Schlossfreunde: 10 000 Euro pro Jahr für Schloss Moritzburg

Oft unbemerkt von einer größeren Öffentlichkeit, jenseits des „Aschenbrödel-Rummels“ ist ein kleiner Verein von derzeit 66 Mitgliedern aus reinem Enthusiasmus seit 25 Jahren unermüdlich tätig zum Nutzen des Schlosses Moritzburg. Für das Engagement des Vereins gab es zum Jubiläum die Verdienstmedaille das Landkreises.

Gruppenbild mit Kurfürst Georg: v.l. Landrat Arndt Steinbach (CDU), Schirmherr Daniel Prinz von Sachsen Herzog zu Sachsen, Konrad Seidel (stellvertretender Vereinsvorsitzender), Dr. Kirsten Muster (MdL und Kreisrätin - AfD), Dr. Rainer Jork (MdB i.R und Kreisrat) und Ralf Giermann (Gründungsmitglied und stellv. Museumsleiter Schloss Moritzburg). - Kurfürst Johann Georg III ist der Vater Augusts des Starken. Eines der wenigen Bildzeugnisse von ihm ist dieses auf Schloss Moritzburg.

Der Verein trägt den etwas sperrigen Namen Verein der Freunde des Museums Schloss Moritzburg e.V.“ Seine Mitglieder kommen nicht nur aus Moritzburg, sondern auch aus Dresden, Radebeul, Radeburg, dem übrigen Sachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Allein in den letzten 5 Jahren hat der Verein 53T € aufgebracht, deren überwiegender Teil für Ankäufe und die Finanzierung von Restaurierungen für das Schloss verwendet wurden.

Neben zahlreichen Spenden werden die Mittel zu einem guten Teil aufgebracht, indem regelmäßig spezielle Sonderführungen angeboten werden, die sich Jahr für Jahr steigender Beliebtheit erfreuen und in der Regel ausgebucht sind. Konrad Seidel dankte in seiner Begrüßungsrede insbesondere den Mitgliedern Roswitha Höntzsch und Petra Driske „für die so engagierten Führungen und den ihnen zur Seite stehenden und mithelfenden Vereinsmitgliedern.“ Konrad Seidel, der Stellvertretende Vereinsvorsitzende vertrat den Vorsitzenden, Bürgermeister Jörg Hänisch, der fast zeitgleich zu einer Bürgermeister-Konferenz in New York weilte.

Konrad Seidel konnte den Schirmherr der Veranstaltung, Daniel Prinz von Sachsen Herzog zu Sachsen begrüßen, die Landtagsabgeordnete Dr. Kirsten Muster (AfD), den Landrat Arndt Steinbach (CDU), die Stellvertretende Geschäftsführerin der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten, Silvia Burghardt, den Vorsitzenden des Freundeskreises Schlösserland Sachsen, Dr. Matthias Donath, sowie den Bundestagsabgeordneten i.R. Dr. Rainer Jork.

Wie kam es überhaupt zu der Gründung dieses Vereins? Beeindruckt von dem barocken Ambiente kam der damals im Wirtschaftsministerium des wiedergegründeten Freistaates Sachsen tätige Dr. Herbert Schmidt auf die grandiose Idee, hier seinen 60. Geburtstag feiern. Da private Feiern nicht erlaubt waren, musste ein Verein her – und der musste natürlich einen gemeinnützigen Zweck haben, zum Beispiel indem er die museale Arbeit des Schlosses unterstützt. Schmidt fackelte nicht lange, da man sieben Gründungsmitglieder braucht, überredete er einige seiner potentiellen Geburtstagsgäste und ließ am 15. April 1991 den „Verein der Freunde des Museums Schloss Moritzburg“ ins Vereinsregister eintragen. Zum Vorsitzenden wurde der Ideengeber Dr. Schmidt gewählt. Mit Hilfe einer Tombola und von Spendengeldern wurde während und nach seiner Geburtstagsfeier die unglaubliche Summe von 44.840 DM aufgebracht, die zum großen Teil an das Schloss für den Erwerb von Kunstgegenständen gingen.

Im November 1992 übernahm Professor Dr. Ingo Zimmermann den Vereinsvorsitz, den er bis zu seinem Rückzug aus dem Sächsischen Landtag 1994 innehatte. Auf ihn folgte Dr. Rainer Jork, Bundestagsabgeordneter mit dem Direktmandat unseres Wahlkreises. Er leitete den Verein über 10 Jahre.

In diese Zeit fielen neben vielen anderen Aktivitäten die Baumpflanzaktionen zur Herstellung des Schlossparks in seiner ursprünglich geplanten Form, die Beteiligung an der Finanzierung des Tafelaufsatzes für den Festsaal und die Restaurierung des historischen Gemäldes „Porträt eines Jagdhundes“.

Herr Dr. Jork ging nach 10 Jahren in den Ruhestand und bat auch um Entlastung von dieser Aufgabe. Für seinen langjährigen engagierten Einsatz für unseren Verein wurde er anlässlich unseres 20jährigen Jubiläums mit einer Ehrenurkunde ausgezeichnet. Danach engagierten sich die Bürgermeister der Gemeinde Moritzburg persönlich für den Verein: von 2004 bis 2013 Georg Reitz und anschließend stellte sich sein Nachfolger Jörg Hänisch zur Wahl .

