RABU: Klimawandel in der 5. Jahreszeit

Wenn Menschen in der Lage sind, das Klima zu ändern, dann sind Narren erst recht in der Lage, das Wetter zu beeinflussen. Schon seit einigen Jahren ist es Gewohnheit, dass Schlechtwetterphasen am 11.11. um 11:11 Uhr mindestens eine Pause einlegen, so sie überhaupt vorhanden sind. Während es ringsum regnete, konnten Böllerschüsse und Luftballons in einen kurzzeitig aufblauenden Himmel abgegeben werden.

Das Prinzenpaar, Prinzessin Anja I. und Prinz André II. mit Hofstaat der 61. Saison, rechts: Hofnarr Rainer und das "kleine Prinzenpaar", Prinzessin Emmy I. und Prinz Finley I.

Egal, was Wetterfrösche und Bauernregelkundler vorhersagen, für die Narren steht eines fest: es gibt schon immer HEISSE NÄCHTE IN RABU – warum dies nicht mal zum Motto machen?

Heiße Nächte in der 5. Jahreszeit sind hier so sicher wie Schlüsselübergabe, Bieranstich und die Krönung des Kinderprinzenpaars. Obwohl: eine kleine Verunsicherung war diesmal doch aufgetreten. Bürgermeisterin Michaela Ritter drückte dem Präsidenten des Elferrates, Olaf Häßlich, den Rathausschlüssel in die Hand und „schockierte“ das närrische Volk mit dem Ausspruch: „Lieber Olaf, mach Deine Sache gut, wir sehen uns dann Aschermittwoch!

Wollte sie sich etwa in einen 92tägigen Urlaub verabschieden?

Glauben mochte das natürlich niemand – nicht einmal sie, wie sie anschließend dem Team vom Sachsenspiegel gestand. Gemeint war dies eher in Bezug auf den Schlüssel, den sie am Aschermittwoch um 0:00 Uhr traditionsgemäß zurückbekommt.

Dagegen völlig indiskutabel – weil beanstandungsfrei verlief der Bierfassanstich. Das war professionell, denn immerhin machte die Rathausschefin das nun auch schon zum fünften Mal.

Kraft seines Amtes rief Olaf Häßlich sodann das Kinderprinzenpaar aus. Ihre Lieblichkeit, Prinzessin Emmy I. und seine Tollität Prinz Finley I. übernahmen interimsweise die Aufsicht über die Einhaltung der Kuß-, Duz- und Narrenfreiheit in RABU, bis sie am Abend 21:11 Uhr durch das „große“ Prinzenpaar abgelöst wurden.

Aber erst einmal beamten die „Minis“ die Stimmung. Zum „Herzbeben“ gab es eine ganz tolle Choreographie, ganz prima getanzt von der Rosa Garde im Kindergartenalter. Ebenso die Minni-Tanzgruppe, die als „Glüh(!)würmchen“ schon ein kräftiger Marker waren, denn wie sagt eine Bauernregel? „Wenn das Würmchen leuchtend schwirrt, es ein heißer Fasching wird!“ Na ob das mal stimmt...

Mit den Worten „Wie jeder in RABU wohl weiß, wird diese Saison so richtig heiß!“ führte Seine Tollität Prinz André II. sich und Ihre Lieblichkeit, Prinzessin Anja I. ins Amt ein.

Die närrischen Insignien, Prinzessinnenkrone und das Zepter mit Schellen und Narrenkopf bekam das Prinzenpaar von seinen Vorgängern überreicht – von Ex-Prinzessin Marika I. und Ex-Prinz Ronny I. Letzterem wird wohl als erstem aufgefallen sein, dass dem Präsidenten ein Schnitzer unterlief, denn er sprach den Prinzen als André I. an. Das aber war der Prinz der 59. Saison, Ronny I. also nun im „André-Sandwich“ mit André I. als Vorgänger und André II. als Nachfolger.

