Tag der Parks und Gärten im Heidebogen: Keine Kunst ohne Katzenhaar!

Beim diesjährigen Tag der Parks und Gärten, den das Gartennetzwerk des Dresdner Heidebogens alljährlich Ende Mai veranstaltet, waren am vergangenen Sonntag bei traumhaftem Wetter zahlreiche Besucher in die beteiligten Parkanlagen und Gärten geströmt. Auch zwei Schlösser in unserem Verbreitungsgebiet waren beteiligt. Neben Schloss Schönfeld besuchten wir für Sie diesmal auch wieder Schloss Lauterbach.

Roland Schwenke (re.) enthüllt gemeinsam mit dem anwesenden „Bischof Benno“ das Gemälde Lauterbacher Kellerschenke.

Das Traumschloss Schönfeld hat mit drei bis vier Tausend Besuchern ein Traumergebnis an Besuchern eingefahren. Das lag daran, dass sich für diesen Tag der SZ-Antikmarkt angemeldet hatte. Schon am frühen Morgen bildete sich eine lange Warteschlange an der Zufahrt. Bürgermeister Hans-Joachim Weigel war gut beraten, am Ortseingang eines Wiese mähen zu lassen, um zusätzliche Parkplätze zu schaffen. So funktionierte alles reibungslos.Traditionell gab es die stündlichen Schloss- und Parkführungen des Fördervereins, die dank der SZ-Aktion besonders gut besucht waren und ein Highlight war der Auftritt der Tanzgruppe „les-amis-de-la-dance-baroque“ die in Kleidern im Stil des Barock höfische Tänze und Spiele aus der Zeit August des Starken zum Besten gaben. Pulsnitztal-Reisen brachte mit dem Bus Gäste aus der Oberlausitz in die Meißnischen Schlösser, freute sich über das Interesse und wird als neuer Partner nun sicher auch beim nächsten Mal dabei sein. 

In Lauterbach waren rund 700 Besucher zum „11. Lauterbacher Schlossfrühling“ gekommen, um den neuesten Stand bei der Entwicklung von Schloss und Park zu erfahren. Im Mittelpunkt der Bemühungen steht die Rekonstruktion des Schlossturmes, der in den 1930er Jahren wegen Baufälligkeit abgetragen werden musste. Der Turm ist der letzte „Baustein“, um das Schloss in altem Glanz neu erstrahlen zu lassen.

Die Kostenschätzung auf Spendenbasis durch das Architektenbüro Behzadi und Partner Leipzig ergab einen Finanzbedarf von 80 Tausend Euro. Fördermittel in Höhe von rund 34 Tausend Euro wurden beim Dresdner Heidebogen beantragt und von diesem befürwortet. Bürgermeisterin Margot Fehrmann hat die Zusage vom Landratsamt, dass der Bescheid durch die Behörde in Kürze eintreffen soll.  Fehlen also noch rund 56 Tausend Euro. Um diese zusammenzutragen, hat sich der Verein etwas besonderes ausgedacht: Die Lauterbacher Turmherrschaft.

Für Spenden ab 100 Euro kann man Lauterbacher Turmherr werden. 84 Personen, Ehepaare und Firmen haben bereits eine Turmherrschaft erworben und damit aktuell rund 24 Tausend Euro zusammen. Unter den Spendern sind neben vielen Ebersbachern und Lauterbachern, Firmen der Region, Stiftungen und andere Vereine auch adelige Nachfahren der ehemaligen Schlossbesitzer, die Historische Kommission des Adels Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, aber auch Dr. Thomas de Maizière und MDR-Redakteurin Heike Riedel, die sich beim Dreh zum MDR-Beitrag „Im wasserreichen Heidebogen“ (Sendereihe „Unterwegs in Sachsen“) spontan zu einer Spende entschloss. 

Ein besonderer Höhepunkt, wie beinahe jedes Jahr, war wieder die Übergabe eines Gemäldes durch den Dresdner Roland Schwenke, den Vereinsmitglied Falk Hentschel als „Hochland-Canaletto“ vorstellte.

Diesen Vergleich, das war Schwenke anzumerken, mag er eigentlich nicht. „Ich bin Freizeitmaler“, erklärte der in Gorbitz wohnende gelernte Koch auf Nachfrage und erinnerte sich noch gut, wie nach einer Bildspende auf Schloss Schönfeld im Schönfelder Hochland ein Gast im Gespräch mit ihm meinte, seine Malweise erinnere ihn an Canaletto. Da man im Schönfelder Hochland war, meinte ein Journalist, der bei dem Gespräch anscheinend mit dabei stand, Art und Ort zu dem Begriff „Hochland-Canaletto“ zusammenfassen zu können. Seit dem schreibt einer vom anderen den Begriff ab.