Seit vergangenem Jahr ist der Verein Mitglied in dem vor 2 ½ Jahren gegründeten Freundeskreis Schlösserland Sachsen. Dieser Verein organisierte die Spendenaktion „historische Parkbänke für die Kulturlandschaft Moritzburg“. Auch die Moritzburger Schlossfreunde spendeten für eine Bank.

Von Landrat Arndt Steinbach wurde der Verein mit der Verdienstmedaille des Landkreises geehrt. Bei seinem Grußwort trug der Landrat seinen Wunsch vor, Verein und Schloss würden sich für das derzeit dem Verfall preisgegebene Hellhaus engagieren. Das Hellhaus befindet sich in der Zuständigkeit des Staatsbetriebes Sachsenforst. Unter Leitung des damaligen Leiters des Fostbezirkes Dresden wurde eine Konzeption zur Rettung des Denkmals Sächsischer Jagdkultur und seiner nachhaltigen Nutzung entwickelt. Der Staatsbetrieb sieht die Rettung des Baudenkmales aber nicht als seine Aufgabe an und so schreitet der Verfall unablässig fort. Arndt Steinbach hält es für eine einzigartige Chance für unseren Landkreis, das Thema Jagd zu besetzen. Mit dem Jagdschloss Moritzburg, dem Hellhaus und dem Jagdstern ist die Parforcejagd bundesweit einzigartig darstellbar.

Schirmherr Daniel von Sachsen gab im Rahmen seines Grußwortes ein Geständnis ab. Er war schon beim ersten Besuch des Schlosses so fasziniert, dass er beschloss, seinen Wohnsitz nach Moritzburg zu verlegen. Schloss Moritzburg war der Wohnsitz seines Urgroßvaters Ernst Heinrich Prinz von Sachsen, bevor dieser im März 1945 vor der Roten Armee floh. Zuvor vergrub er jedoch gemeinsam mit Daniels Großvater und dessen Brüdern den „Schatz der Wettiner“. Der größte Teil wurde jedoch von den Sowjets gefunden und abtransportiert. Mutmaßlich befindet sich die Kriegsbeute heute noch in Russland. Ein Teil des Schatzes wurde jedoch erst 1995 entdeckt und ist derzeit in der Ausstellung „1 Förster, 3 Prinzen, 43 Kisten“ auf Schloss Moritzburg zu sehen.

Dr. Matthias Donath widmete sich in seinem Festvortrag August dem Starken. Gleich einer Zwiebel zog er Schale um Schale an Klischeevorstellungen von August ab und zeigte auf, wie die (falschen) Bilder des Kurfürsten in unsere Köpfe kamen. Das positive Bild von August dem Starken, das in unserer heutigen Zeit für alle möglichen Vermarktungszwecke ge- und missbraucht wird, entstand erst vor gut hundert Jahren, durch die Pflege einer sächsischen Identität im Rahmen des deutschen Reiches. In dieser Zeit wurde überhaupt erst der Name „August der Starke“ für den Kurfürsten Friedrich August I geprägt. Zu Lebzeiten wurde er nicht so genannt.

Im Rahmen der Entstehung des deutschen Reiches preußischer Prägung dominierte jedoch lange Zeit ein eher negativ besetztes Bild. Wie in Kraszewskis Romantrilogie „Sachsens Glanz und Preußens Gloria“, der später die oppulenteste DEFA-Filmproduktion wurde, dargestellt, stand dem verschwenderischen, sein Volk bis aufs Blut auspressenden, die Staatskasse plündernden, militärisch erfolglosen Lebemann August der auf das Wohl seines Volkes bedachte, sein Land vergrößernde und persönlich bescheidene König Friedrich II gegenüber.

Beim in der DDR vermittelten Geschichtsbild war diese Sicht auf August den Starken geradezu die Personifizierung dessen, was man der Klasse der Adligen vorzuwerfen gedachte.

Ein weiteres Klischee ist die Darstellung Augusts des Starken als Sex-Protz. Dem Karl Ludwig Wilhelm Freiherr von Pöllnitz zugeschriebenen und bereits zu Lebzeiten Augusts veröffentlichten Buch „La Saxe Galante“ über Augusts Liebschaften, in dem zahlreiche Personen erfunden wurden, die es gar nicht gegeben hat, wird trotzdem eine hohe Autentizität eines „Insiders“ zugebilligt.

Donath kommt zu dem Schluss, dass nahezu alle Autoren, die sich im Laufe der Jahre mit Friedrich August I befasst hatten, voneinander abgeschrieben haben und kaum sich jemand die Mühe des Quellenstudiums machte. „Fakt ist, dass ausgerechnet über die bedeutendste Persönlichkeit der Sächsischen Geschichte das wenigste aufgearbeitete Faktenmaterial existiert,“ konstatiert Donath. „Die bedeutendste Persönlichkeit aus dem Haus Wettin ist zugleich die am wenigsten erforschte.“

Dass August die Staatskasse geplündert hat, gilt als abgemacht, obwohl es dafür keine Beweise gibt. Es gibt umfangreiches Material an Finanzakten, die einer Untersuchung bedürfen. Eine Aufgabe für Doktoranten, die sich an dieses Thema nur einmal heranwagen müssten.

Erwähnt sei noch, dass Albrecht Scharnweber, Mitglied des Dresdner zeitgenössischen Musikensembles „El Perro Andaluz“ die Veranstaltung musikalisch umrahmte. Auf der Klarinette zelebrierte er unter anderem Klezmer-Musik, die im barocken Ambiente des Monströsensaales einen besonderen Reiz verströmte.