In RABU wird das Prinzenpaar bis zur Krönung geheim gehalten, weshalb die Spekulationen auch diesmal wieder ins Kraut schossen. Es wurden Wetten abgeschlossen, die nun wahlweise gegen eine Runde „Kuba“, „Freiberger“ oder „Rotkäppchen“ eingelöst werden. Beinahe wäre es diesmal aber gar keine Überraschung geworden, denn einem besonders quengelnden Narren hatte Olaf einen Tipp gegeben: „Der Mädchenname der Prinzessin ist der Beruf des Prinzen!“ - Oh, da gab es allerdings Möglichkeiten! Bäcker, Müller, Fleischer, Förster, Schäfer, Richter… Es gibt ja fast keinen Beruf, den es nicht als Namen gibt in RABU! Am Ende war es Anja, geborene Fuhrmann und Andrés Beruf im Familienbetrieb Rodewald ist genau dieser…

Fuhrmänner hatten früher mit Pferden zu tun. An den Ziegeleien hat man das heute noch. In der Quadriga (zu deutsch Viergespann). Passend zum Namen ritten drei (!?) zwar nicht nach Texas, aber durch die Kleinkuppenprärie in Richtung Marktplatz von RABU, um dem närrischen Volk die Aufwartung zu machen. Rittmeister Holger U., Kornett Matthias L. und Husarenanwärter Michael H. führten einen militärischen Dressurritt durch, dem allerdings nicht alle Pferde gewachsen waren. Muss man gesehen haben.

Eine ganz andere Annäherung versuchte ein Geschwader von Air Berlin, das Mangels geeigneter Möglichkeit auf der Baustelle der Bundeshauptstadt einen Landeanflug auf RABU versuchte (Kleine Schülergarde).

Nachdem die Billigflieger viele Ausländer nach RABU eingeflogen hatten, nahm sich Dixen als etwas verdrehter „WachtNächter Wurkhard Bilbat“ Gäste vor, die eine Kneipentour gebucht hatten – der schöne Lord Michael, el Señor Herriba und Scheich Sillhad. Dabei offenbarte er gleich das Kernproblem der heißen Nächte: „Ich führe Sie durch unsere kenigen Weipen...“ Gäste pflegt es zu dürsten – und das Grundbedürfnis nach der 5. Jahreszeit angemessenen Getränken kann vor Ort immer schlechter befriedigt werden. Die Gäste protestierten und lasen die ehemaligen Lokationen aus einem uralten FeiseRührer vor: KatsReller, Loldener Göwe, Ladt Steipzig, Gur zuten Quelle bis hin zum Rourmet Gestaurant Rudi´s Rast. Und heute? Gibt es zwei Bahnhofsrestaurants, aber das eine kann man nur noch mietzschen (Insider: Verbform des Inhabernamens) und Bundels Hahnhof hat, wenn er auf hat, einen Wingenden Sirt und wenn der genug (gewungen?) hat, hat der am nächsten Tag wieder zu…

Der Nachwächter führte die Gäste weiter über die Promnitz, nicht ohne das Grüne Gewölbe zur Linken zu erwähnen – langjähriges Open Air Lokal, eher für Arme, aber seit nicht ganz Neuestens abgelöst durch das Lokal am anderen Ufer, Schröders KierBästen. Diese sind überdacht und bieten nun auch Platz für die creme de la creme von RABU. Über die Palte Oststraße liefen die weiter zu einem echten Geheimtipp: der Blempnerei Kerge. Allerdings hat die wiederum die Eigenart, dass nur einmal im Jahr was aus dem Hahn kommt. Von dort ging es aber flugs weiter in Weiligs Keinstube. Hier kann man fast immer was trinken, „nur mittwochs gehe hier nicht rein… da riecht es wie im Altenheim“ (Insider: da tagt der Elferrat). Direkt gegenüber, so erwähnte es der FeiseRührer, gab es mal das Bastahus „Zur Görse“, einst Erlebnisgastronomie mit „Schiener Witzel“ und Stammlokal der närrischen Justiz. Gab es mal… Hundert Meter durch die Pfarrgasse gelangt man zum omnipräsenten Heutschen Daus. Also: öfter offen als alle anderen, außer Faschingssonntag – aber da haben eh alle zu. Und schließlich kommt der bunte Haufen am Marktplatz an. Außer dem traurig dahinscheidenden KatsReller gibt es hier noch den nach fünfmonatiger Umbauphase in neuem Glanz erstahlenden „Hirsch“. Dem WachtNächter fällt es schwer, die Veränderungen zu erklären, aber schließlich kommt er drauf: „Das Damenklo wurde nachhaltig mit Holz verkleidet.“ Jedenfalls war „die Moral von der Geschicht: ohne Kneipen geht es nicht!“

