu unterstützen.