Radeburger Karneval wird 70 - und dreht am Rad der Zeit

Die Jubiläumssaison, die am 11.11. startet, wird ausgerechnet eine verdammt kurze. So hat der Radeburger Carnevals Club für seine 70. Saison "am Rad der Zeit" zu drehen. Deshalb 8und aus anderen Gründen) gibt es vor der Saison schon eine Ausstellung - und auch der Band 2 der Chronik soll dann fertig sein. Für beides, Ausstellung und Chronik, geht der Aufruf an alle, die noch wichtige Fotos und Erinnerungen beisteuern können.

Am 11.11.26, pünktlich um 11.11 Uhr, beginnt auf dem Radeburger Marktplatz wieder die fünfte Jahreszeit. Dann übernehmen die Narren traditionell den Rathausschlüssel, das Kinderprinzenpaar wird gekrönt, ein Fass wird aufgemacht – wie immer? Nicht ganz wie immer – denn für den Radeburger Carnevals-Club startet eine ganz besondere Saison: Radeburg feiert 70 Jahre RABU, 70 Jahre Radeburger Karneval. 

Das Motto der Jubiläumssaison steht bereits fest: „RABU dreht am Rad – der Zeit“. 
„Das Motto hatten wir schon vor drei Jahren in der Leitungssitzung als absoluten Favoriten“, sagt RCC-Vorsitzender Kai Drabe. Damals habe man sich bewusst entschieden, es nicht sofort zu verwenden. „Wir haben gesagt: Das ist eigentlich das Motto für die 70. Saison, weil es für den Rückblick super passt.“ 

Für die kommende Saison ist es mehr als ein Wortspiel. Am Rad zu drehen passt zum Närrischsein, und närrisch ist auch, das Rad der Zeit zurückdrehen zu wollen. Und doch kann man es versuchen: als Rückblick auf sieben Jahrzehnte - das sind ungefähr vier Generationen. Die Eltern der 1957 geborenen, die damals RABU ins Leben riefen, sind jetzt Urgroßeletern. Sieben Jahrzehnte sind voller Erinnerungen an „närrische Zeiten“ an den Spaß, den man hatte, die Knaller an witzigen Beiträgen, die phantasievollen Choreographien, frühere Prinzenpaare, bunte Uniformen und Kostüme, Umzüge mit spektakulären Wagen… Das alles soll einem Schöpfrad gleich, wieder nach oben kommen… Aber trotz Jubiläum bleibt nicht unendlich viel Zeit. Ausgerechnet die 70. Saison ist eine der kürzesten. Nur fünf Mal in den 70 Jahren war die Saison noch kürzer – allerdings ist 2035 schon am 6. Februar Finale und so einen kurzen Fasching wie den von 2008 mit dem Ausklang am 5. Februar werden nicht einmal die erleben, die an diesem Tag geboren sind – denn das „passiert“ erst 2160 wieder. 

Ausstellung öffnet schon im September

Wie man in unserer Chronik, Band 1, nachlesen kann, beruht die Berechnung der Fastnachttermine auf dem christlichen Osterkreis und ist quasi „Gesetz“. Auch der Auftakt zum Jubiläum ist unumstößlich am 11.11. Die Idee ist deshalb, Elemente des Jubiläums „auszulagern“, die nicht zwischen Krönung und Entkrönung eingebettet sein müssen. Schon am Sonntag, dem 20.09.26, wird im Radeburger Heimatmuseum die Ausstellung zu 70 Jahren Radeburger Karneval eröffnet. Sie ist bis 12. November 2026 zu sehen und führt damit unmittelbar in die neue Karnevalssaison hinein.
Natürlich wäre eine Ausstellung über den gesamten Saisonverlauf hinweg optimal. Aufgrund der langjährig feststehenden Planung der Karikaturenausstellungen ist dies aber nicht möglich. Eine Ausstellung erst nach der Saison kann sich niemand ernsthaft vorstellen. Auch wenn der „Geburtstag“ des Elferrates als erstem „Parlament“ von RABU, laut Chronik Band 1, der 5. März 1957 ist, liegt er so weit hinter den Feierlichkeiten, dass das Jubiläum gefühlt vorbei ist. Also einigte man sich mit Bürgermeisterin Michaela Ritter und Museumsleiter Robert Rösler auf den oben genannten Zeitraum. Immerhin können so aktive und ehemalige Karnevalisten, Gäste, Familien und Freunde schon vor dem offiziellen Saisonstart auf die Geschichte des Radeburger Karnevals zurückblicken und sich einstimmen. 
Besonders passend ist dieser Zeitraum für die interne Jubiläumsveranstaltung, die der RCC für den 8. November plant. Eingeladen werden sollen ehemalige und aktive Mitglieder. Viele, die inzwischen nicht mehr in Radeburg wohnen, bekommen damit die Gelegenheit, die Ausstellung im Heimatmuseum zu besuchen und noch einmal in die eigene Karnevalszeit einzutauchen. 