Für die Garde war der „Hirsch“ ein hinreichend düsterer Ort, um Monster zum Tanzen zu bringen mit gefühlten hundert glühenden Augen. Wie sie es geschafft haben, das nicht nur Augen an Körper und Gliedern funkelten, sondern auch die eigenen – das muss noch recherchiert werden. Aber rein optisch: Hammer!

Wehmut nach guten alten Zeiten verströmte der offenbar ebenfalls extra eingeflogene Nils aus Hamburg, der mit „Jeder war schon mal verliebt in RABU...“ seine Musical-Stimme zum Klingen brachte.

Retten konnte da RABU eigentlich nur noch Zauberei – und geboten wurde sie von Edwin und Arno. Wie sie Zaubertricks „vermasseln“ und dabei doch eine geile Show draus machen – ist schwer zu beschreiben, muss man einfach gesehen haben und zur Reloaded gehen. Aber das ist sicher auch eine Nummer für die Restsaison, einschließlich Zelt.

Die Narrenpolizei hat mit dem Schuhplattler inzwischen eine „Standardnummer“, mit der sie das heiße Marktpflaster rockt und regelmäßig um Zugaben nicht herum kommt. Natürlich wollen sich die Jungs jedes Jahr wieder selber übertreffen und man muss sagen: es ist ihnen auch diesmal wieder gelungen. Zum Saisonhit von Peter Wackel, „Ich verkaufe meinen Körper“ legten sie eine choreografisch ganz starke Nummer hin und ließen selbst das gesetzte Publikum der ersten Prunksitzung hochgehen wie die Saaltemperatur. Ein echter Kraftakt, besonders für die Anwärter Florian und Patrick, die die „Zentrifuge“ mit gleich je(!) zwei ihrer Kollegen machten… Spektakulär!

Wenn sie das jetzt bei jeder Veranstaltung mit Zugabe machen, können sie sich am Ende für die Olympischen Spiele bewerben.

Und da es nun schon unerträglich heiß geworden war und Getränke eben knapp, wurde Schatten dringend gesucht. Die Gardemädels, in Lack und Leder gehüllt, wurden als 50 shades of RABU von Dominus Uwe L. mit der Ledergerte gen Publikum getrieben. Durch diese Art Schatten wurde besonders den ZuschauHerrn aber eher noch heißer denn kälter.

Erwachsene verstehen das – nur Kinder halt nicht. Davon konnte zuguterletzt Sozialarbeiter Ulf ein Lied singen. Denn die Kinder fragen sich: „Warum ballern alte Männer auf dem Markt mit Knarren rum? Das Kinderprinzenpaar glaubt jedes Jahr, man bringt sie jetzt gleich um. Frau Ritter schlägt das Fass kaputt und alle werden nass, bei Rudis Rast gibt’s Flaschenbier und trotzdem haben alle Spaß. Warum sieht der Vati ständig Gardemädels an und die Mama wundert sich, dass er auf einmal wieder kann...“

Ja, das liegt alles an dem narrengemachten Klimawandel. Da kann man jetzt also nur hoffen, dass das nun auch beim Letzten angekommen ist.

Der Dank des närrischen Publikums geht an alle, die zu den heißen Nächten von RABU beigetragen haben: Elferäte, Narrenpolizisten, Funkengarde, Miniclub, Schülergarden, Trainer, unsere Techniker Jon & Elmar, Mepte, DJ Hans, Partyband, Pictureman Volker, an die Backstage Crew, die Moderatoren Mirko und Matthias mit Präsident Olaf an der Spitze sowie an alle fleißigen Helfer, ohne die das nicht möglich gewesen wäre.

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