Radeburg und die Welt: Civil Marsh for Aleppo – was wurde eigentlich daraus?

Vor einem Jahr, am 26. Dezember 2016 sind sie gestartet. Am 4. Januar ihre Gruppe mit einem Transparent durch Radeburg, auf dem stand „Civil Marsh for Aleppo“. Sie wurden zur Mittagspause in den Zillebunker eingeladen und berichteten dort über ihre Absichten.

Geschätzte dreißig hoffnungsvolle Aktivisten und Begleiter waren es noch in Radeburg, fünf sind "durchmarschiert", fanden aber kaum noch mediale Resonanz.

Kurz gesagt ging es darum, die Flüchtlingsroute über den Balkan bis nach Aleppo in entgegengesetzter Richtung zu gehen, um „die Aufmerksamkeit der Welt darauf (zu) lenken, dass dort Zivilisten sterben,“ wie Anna Alnoth, Initiatorin der Aktion, sich ausdrückte. Das war schon damals ein Anachronismus, denn Mitte Dezember war Aleppo durch die Regierungstruppen – je nach Sichtweise – wieder befreit bzw. zurückerobert worden.

Dennoch hatten die Friedensläufer den Plan, mit ihrem Anliegen gehört zu werden, von der UN und allen anderen Institutionen und Verantwortlichen, „das Massaker an syrischen Zivilisten zu stoppen“, das zwar nicht in Aleppo, aber andernorts in Syrien ja weiterging.

Mit der „Grenze zu Syrien“ war schon damals in Radeburg das Ziel klar relativiert: es hieß ja auch nicht „nach“ (to) Aleppo sondern „for“ (für). Am Montag, dem 14. August 2017, also nach 8 Monaten, war Anna mit weiteren fünf der in Berlin gestarteten Aktivisten am Ziel. Noch einmal sechs weitere hatten sich angeschlossen. Anna hatte mit Tausenden gerechnet.

Das Gros der Mitstreiter, es waren da wohl noch so um die 30, ging auf Lesbos von der Fahne. Es sollte von dort weiter durch die Türkei gehen, doch die Genehmigung zur Demonstration durch die Türken ließ auf sich warten. Die Behörden wollten Namenslisten mit türkischen Mitstreitern, doch die Aktivisten wollten ihre Freunde auch nicht ans Messer liefern.

Eine unerhörte Situation, im doppelten Sinne des Wortes, denn auch die großen Medien, die den Abmarsch noch in den Hauptnachrichten gefeiert hatten, beachteten die Friedensläufer nicht mehr. Die meisten betrachteten von diesem Punkt an die Aktion als gescheitert und reisten ab. Die Verbliebenen bestiegen einen Flieger nach Libanon, um von dort weiter zur syrischen Grenze zu gelangen. Anna Alnoth und einige Mitstreiter schafften es. Das Ergebnis ist fragwürdig. Vom Idealismus blieb nicht viel übrig. Anna setzte ihre Familie aufs Spiel und ein syrisches Mädchen in einem Flüchtlingslager machte ihr das klar. Nachzulesen hier: TAZ-Interview mit Anna Alnoth

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