Eine akademische Ausbildung hat Schwenke nicht. Er malte als Jugendlicher gern Comics wie die Diggedags ab. Beim Grundwehrdienst in der NVA wurde sein Können entdeckt und per Befehl wurde er „gezwungen“´, ein Ölbild über die deutsch-sowjetische Waffenbrüderschaft zu malen. Sein erstes Ölbild überhaupt. Es folgten weitere. Durch seine Hochzeit auf Schloss Weesenstein entdeckte er seine Liebe zu Schlössern. Die teilte auch seine Tochter, die auf Schloss Lauterbach heiraten wollte. So kamen Schloss und Maler zusammen. Das damals gerade innen sanierte Objekt hatte noch recht karge Wände, da die hier einst aufgehängten Gemälde nicht mehr verfügbar waren. Er erkundigte sich, was für Gemälde dort hingen.  

1735  erwarb Leopold Freiherr von Palm Rittergut und Schloss Lauterbach. Seine Familie bekleidete am Hofe von Kaiserin Maria Theresia wichtige Ämter. Deshalb zierten den Großen Saal im Erdgeschoss Bildnisse von Kaiserin Maria Theresia und Kaiser Franz Stephan I. die Wände. Nach Vorlagen aus Büchern malte Schwenke bis zur Hochzeit Maria Theresia neu und später folgte dann auch noch der Kaiser. Inzwischen zieren zehn Bildnisse von Schlossherren und Familienangehörigen die Wände im Erdgeschoss von Lauterbach. Für mache hat er nur winzige Schwarz-Weiß-Bilder aus Büchern als Vorlage gehabt. Fünfzehn, sechzehn Bilder mit Lauterbach-Motiven werden es insgesamt sein. Schwenke ist also jetzt schon eher ein Lauterbach- denn ein Hochland-Canaletto.

Mit der neuen Schenkung an das Schloss hat er nun zu seiner geliebten Landschaftsmalerei zurückgefunden. Auf dem Bildnis ist die Lauterbacher Kellerschenke, die seit 1710 zum Rittergut gehört und jetzt als Jugendklub genutzt wird, allerdings in nicht wirklich gutem Zustand ist. Roland Schenke lenkt die Aufmerksamkeit der Betrachter darauf, dass hier ein wertvolles Denkmal quasi um die Ecke darauf wartet, gerettet zu werden.

Bleibt die Frage, was Schwenke antreibt, solche Werke zu schaffen und dann einfach zu verschenken. Was ihn antreibt, sagt er nicht nur mit Worten, sondern holt ein „Gästebuch“ hervor. Da sind Gunter Emmerlich, Uwe Steimle, Dorit Gäbler, Alexandra Prinzessin zur Lippe und eben viele Adlige der verzweigten Familien der Palms und der von Kirchbachs, der Vorbesitzer, dabei. 

„Und wenn dann so ein Adelsspross seine Frau in den Keller schickt, um den guten alten Rotwein zu holen – Nein, Frau, wisch den Staub nicht von der Flasche! – und den dann extra für mich aufmacht, dann ist das so eine Stunde, aus der ich meine Motivation ziehe.“

Wenn man Schwenkes Bilder betrachtet, dann staunt man schon, wie er aus perspektivisch verzerrten Foto-Vorlagen malerisch so exakte, wirkungsvolle Bilder hinbekommt. 

„Künstler bescheißen auch immer ein bisschen,“ sagt er, „Caspar David Friedrich hat mal Felsen im Elbsandsteingebirge gemalt und einen dazu erfunden, den es gar nicht gibt – weil eben auf dem Bild was fehlte.“

Ob er sich selber auch als Künstler sieht?

„Ja,“ sagt er und schmunzelt. „Weil in jedem richtigen Kunstwerk ein Geheimnis versteckt ist.“

Bei seinen Werken ist das ein Katzenhaar, das jeweils seine Katze Lady liefert, aber auch ein Tigerhaar hat er schon mal geschenkt bekommen oder das eines schwarzen Panters. Besucher des Schlosses können sich nun auf die Suche machen, denn alle seine Bilder auf Schloss Lauterbach sind derart „verziert“.

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