Große Saison, wenig Wochenenden

Ausgerechnet die Jubiläumssaison ist also eine besonders kurze. Nach dem Auftakt im November bleiben dem Verein nur wenige Wochenenden, bis mit dem großen Umzugswochenende und dem Umzug am Faschingssonntag, dem 7. Februar, der Höhepunkt erreicht ist. Für die Organisatoren bedeutet das: Prioritäten setzen. 

Der RCC hat deshalb sein Programm gestrafft. Der Rockfasching wird in dieser Saison nicht stattfinden. Pragmatischerweise fällt die Veranstaltung mit der zuletzt geringsten Nachfrage weg. 
Im November stehen nach dem Auftakt traditionell die Prunksitzungen und die Reloaded-Party an. Im Januar folgen unter anderem der Schlafmützenball, der Tirolerball, die 70er-Jahre-Party und der Rentner-Fasching. Anfang Februar geht es dann ins Festzelt und auf die Straße: mit Megaparty, Remmi-Demmi, Sachsens größtem Umzug und am Fastnachtsdienstag Lampionumzug, Feuerwerk und dann die Auszeichnungsveranstaltung mit dem „entkrönenden Abschluss“ und der Rückgabe des Rathausschlüssels.

Umzugsgruppen: früh anmelden und Vorteile sichern! 

Die Anmeldung der Umzugsgruppen soll ähnlich laufen wie in der vergangenen Saison. Wer sich bis 10. November anmeldet, soll wieder die Möglichkeit bekommen, Karten fürs Festzelt entsprechend der gemeldeten Teilnehmerzahl zu reservieren. 

Für den Verein hatte sich dieses Verfahren bewährt. Die Umzugsgruppen kamen verlässlicher und früher in die Planung, zugleich konnten viele Teilnehmer ihre Karten ohne unnötigen Stress sichern. 
Wir hatten noch nie so viele An- meldungen so frühzeitig“, sagt Kai Drabe rückblickend. An der Grundstruktur wolle man deshalb festhalten und nur an einzelnen Stellen nachjustieren. 

Sachsens größter Faschingsumzug lebt vor allem von den Gruppen und Vereinen, deren Ideen Bildern, Wagen, die den Umzug jedes Jahr prägen. Gerade für den Jubiläumsumzug ist das wichtig, denn Jubiläen hatten in der Vergangenheit schon gelehrt, dass es da eine besonders große Teilnehmerzahl gibt:

Chronik: Es werden noch bestimmte Bilder und Infos gesucht 

Parallel zur Ausstellung arbeitet der RCC weiter an der Fertigstellung von Band 2 der Chronik zum Radeburger Karneval. Viel Bildmaterial ist inzwischen zusammengetragen worden. „Wir sind fleißig am Durchforsten“, heißt es aus dem Arbeitskreis. Inzwischen werden nicht mehr Bilder allgemein gesucht, sondern gezielt. 

Besonders bei den Schülerprinzenpaaren und den früheren Kindergarten-Prinzenpaaren zwischen 11. und 36. Saison gibt es leider noch Lücken. Gesucht werden aus diesem Zeitraum auch noch aussagefähige Bilder von Umzugswagen. Zwar seien in den vergangenen Wochen wertvolle Bilder aufgetaucht, doch ausgerechnet von einigen gesuchten Wagenbildern gebe es bislang noch keine Spur. „Wir suchen händeringend ein Bild vom ‚Prinzenwagen‘ der 23. Saison,“ heißt es. Das ist der Jahrgang 79/80 mit Prinz Claus I und Prinzessin Uta I, der unter dem Motto „So ein Zirkus“ lief. 

BIs Montag, 15. Juni...

Wer noch Fotos, Dias, Programme, Zeitungsausschnitte oder andere Erinnerungsstücke aus der Zeit zwischen der 11. und 36. Saison (1967 – 1993 ) hat, sollte sich damit bitte bis zum 15.06.26 beim Ideenwerk Radeburg (August-Bebel-Str. 2) melden. 
Auch die Liste der Namen der Schüler- und Kindergarten-Prinzenpaare ist nicht vollständig. Leider wurden in den Schulen und Einrichtungen Informationen dazu nicht aufbewahrt bzw. ist der Verbleib zur Zeit ungeklärt. Deshalb ist man trotz Zeitdruck für jeden Hinweis dankbankbar (bis zum 15.06.26 an Klaus Kroemke, Tel. 0173-9330725 / klaus@kroemke.de).